Kunst fürs Klo: Unterstütze deine liebsten Frankfurter Clubs, Bars und Cafés

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Foto: Kunst fürs Klo

Die Corona-Pandemie hat unsere Frankfurter Bars, Cafés und Clubs schwer getroffen. Die aktuellen Überbrückungshilfen des Staates decken die Betriebskosten nur zum Teil. Den Rest müssen die Betreiber selbst stemmen.  Um am Traum der eigenen Bar festhalten zu können, wurden Rentenfonds und Lebensversicherungen aufgelöst.

Die Idee zum ehrenamtlichen Projekt

Um die Clubs nicht allein zu lassen und auch weil es einfach eine super Idee ist haben sich drei junge Menschen gedacht, ein ehrenamtliches Hilfsprojekt für Clubs und Bars in Hamburg zu starten. Zunächst wollte René Piroth mit seinen beiden Freunden Anne Stein und Stefan Schoder, mit denen er in Hamburg lebt, einen Instagram-Kanal für „Kunst“ vom Klo erstellen, doch als dann der Lockdown kam, entwickelten sie das Konzept weiter. Sie wollten ihrer Heimat Hamburg mit ihrer Idee etwas zurückgeben.

Von Bar zu Bar, zogen sie los und machten in ihrer Freizeit Bilder von den Malereien in den Toiletten. Zuhause bearbeiteten sie die Bilder und erstellten einen Webshop. Nach mehreren Monaten Arbeit gingen sie dann am 1. Dezember 2020 endlich online.

Bisher ein voller Erfolg

In Hamburg war die Aktion ein voller Erfolg. Mehr als 60 Locations haben teilgenommen und es konnte ein Erlös von 250.000 Euro erzielt werden. Diese gehen direkt und ohne Umwege an die Locations. Das ganze Team hinter dem Projekt, das inzwischen aus 17 Mitarbeitern besteht, arbeitet ehrenamtlich in seiner Freizeit daran. Die Druckerei Dürmeyer Druck übernimmt zum Selbstkostenpreis den hochwertigen Kunstdruck sowie den Versand der Werke. Das ist direkter Support – ohne Zwischenhändler und ohne Firlefanz.

Die Aktion in Frankfurt

Die Aktion hat vor einem Monat auch in Frankfurt begonnen. Auch hier haben sich Freiwillige beim Team von Kunst fürs Klo gemeldet, die ihren lokalen Bars und Clubs helfen möchten. Dennis Kreim, Co-Inhaber des Elfer Music Club in Alt-Sachsenhausen, wurde von einem der Freiwilligen angeschrieben. Er hatte direkt Lust auf das Projekt und schon kam einer der Frankfurter Fotografen zu ihm in seinen Club und machte ein paar Fotos von den vermeintlichen Schmierereien seiner Club-Toilette. Das Ergebnis lässt sich sehen. Es sind individuelle Kunstwerke entstanden, die man in dieser Art noch nicht Zuhause hängen hat.

Locations bisher noch schüchtern

Die meiste Überzeugungsarbeit muss das Kunst fürs Klo-Team bei den Locations selbst leisten. Viele verstehen nicht, dass sie mit der Aktion nur gewinnen können. Dass es ein Projekt gibt, das ihnen kostenlos zur Seite steht und all die generierten Einnahmen direkt an die Gastronomen spendet, verwundert viele. Nach anderthalb Jahren, in denen sich die Clubs vom Staat eine unbürokratische Hilfe gewünscht haben, kommen ein paar junge Menschen aus Hamburg und erfüllen ihnen diesen Wunsch. Die Skepsis war zu Beginn groß.

Doch nach Bekanntwerden der Aktion und vielen prominenten Unterstützern, haben die Clubs verstanden, dass hier jemand kommt, der ihnen tatsächlich etwas Gutes tun möchte.

Hilfe trotz geöffneter Außengastronomie nötig

Seit die Außengastronomie wieder geöffnet ist, freuen sich die Frankfurter darüber, wieder in ihre geliebten Restaurants und Bars gehen zu können. Sie erhalten wieder Unterstützung durch ihre größten Fans: die Gäste.

Doch sind Bars und Clubs noch lange nicht über den Berg. Ihnen fehlen Einnahmen aus den letzten anderthalb Jahren. Viele laufende Kosten wurden nicht durch die Corona-Hilfen gedeckt und mussten von den eigenen Ersparnissen gezahlt werden.

Selbst nachdem die Außengastronomie geöffnet hat, ist es Clubs wie dem Elfer Music Club oder dem Gibson nicht möglich, wieder zu öffnen. Sie sind also weiterhin auf staatliche Hilfen angewiesen.

Kunst in verschiedenen Größen und Farben

Das Besondere an Kunst fürs Klo ist, dass die Werke jeweils in drei verschiedenen Farben angeboten werden sowie in drei Größen. Auch Spezialeditionen werden geboten.

Es sollte kein Merchandise entstehen, den die Leute nur kaufen, um zu unterstützen. Die Werke sollen mit so viel Freude an die Wand gehängt werden, wie Liebe in der Bearbeitung der Bilder steckt. Im besten Fall sollen sie noch jahrelang die Wände der Kunden schmücken.

Vandalismus oder Kunst mit Urheberrecht?

Das ein oder andere Mal ist es auch schon vorgekommen, dass der vermeintliche Künstler sein Kunstwerk wiedererkannt hat. Dann wird das Team von Kunst fürs Klo angeschrieben. Sobald erklärt wird, dass es sich hierbei um eine ehrenamtliche Aktion handelt und man versucht dem jeweiligen Club zu helfen, gibt der vermeintliche Künstler immer seine Zustimmung zur Verwendung.

Wenn jedoch direkt erkennbar ist, von wem das Kunstwerk stammt, da der „Tag“ zum Graffiti erkennbar ist, wir auch direkt nachgefragt, um keinen Ärger mit dem Urheber zu bekommen. Bisher waren allerdings alle Künstler mit der Verbreitung ihrer Kunstwerke einverstanden.

Prominente Unterstützung

Die Aktion Kunst fürs Klo hat auch einige bekannte Persönlichkeiten gewonnen. Angefangen hatte es mit den Placebo Kickers Hamburg e.V. Der Verein veranstaltet jährlich ein „Kicken fürs Herz“-Event und der Organisator, fand die Idee so gut, dass er seine Kontakte hat spielen lassen und Prominente danach gefragt hat, ob sie die Kunst nicht unterstützen möchte. Alle waren schnell begeistert und ließen sich mit ins Boot holen.

Bands wie Revolverheld wollten die Locations, in denen sie normalerweise auftreten, ebenfalls unterstützen, damit sie auch noch die nächsten Jahre dort auftreten können. Es ist also eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Nachdem das Kunst fürs Klo-Team die ersten prominenten Unterstützer hatte, schrieb es auch selbst Prominente über Instagram an. Künstler wie Jan Delay haben das Projekt sofort unterstützt.

Das Team sucht zurzeit noch prominente Frankfurter, die die Aktion in Frankfurt unterstützen möchten. Sie haben schließlich kein Marketing-Budget. „Es gibt noch keine feste Zusage, aber wir baggern schon“, so Piroth.

(Text: TL / Fotos: Kunst fürs Klo)

Dieser Artikel erschien auch auf “Der Frankfurter”.

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