Trittsteine der Kulturlandschaften
Feldgehölze sind kleinflächige Bestände aus Bäumen, Sträuchern und Kräutern, die oft als Überreste ehemaliger Wälder oder durch Anpflanzungsmaßnahmen entstanden sind. Häufig befinden sie sich als kleine grüne Inseln inmitten von landwirtschaftlich genutzten Flächen, an Feldwegen, trennen Weiden von Ackerland oder markieren Grundstückgrenzen. Sie spielen somit eine wesentliche Rolle als Gliederungs- und Funktionselemente der Kulturlandschaft.
Zusammengesetzt sind Feldgehölze aus Bäumen und Sträuchern mit einer krautigen Saumstruktur im Übergangsbereich zu den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen. Sie können entweder als linienförmige Hecken angelegt sein oder inselartig in der landwirtschaftlichen Flur liegen. Die krautige Randzone umschließt dabei die waldartige Innenzone. Zwischen der Saumstruktur und dem Innenbereich können dabei aufgrund der unterschiedlichen Exposition zur Sonne deutliche kleinklimatische Unterschiede herrschen.
Besondere ökologische Bedeutung
Feldgehölze haben eine besondere ökologische Bedeutung innerhalb von landwirtschaftlich genutzten Flächen, da sie als „Trittsteine“ zwischen wertvollen Biotopen fungieren. Sie bilden Verbindungen zu Naturschutzgebieten und Natura 2000-Gebieten und sind damit ein wichtiger Bestandteil des Biotopverbunds, wie er im § 21 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) beschrieben wird. Dieser Verbund verfolgt das Ziel, Lebensräume räumlich und funktional zu vernetzen und der Isolation von Populationen wildlebender Tiere, Pflanzen und Pilzen entgegenzuwirken.
Durch die Vernetzung von Lebensräumen können gleichartige Biotope für Organismen überwindbar werden, sodass ein Austausch von Genen und Individuen stattfinden kann. Dies ist entscheidend für das Überleben von Arten und fördert deren Ausbreitung, Diversität und Vitalität. Feldgehölze agieren somit als grüne Korridore, die zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen.
Lebensraum für heimische Tiere und Pflanzen
So bieten Feldgehölze zahlreichen heimischen Tieren und Pflanzen Lebensraum. Sie dienen als Nahrungsquelle, Überwinterungsquartier, Nistplatz oder als kurzfristige Deckung vor Feinden. Zu den Arten, die von Feldgehölzen profitieren, gehören beispielsweise der Neuntöter, die Goldammer, das Hermelin, der Igel und die Erdkröte. Auch viele Insekten finden hier einen Lebensraum. Besonders Pflanzenarten wie Schlehen und Schwarzdorn sind wertvolle Nahrungsquellen für Insekten, die wiederum als Bestäuber eine wichtige Rolle im Ökosystem spielen und auch für die Landwirtschaft unverzichtbar sind.
Neben der wichtigen Funktion für die Artenvielfalt erfüllen Feldgehölze auch weitere Aufgaben in der Landschaft. Sie stabilisieren beispielsweise durch ihre Wurzeln den Boden, vor allem an Hangbereichen. Außerdem reduzieren sie die Windgeschwindigkeit und verringern dadurch die Austrocknung und Erosion des Bodens. Sie können weiterhin als Kühlungskorridore dienen und tragen positiv zum Landschaftsbild bei.
Angemessene Pflege erforderlich
Um die vielfältige Struktur von Feldgehölzen langfristig zu erhalten, ist eine angemessene Pflege erforderlich. Dabei ist es wichtig, die Brut- und Setzzeit zu beachten. Rodungs- und starke Schnittmaßnahmen dürfen zwischen dem 1. März und dem 30. September nicht mehr durchgeführt werde. Nur schonende Pflegeschnitte unter Beachtung des Artenschutzes sind zulässig. Zudem empfiehlt die untere Naturschutzbehörde, Feldgehölze abschnittsweise in verschiedenen Jahren zu verjüngen, anstatt die gesamte Struktur gleichzeitig zu “auf Stock zu setzen”. So bleibt der Lebensraum erhalten und behält seine Funktionalität. Auch Totholz sollte zur Schaffung weiterer Lebensräume nicht entfernt, sondern liegen gelassen werden.
Feldgehölze sind somit unverzichtbar für den Naturschutz und die biologische Vielfalt in landwirtschaftlich genutzten Landschaften. Sie verbinden isolierte Biotope, schützen Böden, fördern das Klima und bieten zahlreichen Arten einen wertvollen Lebensraum. Ihre Pflege und der langfristige Erhalt sind entscheidend, um die Funktion dieser wichtigen Ökosysteme zu bewahren.
(Text: PM Kreis Groß-Gerau)