Tagtäglicher Einsatz gegen wilde Vermüllung in Rödermark

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Elke Gröger bei der Arbeit. (Foto: Stadt Rödermark)

Längst ist Elke Gröger im Stadtgebiet ein bekanntes Gesicht

Beim Thema „Sauberkeit im Stadtgebiet“ macht Elke Gröger niemand etwas vor. Sie kennt alle Winkel in Rödermark, die hellen und die dunkleren, die stark frequentierten und die eher stillen. Kurzum: Sie weiß ganz genau, wo das leidige Problem der wilden Vermüllung besonders intensiv bekämpft werden muss – und sie tut es tagtäglich im Auftrag der Kommunalen Betriebe (KBR).

Während ihre Kollegen die öffentlichen Abfallbehälter leeren und nicht selten ganze Lkw-Ladungen mit illegal abgekippten Müllhaufen zu beseitigen haben, ist Gröger für den „Kleinkram“ zuständig. Getränkebeutel aus Plastik, zu Bruch gegangene Glasflaschen, zusammengeknüllte Papiertüten, verbeulte Dosen, leere Zigarettenpackungen… Und natürlich Kippen, immer wieder Kippen. Achtlos weggeschnickt auf Gehwege und Grünstreifen. Hunderte solcher Stummel landen während einer Tour durch die Stadtteile im blauen Sack. Oder ist die Zahl gar vierstellig? Keine Ahnung, die Frau mit der markant-orangefarbenen Dienstkleidung führt dazu keine Statistik.

Mit einem kleinen Elektro-Transporter ist sie in der kälteren Jahreszeit unterwegs, mit dem Lastenfahrrad an wärmeren Tagen. Immer an Bord, immer gleichbleibend: das Arbeitsgerät. Greifzange, Eimer und Besen. So, mit eingestreuten Einsätzen alle 14 Tage auch am Wochenende, geht das nun schon seit knapp zweieinhalb Jahren. Damals, Ende 2022, hat Elke Gröger bei den KBR angeheuert. Die Kampagne für ein intensiver gepflegtes Stadtbild war gerade ausgerufen worden.

„Die Resonanz ist positiv”

„Ich hab‘ den Schritt nicht bereut. Die Resonanz ist positiv. Viele Leute, denen ich während meiner Fahrten begegne, kennen mich inzwischen. Es gibt freundliche Kommentare, viel Lob. Das ist schon ein gutes Gefühl. Auch dann, wenn ich gerade an einer Bushaltestelle wieder startklar bin oder auf einer größeren Freifläche wie hinter dem Badehaus meine Runde gedreht habe. Alles sauber, alles aufgeräumt. So soll es sein“, beschreibt die Anti-Müll-Beauftragte ihren Job, der viel zu bieten hat – manchmal auch sehr unappetitliche Entdeckungen. Und natürlich sämtliche Launen der Witterung. Hautnah: Hitze und Staub, Wind und Regen. Gröger bringt die richtige Einstellung mit, sie lächelt und zitiert den altbekannten Leitspruch: „Es gibt kein schlechtes Wetter – nur unpassende Kleidung!“

Dass ihre Tätigkeit eine zwiespältige Angelegenheit ist: Wer wollte das bestreiten? Auf der einen Seite: Die Erfolgserlebnisse, wenn sich Wege und Plätze nach dem jeweiligen Tagwerk in einem guten, vorzeigbaren Zustand präsentieren. Doch zugleich: Das Wissen um die Sisyphusarbeit, die hier geleistet wird.

Immer wieder und nahezu flächendeckend: Die „Triumphe“ der Wegwerf-Mentalität, das bornierte und fortwährende Schädigen von Mitmensch, Tier und Umwelt, das Pfeifen auf soziale und ästhetische Standards, die doch eigentlich selbstverständlich sein müssten. Ja, müssten… „Es sind auf gar keinen Fall nur Jugendliche, die für wilden Müll sorgen“, betont Gröger. Auch von der (Groß-)Eltern-Generation werde mitunter schlechtes Verhalten vorgelebt, gibt sie zu bedenken.

Bürgermeister lobt den Einsatz aller KBR-Kräfte

Bürgermeister Jörg Rotter lobt den Einsatz aller KBR-Kräfte, die sich der unguten Entwicklung entgegenstemmen. Und ja, es sei sinnvoll und richtig gewesen, sich dem Thema gleichsam mit einer gesonderten Einheit zu widmen, flexibel und mobil, verlässlich rund um die Uhr. Doch der Verwaltungschef wiederholt eben auch all das, was er schon vor zwei, drei Jahren als simple Erkenntnis und bleibende Herausforderung auf den Punkt gebracht hat.

„Wir können als Stadt nicht vor dem Problemdruck kapitulieren. Deshalb gehen wir einen Schritt nach dem anderen. Dass mittel- und langfristig aber ein sehr viel tiefer gehender Bewusstseins- und Verhaltenswandel beim Stichwort ‚Ressourcen-Schonung‘ zustande kommen muss, steht außer Frage. Da haben wir als Gesellschaft insgesamt ein sehr dickes Brett zu durchbohren“, verdeutlicht Rotter seine Haltung.

Der kommissarische KBR-Leiter Reiner Rebel unterstreicht diese Grundsatzüberlegungen. Seine Beobachtung: In jüngster Zeit habe die Zahl illegaler Müllhaufen-Ablagerungen leider zugenommen. Kaum sei der für solche Abkippaktionen berüchtigte Parkplatz an der Bundesstraße 45 geschlossen worden, da habe es auch schon vermehrt Umweltfrevel dieser Art auf nicht weit entfernten Wald- und Feldflächen im Rödermärker Gemarkungsgebiet gegeben.

Hoher Aufwand, um kriminelles Treiben möglichst klein zu halten

Hoch sei der Aufwand, um derlei kriminelles Treiben möglichst klein zu halten, sei es mit Kontroll- und Entsorgungsfahrten, aufwendiger Recherche oder Sanktionen. Und hoch, so Rebel mit nachdenklichem Unterton, seien letztendlich auch die Kosten, die die Steuerzahler für diese traurige Form von Abwehrkampf aufzubringen hätten. In der Tat: „Ein sehr dickes Brett“, um mit den Worten des Bürgermeisters zu sprechen.

Noch einmal zurück zum Ausgangspunkt, zurück zu Elke Gröger. Sie zieht Bilanz nach einem ganz gewöhnlichen Reinemach-Tag zwischen Bulau und Breidert. Viel gelaufen ist sie. Oft hat sie sich gebückt. Es gab reichlich zu schleppen und zu heben. Und ein paar Aha-Momente obendrein. Wenn am Ende eines solchen Tages in der Regel zehn bis zwölf große Müllsäcke gut gefüllt zum Betriebshof transportiert worden sind, dann ist das Gesamtgewicht, das all diese Funde auf die Waage bringen, beachtlich und erschreckend zugleich.

Fazit: Gröger weiß, was sie getan hat. Und sie versteht es ganz nebenbei, auch eine geradezu hinterlistige Frage souverän zu parieren. Welches denn nun der sauberste Rödermark-Stadtteil sei? „Ganz einfach: Das ist heute Waldacker, denn dort war ich gerade erst unterwegs.“

(Text: PM Stadt Rödermark)