Die bunte Menge, die am Samstag durch die Straßen von Obertshausen zum Rathaus Schubertstraße zogen, war nicht zu übersehen. Rund 400 Närrinnen und Narren des Obertshäuser Tanzsport- und Karnevalsvereins „Die Elf Babbscher“ und vieler befreundete Vereine aus den Nachbarstädten waren auf den Marsch zum Rathaussturm, lautstark begleitet durch die Nodebabbscher. Dort angekommen, präsentierte sich Lederbaron Julian I. und Comtesse Franziska I. und Kinder-Comtess Emilia und Kinder-Baron Christopher sowie die angereisten anderen Tollitäten auf der Rathaustreppe unter viel Beifall ihren Untertanen.
Schon jetzt wurde an die Verwaltungsspitze die Forderung gestellt, endlich die Macht an die Narren zu übergeben. Trotz der Übermacht der Fastnachter, glaubte Bürgermeister Manuel Friedrich, Erster Stadtrat Michael Möser und die Mitglieder des Magistrats, dass sie dem Ansturm widerstehen könnten und wiesen die Forderung mit gesenktem Daumen ab. Mit einem gewaltigen Feuerwerk an Musik und Tänzen und Musik begann man die Verteidiger dann weich zu kochen.
Die Nodebabbscher, die Icebreaker der Offenbacher Stadtgarde und die Büdinger Drumband des Fanfaren- und Spielmannzugs feuerten ein Lied nach dem anderen ab. Die Tänzerinnen der Babbscher-Gruppen „Blue Stars“, die „Black Fairies“ und die Bannergarde sowie die Garde der Offenbacher Abordnung glänzten bei ihren Auftritten. Dann kam wieder die Frage an die “Bürokraten“, ob sie nicht diesen unsinnigen Widerstand aufgeben wollten. Aber dort wollte man die Realität, die große Übermacht, die ihnen entgegenstand, nicht wahrnehmen. Zwar versprach man den Regenten, die endlich den Skater-Park für die Jugend forderte, den Spatenstich in diesem Jahr, aber trotz der großen Überzahl der Narren, wollte die Rathausspitze nicht aufgeben.
Eigentlich hätte man sie einfach überrennen können, da die Zahl der Narren so groß war, aber trotzdem waren Comtesse und Baron der Verwaltungsspitze noch eine Chance und forderte sie zu einem Tanzwettkampf auf und das Publikum sollte mit seinem Applaus entscheiden, wer am Ende gewonnen hat. Dazu war auch ein Applausometer auf der Bühne platziert worden. Obwohl sich Bürgermeister, Erster Stadtrat und die Magistratsmitglieder viel Mühe gaben, aber die große Jury konnte der Vorführung der Politiker nicht viel abgewinnen, straften sie mit mäßigem Applaus ab, ganz im Gegenteil zur Bewertung der Leistung der Obertshäuser Tollitäten. Das sahen die Verteidiger dann auch ein, kapitulierten und übergaben Schlüssel und die – leider wieder sehr leere Stadtkasse – und machten den Weg ins Rathaus frei. „Ich bin eher ein Läufer als ein Tänzer“, beklagte sich zwar Bürgermeister Manuel Friedrich, aber gab dann klein bei und ließ die Narren mit einer Polonaise ins Rathaus einziehen.
(Text: ah)