#keinKompliment: Aktionstag gegen Catcalling in Offenbach

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„Ankreiden“ von Cat Calls. (Foto: Catcallsofoffenbach)

Pfeif- oder Kussgeräusche, aufdringliche Blicke oder anzügliche Sprüche auf offener Straße wie „Hey, Puppe“ oder „Komm doch mal rüber, mit mir ist es nachts immer lustig“ sind keine harmlosen Komplimente, sondern Belästigungen, die unter dem Begriff „Catcalling“ zusammengefasst werden. Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „Katzen-Rufen“. Catcalling umfasst sexuell konnotierte Verhaltensweisen und verschiedene Arten der sexuellen Belästigung ohne Körperkontakt im öffentlichen Raum.

Catcalling erleben oftmals Frauen, Mädchen und Personen aus der LSGBTIQ* (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transgender und Queer) Community. Nicht selten hinterlässt es körperliche und emotionale Spuren: Betroffene berichten von Symptomen wie Muskelverspannungen, Atembeschwerden, Schwindel und Übelkeit sowie starker Angst, beispielsweise vor Vergewaltigung oder davor, die eigene Privatsphäre nicht schützen zu können. Diese Angst kann dazu führen, dass Frauen und Mädchen bestimmte öffentliche Bereiche meiden und sich nicht mehr unbefangen in der Öffentlichkeit bewegen können. Auch in Offenbach ist das Teil der Alltagsrealität von Frauen und Mädchen, wenn sie sich im öffentlichen Raum aufhalten. Um darauf aufmerksam zu machen, findet am 14. Juni zum dritten Mal der Aktionstag gegen Catcalling statt.

Keine harmlose Neckerei und erst recht kein Kompliment

„Catcalling ist keine harmlose Neckerei und erst recht kein Kompliment. Noch immer verstehen das manche nicht, weil sie sagen „ja, aber ich habe die Person doch nicht angefasst“. Das stimmt zwar, aber solche Äußerungen reduzieren die andere Person ausschließlich auf ihr Aussehen. Zu Recht besteht die Würde eines Menschen aber in seiner gesamten Persönlichkeit und nicht ausschließlich in seinem Aussehen, egal, ob eine andere Person das Aussehen gut oder schlecht findet.  Deshalb sind solche Aussagen als allererstes einmal respektlos. Durch die sexuelle Konnotation sind sie aber mehr als „nur“ respektlos, sie sind eine ernstzunehmende Form der sexuellen Belästigung, weil sie das Sicherheitsgefühl und die Lebensqualität von Frauen und Mädchen massiv beeinträchtigen“, betont Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke. „Deshalb hat Catcalling hat keinen Platz in unserer Stadt und es ist gut und wichtig, dass der Aktionstag am 14. Juni wieder auf diese Grenzüberschreitung aufmerksam macht.“

Das Frauenbüro plant dazu gemeinsam mit den Catcalls Offenbach eine Aktion in der Offenbacher Fußgängerzone: Erneut sind Menschen, die in Offenbach Erfahrungen mit Catcalling gemacht haben, eingeladen, diese vorab anonym über Instagram an die Catcalls Offenbach zu senden. Diese Berichte werden am Freitag, 14.Juni, von 10 bis 13 Uhr anonymisiert am Aliceplatz, Mitten in der Offenbacher Fußgängerzone, unter dem Motto #keinKompliment gemeinschaftlich angekreidet.

„Wir wollen die Erlebnisse der Betroffenen sichtbar machen und die Öffentlichkeit für die Auswirkungen von Catcalling sensibilisieren“, erklärt Dr. Inga Halwachs, Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte von Offenbach. „Es ist wichtig, dass wir alle Verantwortung übernehmen und gegen solche Übergriffe vorgehen. Denn möglich sind sie auch, weil ein Großteil der Umstehenden wegsieht.“

Im Rahmen der gemeinschaftlichen Kreideaktion werden vor Ort Comics verteilt, die sowohl Betroffenen als auch Unterstützenden konkrete Handlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten aufzeigen. Hiermit soll veranschaulicht werden, wie man sich in Situationen von Catcalling verhalten kann und wie Außenstehende wirkungsvoll eingreifen und Betroffene unterstützen können. Ein zentrales Anliegen ist es, vor allem Männer zu ermutigen, Zivilcourage zu zeigen und aktiv gegen sexuelle Belästigung vorzugehen.

(Text: PM Stadt Offenbach)