Das Herz der Wiesbadener Fernwärme schlägt

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Gute Stimmung bei der Feier zur Fertigstellung (v. l.): ESWE-Vorstandsmitglied Jörg Höhler, OB und Aufsichtsratsvorsitzender Gert-Uwe Mende, Bürgermeisterin Christiane Hinninger, ESWE-Vorstandsvorsitzender Ralf Schodlok und Markus Lenhart von der Lenhart-Gruppe. (Foto: Landeshauptstadt Wiesbaden)

ESWE Versorgung investiert 8 Millionen Euro in hochmoderne Pumpstation

Mit voller Kraft steuert die Landeshauptstadt ein ambitioniertes Projekt an: den Umbau der Wärmeversorgung Wiesbadens. An der Wärmewende führt kein Weg vorbei – diese spannende Reise braucht aber eine moderne und ausgeklügelte Infrastruktur. Ein in diesem Zusammenhang wichtiges Bauprojekt ist nun fertiggestellt! Mit der neuen Fernwärme-Pumpstation in der Deponiestraße hat ESWE das Herz für die zukünftige Versorgung der Wiesbadener Innenstadt geschaffen.

„ESWE Versorgung unterstützt die Stadt planerisch bei der Transformation des Wärmeverbrauchs und bietet geeignete Lösungen an, um die notwendigen Veränderungen in die Praxis umzusetzen “, erklärte Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Gert-Uwe Mende bei der offiziellen Fertigstellungsfeier für die Pumpstation. „Das neue Herzstück des Wiesbadener Fernwärme-Systems wird das bestehende Biomasse-Heizkraftwerk und Ende 2024 das neue Müllheizkraftwerk mit den Abnehmern in der Stadt verbinden. Dieses Herz wird den gesamten Wärmekreislauf in der Stadt regulieren und in Gang halten. Und nur mit dieser Investition wird ein weiterer Ausbau des klimafreundlichen Fernwärmenetzes nach dem Prinzip ‚global denken, lokal handeln‘ überhaupt möglich.“

Ausstoß von Treibhausgasen im Wärmesektor drastisch reduzieren

Bürgermeisterin Christiane Hinninger fügte hinzu: „Um unsere Klimaziele zu erreichen, müssen wir den Ausstoß von Treibhausgasen im Wärmesektor drastisch reduzieren. Fernwärme wird im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung eine der entscheidenden Systemangebote sein. Und wir können vielen Menschen in Wiesbaden damit eine zuverlässige und vergleichsweise günstige Wärmeversorgung anbieten. Mit der neuen Pumpstation ist nun sichergestellt, dass auch bei einer deutlichen Ausweitung der Nachfrage dieses Angebot an Wärme ebenso wächst.“

Wiesbaden ist gesetzlich verpflichtet, eine kommunale Wärmeplanung zu entwickeln. Ein wichtiger Teil der Planung ist der Fernwärme-Ausbau Richtung Innenstadt. Die Pumpstation bildet dabei das Bindeglied zwischen Wärmeerzeugung und Wärmeverbraucher. Denn in Wiesbaden wird der Hauptteil der Fernwärme durch das Biomasse-Heizkraftwerk (BMHKW) erzeugt. Zusätzlich wird bald schon auch die Abwärme des neuen Müllheizkraftwerks (MHKW) genutzt. Beide Kraftwerke liegen in unmittelbarer Nachbarschaft der neuen Pumpstation. Durch sie ist es möglich, die Fernwärmeversorgung der für die Wiesbadener Innenstadt und das Airfield Erbenheim bedarfsgerecht bei den Erzeugern BMHKW und MHKW abzufordern.

In der Fernwärme-Pumpstation sind aufgrund der unterschiedlich benötigten Fördermengen und Förderhöhen der Netze und Kraftwerke vier Pumpengruppen im Einsatz, die jeweils aus drei Pumpen bestehen. Die Motorleistungen betragen 3 x 45 Kilowatt (kW) für das BMHKW, 6 x 55 kW für das Airfield Erbenheim und das MHKW sowie 3 x 315 kW für das Primärnetz. Um die Lärmbelästigung der Umwelt so gering wie möglich zu halten, wurde die Pumpstation schallisoliert gebaut.

Die Pumpstation ist in der Druckstufe PN 25 gefertigt und kann bis zu 1.185 Tonnen an 120 Grad heißem Wasser pro Stunde fördern. Die Anlage verfügt über ein zentrales Leitsystem der gesamten Fernwärmeversorgung in Wiesbaden mit Überwachungs- und Eingriffsmöglichkeiten. Sie ist auf die ESWE-Netzleitstelle aufgeschaltet und wird damit rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr kontrolliert.

Die gesamte Wärme-Einspeiseleistung der Erzeuger liegt bei 68 Megawatt, also 68 Millionen Watt. Ein Mensch produziert im Ruhezustand etwa 100 Watt Körperwärme.

Gute Planung und technisches Know-how

„Als Ingenieur begeistert mich, wie durch gute Planung, technisches Know-how und mit Qualitätskomponenten neue Möglichkeiten geschaffen werden und tatsächlich immer wieder ein Fortschritt durch Technik erreicht wird“, berichtet ESWE-Vorstandsmitglied Jörg Höhler. „Für junge Leute, die etwas gestalten wollen und sich für Technik interessieren, sind das die Projekte, die wir zeigen müssen. So sieht es aus, wenn aus richtungsgebenden Worten wie ‚Energiewende‘ und ‚Transformation‘ etwas Konkretes wird.“

Die Planungen für das wegweisende Projekt begannen 2020, die Bauarbeiten starteten zwei Jahre später. Das Investitionsvolumen liegt bei 8 Millionen Euro – Anbindungsleitungen zu BMHKW und MHKW inklusive.

„Für uns ist das eine Investition in die Qualität unser aller Leben und in die Zukunft der Landeshauptstadt“, erläutert ESWE-Vorstandsvorsitzender Ralf Schodlok. „Unser ESWE-Fernwärmenetz versorgt bereits heute viele Teile des Stadtgebietes. Damit leistet ESWE Versorgung einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Für die besondere klimatische Kessellage in der Wiesbadener Innenstadt ist jede Einsparung von Abgasen wichtig. Unser Biomasseheizkraftwerk ersetzt das Energieäquivalent von über 16 Millionen Litern Heizöl, die nicht verfeuert werden müssen. Die Nutzung von Biomasse reduziert den CO2-Ausstoß um 95 Millionen Kilo pro Jahr. So gelangen weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre und weniger schädliche Partikel in unsere Atemluft.“

Die Inbetriebsetzung der neuen Pumpstation ist für diesen Sommer geplant.

(Text: PM Landeshauptstadt Wiesbaden)