Griesheim: Freistehende Wände des “Grünen Zimmers” mit Moosplatten bestückt

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Lukas Reinelt vom Umweltamt, die städtische Projektleiterin Diana Richter und Robert Sänger von Green City Solutions (v.l.) beim Aufhängen der Moosplatten. (Foto: Stadt Griesheim)

Endspurt für die Arbeiten am „Grünen Zimmer“ auf der Georg-Schüler-Anlage in Griesheim: Die von der Stadt Griesheim beauftragte Fachfirma „Green City Solutions“ hat am Donnerstag die zum „Grünen Zimmer“ zählenden und vor Ort freistehenden Wände mit Moosplatten bestückt. Diese waren aufgrund der anhaltenden Witterungsverhältnisse bisher im Gewächshaus eingelagert und konnten nun mit steigenden Temperaturen in die Wandgestelle eingehängt werden.

„Die Mooswände dienen künftig als ökologische Filteranlagen, die mit Feinstaub und Schadstoffen belastete Luft anziehen, reinigen und die mit Sauerstoff angereicherte Frischluft wieder an die Umgebung abgeben. Die Stadt Griesheim leistet mit der Umsetzung des ‚Grünen Zimmers‘ einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel“, erklärt Lukas Reinelt vom städtischen Umweltamt.

Spürbare Abkühlung an heißen Sommertagen

Die Mooswände sind in der Lage, die Temperatur in ihrer näheren Umgebung um bis zu 4 Grad Celsius zu kühlen, was vor allem in den heißen Sommermonaten für eine spürbare Abkühlung sorgen wird. Gleichzeitig kann die Anlage stündlich knapp 8.500 Kubikmeter Luft reinigen, was einem Atemvolumen von zirka 17.000 Menschen entspricht, und dabei bis zu 82 Prozent des schädlichen Feinstaubs herausfiltern. Die Wände „bearbeiten“ die Luft dabei in vier Schritten: Zunächst wird verschmutzte, warme Luft durch die integrierten Ventilatoren angesaugt, sodass diese dann durch die vertikalen Moosmatten wandert und dabei gereinigt sowie abgekühlt wird. Die Moose fungieren in diesem zweiten Schritt als kleine Schwämme, die enorme Mengen Wasser speichern können. Dieses wird gerade während niederschlagsarmen Perioden natürlich verdunstet, wodurch eine merkliche Abkühlung der Umgebungstemperatur verzeichnet werden kann. Man spricht hier auch von einer sogenannten Verdunstungskühlung. Im Anschluss (Schritt 3) gelangt die saubere, kühle Luft durch das ökologische Verschattungsdesign der Wände wieder in die Umgebung. Eine integrierte Sensorik steuert die Versorgung der Moose und misst Leistung sowie Umweltdaten in Echtzeit (Schritt 4).

In den vergangenen Wochen hat sich bereits die Aufenthalts- und Verweilqualität für Besucherinnen und Besucher des „Grünen Zimmers“ weiter gesteigert. Der städtische Bauhof hat die aufgearbeiteten Sitzbänke sowie eine seniorengerechte und barrierefreie Sitzmöglichkeit auf dem Platz installiert. Auch der verbliebene, bepflanzte Betonkübel ist mit einer Beplankung aus Holz für eine bessere Sitzqualität bestückt worden.
„In den nächsten Tagen erhalten die freien Flächen an den Mooswänden noch eine Folierung. Darauf sind Informationen zur Funktionsweise der Mooswände zusammengestellt. Zudem können Bürgerinnen und Bürger über QR-Codes die Leistung der Mooswände in Bezug auf Luftreinigung sowie -kühlung digital abrufen“, kündigt die städtische Projektleiterin, Diana Richter, an.

Die Mooswandrückseite parallel zur Wilhelm-Leuschner-Straße soll zusätzlich eine Vorrichtung erhalten, die es ermöglicht, dort künftig Plakate für Veranstaltungsankündigungen aufzuhängen.

Wissenwertes

Die Stadt Griesheim ergreift Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.
Dabei steht die Schaffung von Schattenplätzen, Abkühlung durch Begrünung und die Erhöhung der Wasserspeicherfähigkeit des Bodens durch Entsieglung bzw. durch den Einsatz von versickerungsfähigem Pflaster im Vordergrund. All diese Maßnahmen wurden auch bei der Umsetzung des „Grünen Zimmers“ – bestehend aus zwei Mooswänden und zwei Vegetationswandelementen – berücksichtigt. Dieses dient der Verbesserung des Kleinklimas auf und in nächster Nähe zur Georg-Schüler-Anlage und soll der Griesheimer Bevölkerung auch an heißen Tagen als sozialer Begegnungsort zur Verfügung stehen Insgesamt erhält die Stadt Griesheim aus dem hessischen Landesprogramm eine finanzielle Förderung von 300.000 Euro für nachhaltige Entwicklungsprojekte im Stadtzentrum, zu denen das „Grüne Zimmer“ und die Mooswände als Feinstaubfilter zählen.

(Text: PM Stadt Griesheim)