Weniger tun, mehr lassen: So gelingt Vielfalt im Garten

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Symbolbild Gartenarbeit (Foto: walkersalmanac auf Pixabay)

Steht Ihnen etwas Grün zur Verfügung, auf dem Sie frei schalten und walten können? Dann lassen Sie hier die Natur zur Entfaltung kommen. Die wichtigsten Tipps für Fans bunter Gärten und Balkons kennt Corinna Hölzel, Gartenexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Refugium bieten

Schon zieren die meisten Gärten Frühblüher wie Krokusse und Märzenbecher. Zeit, Ihre Gartensaison zu planen. Wo soll was wachsen? Woher bekomme ich Saatgut und Pflanzerde? Wie sorge ich für Obst und Gemüse, frei von Pestiziden? Und wie locke ich heimische Tiere und Pflanzen an? Ein Kleingarten oder Hausgarten, ja selbst ein Balkon kann zu einem Ort werden, wo Tiere Schutz und Nahrung finden. Der ausgeräumten Agrarlandschaft fehlt es an Nischen wie Gehölzen und blütenreichen Wiesen. Auf ihren Monokulturen landen zu viele Pestizide und Mineraldünger. Zumindest für einen Teil der Arten, die der Mensch hier vertrieben hat, bieten naturnahe Gärten ein Refugium.
Giftfrei gärtnern

Dazu Corinna Hölzel: „Eine wichtige Voraussetzung ist, dass Sie unerwünschten Pflanzen oder Tieren nicht mit Gift zu Leibe rücken. Viele Pestizide schaden Bienen und Schmetterlingen, Regenwürmern oder Vögeln.“ Ihr Rat lautet: „Jäten, hacken und mulchen Sie Ihre Beete stattdessen. Und wählen Sie altbewährte Sorten und regionales Saatgut. In der richtigen Mischkultur und Fruchtfolge machen sie die Chemiekeule überflüssig.“
Der BUND fordert die Bundesregierung auf, den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide in Haus- und Kleingärten zu verbieten. Zu oft werden sie falsch angewendet und Menschen, Haustiere und wilde Arten gefährlichen Wirkstoffen ausgesetzt.

Ein weiterer Tipp der BUND-Expertin: „Verwenden Sie im Garten oder auf dem Balkon nur torffreie Erde. Verzichten Sie auf Mineraldünger. Und greifen Sie auf Saatgut und Pflanzen mit dem Bio-Siegel zurück. Denn selbst angeblich »bienenfreundliche« Zierpflanzen weisen mitunter Rückstände hochgiftiger Pestizide auf.“ Oder besuchen Sie Pflanzentauschbörsen. Hier können Sie Stauden teilen und unbelastete Pflanzen tauschen und verschenken.

Vielfalt anlocken

Eine selten gemähte Blumenwiese oder eine Hecke mit heimischen Gehölzen zieht viele Wildtiere an. Und die sind im Naturgarten meist von Nutzen. So bestäuben Bienen unser Obst und Gemüse. Vögel und Igel, Marienkäfer oder Florfliegen halten Tiere in Schach, die es auf Ihr Gemüsebeet abgesehen haben.

Corinna Hölzel: „Locken Sie nützliche Arten an, indem Sie ihnen Lebensräume bieten. Ob ein Steinhaufen, Totholz, Nistkästen oder verwilderte Winkel – je mehr natürliche Abwechslung Ihr Garten bereithält, desto besser. Und anstatt nach dem Winter Rasen neu auszusäen, lassen Sie Ihre Blumenwiese von alleine wachsen.“

Gärten und Balkone haben viel Potenzial für den Artenschutz. Werden sie im Einklang mit der Natur genutzt, können sie dank ihrer großen Zahl einen mächtigen Biotopverbund bilden und wesentlich zum Schutz unserer Natur beitragen.

BUND-Tipp: 1×1 des naturnahen Gärtnerns

Keine Pestizide nutzen: In Deutschlands Gärten landen jährlich Tausende Tonnen Pestizide. Darunter leiden Mensch und Natur.
Kunstdünger verschmähen: Allein seine Herstellung verschlingt viel Energie und Ressourcen. Und: Kunstdünger belastet Boden und Gewässer.
Torffreie Erde verwenden: Für Torf in Garten- und Blumenerde werden intakte Moore vernichtet, die für den Natur- und Klimaschutz unverzichtbar sind.
Heimische Vielfalt fördern: Unsere Tierwelt, darunter viele im Garten nützliche Arten, ist an heimische Wildkräuter, Sträucher und Bäume angepasst. Lassen Sie dafür Raum.
Lebensräume für Tiere schaffen: „Wilde Ecken“ sind im Garten essenziell. Ungemähte Wiesenstücke, Hecken oder angehäuftes Laub und Totholz bieten Rückzugsorte für Insekten, Vögel, Igel und andere Arten.

(Text: PMBund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND))