Odenwald-Akademie: Experte wirbt für nachhaltiges Waldmanagement

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Vermittelt spannende Einsichten ins Ökosystem Wald: Dr. Christian Storm von der TU Darmstadt. (Foto: Raquel Jarillo/Kreisverwaltung)

„Wälder müssen von innen heraus gestärkt werden“

Für ein „ökologisches Waldmanagement, das Wälder von innen heraus stärkt“, hat der Biologe und Ökologe Dr. Christian Storm nachdrücklich geworben. Storm, der im Fachgebiet Chemische Pflanzenökologie am Fachbereich Biologie der TU Darmstadt arbeitet, war auf Einladung der Odenwald-Akademie nach Erbach ins Haus der Energie gekommen.

Landrat Frank Matiaske hob in seiner Begrüßung die große Bedeutung des Waldes hervor: „Unser Wald leistet einen unschätzbaren Wert für das Klima, aber auch für die Erholung und Gesundheit der Menschen. Aus diesem Grund setzt die Odenwald-Akademie in diesem Jahr mit dem Wald einen thematischen Schwerpunkt.“ Den Vortrag Storms bot die Odenwald-Akademie in Kooperation mit dem NABU Steinbuch-Michelstadt an.

„Der Wald leidet außer unter der Klimakrise schon lange unter mehreren Stressfaktoren, die wir minimieren müssen“, forderte Storm vor rund 150 Zuhörerinnen und Zuhörern, darunter auch viele Fachleute aus dem Forstwesen. Das gelte auch für den Wald im Odenwaldkreis, der zwar besser dastehe als andere Wälder, „aber auch hier gibt es Warnsignale wie die abnehmende Dichte von Baumkronen“.

Zu den wesentlichen Faktoren eines ökologischen Waldmanagements gehören Storm zufolge ein besserer Schutz der Waldböden, eine möglichst natürliche Verjüngung des Baumbestands ohne Anpflanzung von Bäumen durch den Menschen und die Erhaltung naturnaher Mischwälder ohne angelegte „Plantagen“ mit nur einer einzigen Baumart.

Schutz der Waldböden

Zum Schutz der Waldböden, in dem tausende von Organismen leben, sprach sich Storm dafür aus, die Befahrung des Waldes mit schweren Forstmaschinen so weit wie möglich zu minimieren. „Die Böden werden durch diese Fahrzeuge dauerhaft verändert, vor allem zum Schaden von Pilzen, die enorm wichtige Partner der Bäume sind.“ Er sei nicht gegen die Nutzung von Holz aus dem Wald, „aber wir müssen dabei das sensible Ökosystem Wald und dessen Biodiversität so gut es geht schützen“. Storm ist überzeugt davon, „dass es in der Waldbewirtschaftung einen Einklang von Ökologie und Ökonomie geben kann“. Nötig sei aber ein Umdenken: „Nur wer Wälder erhält, kann sie auch langfristig wirtschaftlich nutzen.“ Dazu sei es nötig, Wälder resistenter zu machen und dabei auf Naturnähe zu setzen.

Storm favorisiert zum Beispiel die Naturverjüngung von Wäldern gegenüber der Anpflanzung. Das heißt, dass der Wald sich selbst regenerieren soll. „Baumarten, die dort von sich aus wachsen, haben das entsprechende genetische Potential für diesen Standort. Vom Menschen gepflanzte Bäume kommen hingegen aus Baumschulen und sind so gezüchtet, dass sie in relativ kurzer Zeit wirtschaftlich gut genutzt werden können.“ Storm betonte, dass zu einer Naturverjüngung von Wäldern auch Konzepte gehörten, die Verbiss-Schäden durch Wild verhinderten.

„Nadelbäume führen so gesehen zu mehr Trockenheit in den Wäldern”

Kritik übte Storm an der Praxis, große Areale mit Nadelbäumen zu bepflanzen. Dagegen spricht ihm zufolge, dass jene Bäume, die ihre Nadeln im Winter behalten, Regenwasser nicht so gut durchlassen wie Laubbäume, die dann keine Blätter tragen. „Nadelbäume führen so gesehen zu mehr Trockenheit in den Wäldern.“

Skeptisch äußerte sich der Experte überdies zur Anpflanzung so genannter klimaresistenter, aber fremder Baumarten, worüber immer wieder gesprochen werde. „Solche Bäume können den Wald bei uns destabilisieren, weil sie aus einem fremden Ökosystem stammen, andere Bäume verdrängen oder schädliche Insekten beziehungsweise Pilzarten einschleppen können. Hier müssen Chancen und Risiken sehr sorgfältig abgewogen werden.“

„Es ist bekannt, wie ungemein wichtig der Wald ist“, so Storm. Er speichere Wasser, kühle die Umgebung, reinige die Luft, diene der Erholung und liefere Holz. „Umso entscheidender ist es, dass wir sein Ökosystem bewahren und es widerstandsfähiger machen.“

Auch der nächste Vortrag der Odenwald-Akademie am Donnerstag, 21. März, 19 Uhr, im Haus der Energie befasst sich mit dem Wald. Prof. Dr. Dorota Iwaszczuk vom Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwissenschaften der TU Darmstadt zeigt auf, mit welchen neuen Messverfahren die Waldvegetation in niedrigen Höhen erfasst wird und welche Rolle Künstliche Intelligenz dabei spielt. Anmeldungen nimmt Raquel Jarillo unter 06062/70-385 oder r.jarillo@odenwaldkreis.de entgegen. Auf der Homepage www.odenwald-akademie.de können sich Interessierte auch direkt für einen Newsletter anmelden.

(Text: PM Odenwaldkreis)