Der Internationale Frauentag dauert in Offenbach zwei Wochen

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(Symbolfoto: Pixabay)

Rund 70.000 Frauen leben in Offenbach. „Sie und alle anderen nimmt der Internationale Frauentag am 8. März in den Blick, der auf bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern hinweist. Gendergap, die Fragilität von Frauenrechten, häusliche und sexualisierte Gewalt, Unterdrückung: Schlagworte wie diese zeigen, dass für 50 Prozent der Weltbevölkerung noch viel im Argen liegt. Und auch wenn Frauen in den westlichen Industrienationen den Männern formaljuristisch gleichgestellt sind, klaffen auch hier bei Themen wie Bezahlung oder Care-Arbeit erhebliche Lücken. Deshalb ist es mir wichtig, dass wir uns auch als Stadt Offenbach diesen Themen annehmen und ihnen zu öffentlicher Wahrnehmung verhelfen. Das ist Sinne und Zweck unseres Programms zum internationalen Frauentag.“ so Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke. Wie also geht es Frauen im 21. Jahrhundert, welche Rollenbilder prägen ihr Selbstverständnis und wie steht es um ihre Entfaltungsmöglichkeiten? Annäherungen und Antworten an diese und andere Fragen gibt das umfangreiche Veranstaltungsprogramm des Frauenbüros, das vom 1. bis 15. März zu Ausstellung, Diskussionsrunden, Vorträgen, Kino und Party lädt.

Stereotype bereits in Kindheit vermittelt

„Dass Stereotype bereits in der Kindheit vermittelt werden, ist vielfach gar nicht bewusst“, erläutert die Leiterin des Offenbacher Frauenbüros Dr. Inga Halwachs das Programm. „Schon bei der Auswahl der Babykleidung und der Spielsachen werden Geschlechterrollen festgeschrieben und ein Abweichen von den stereotypen Rollenbildern wird zu oft kritisch oder sogar ablehnend gesehen. Natürlich ist schon viel in Bewegung gekommen, es gibt den Girls`Day und inzwischen haben sich Frauen beruflich ehemals rein männlich definierte Domänen erobert. Aber wenn es um gleichen Lohn für gleiche Arbeit oder die Pflege des Nachwuchses oder der Familie geht, stecken Frauen zurück – und holen nicht mehr auf.“ Mit Angeboten wie dem Verkleidungsworkshop im Haus der Stadtgeschichte, einem Selbstverteidigungsworkshop oder dem Mädchenfest im KJK gehe es sehr konkret darum, die Selbstwahrnehmung junger Frauen zu stärken. Entsprechend programmatisch ist daher auch die Ausstellung, die vom 5. bis 15. März im Rathaus-Foyer zu sehen sein wird: „suck my p**** patriachy“ heißt sie und beleuchtet die Diskrepanz der Geschlechter unter dem Aspekt männlicher Dominanz. Wie Gleichstellung aussehen könnte und wohin sich unsere Gesellschaften entwickeln untersucht der Film „Feminism. WTF“, der am 7. März im Filmklubb im Isenburgring 36 HH zu sehen ist.

Tags darauf lädt das Frauenbüro zum Blick auf die weibliche Kunst in Offenbach. Ingrid Walther führt gewohnt kenntnisreich durch die Stadt und bittet zum vor-Ort-Termin mit Künstlerinnen und Galeristinnen. Später, um 17 Uhr, diskutieren Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke, Nadine Gersberg, MdL, Sonja Schicktanz, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt und Pia Barth, pro familia Offenbach, im Haus der Stadtgeschichte über „Frauen im öffentlichen Raum – eine gendersensible Analyse der Auswirkungen gesellschaftlicher Krisen in Offenbach“ auf der Grundlage der vom Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik GmbH (involas) im Auftrag des Frauenbüros durchgeführten Studie.

Streitbare Kämpferin für die Rechte der Frauen

Mit Lore Ringwald ist eine streitbare Kämpferin für die Rechte der Frauen in Offenbach zuhause. Am 8. März feiert sie ihren 95. Geburtstag und wird einige Tage später, am Donnerstag, 14. März, bei der Gesprächsrunde mit Naime Demirezen, Mitglied des Ausländerbeirats und Integrationspreisträgerin 2017, Eva Kirchhoff, Inhaberin der Etagerie, Mahshid Najafi, Mitglied des Seniorenrats und Integrationspreisträgerin 2023 und einer Vertretung der Schülerinnenfraktion des Kinder- und Jugendparlaments erwartet, die Leben und Wirken in Offenbach thematisiert.

Dass Frauen manchmal Zuflucht und eine sichere Umgebung brauchen, thematisieren zuvor das Gespräch mit der Mitarbeiterin von agisra e.V. – Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Behshid Najafi und Prof.in Dr. Encarnación Gutiérrez-Rodríguez, Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Kultur und Migration an der Goethe-Universität Frankfurt sowie der Filmabend „Zuflucht nehmen“ mit anschließendem Gespräch der Regisseurin Selina Höfner im Filmklubb.

Das Gesamtprogramm des Frauenbüros steht online unter www.offenbach.de/frauenbuero.

(Text: PM Stadt Offenbach)