Offenbach: Sicherer Radfahren in der Frankfurter Straße

267
So sieht es derzeit in der Frankfurter Straße aus. (Foto: Stadt Offenbach)

Schutzstreifen zwischen Ludwigstraße und August-Bebel-Ring/Dreieichring geplant

Mit einem Schutzstreifen für Radfahrende möchte die Stadt Offenbach die Sicherheit auf der viel befahrenen Frankfurter Straße zwischen Ludwigstraße und Dreieichring / August-Bebel-Ring erhöhen. Damit wird eine weitere Lücke im Offenbacher Radverkehrsnetz geschlossen. In den vergangenen Wochen wurde das geplante Vorhaben in den fachlichen Gremien – dem Begleitgremium für den Offenbacher Radverkehr und der Verkehrskommission – beraten. Im Januar 2024 wird das Projekt dem Magistrat zur Beschlussfassung vorgelegt und im Anschluss sollen die Stadtverordneten über die Umsetzung entscheiden.

Bisher kommt es auf der Frankfurter Straße immer wieder zu gefährlichen Situationen für Radfahrende durch die Kombination aus alten Straßenbahnschienen, Kopfsteinpflaster und seitlich parkenden Fahrzeugen. Bürgermeisterin und Mobilitätsdezernentin Sabine Groß erläutert: „Wenn Radfahrende dort dem Verkehr ausweichen müssen, wird es für sie schnell eng und sie müssen die Schienen kreuzen. Dadurch ist die Gefahr zu stürzen hoch.“ In den vergangenen fünf Jahren wurden seitens der Polizei offiziell zehn Unfälle mit Beteiligung von Radfahrenden gemeldet. Nicht zu beziffern ist die Zahl der nicht gemeldeten Stürze oder Unfälle. Die Anzahl dürfte deutlich höher liegen. So hat der Deutsche Wetterdienst alleine auf der Frankfurter Straße von 1 bis 2 Unfällen pro Jahr von Mitarbeitenden berichtet, die mit dem Rad zur Arbeit kommen. „Mit der Umgestaltung dieses Abschnittes auf der Frankfurter Straße entschärfen wir diese Situation endlich.“

Ziel ist es einen durchgängigen Schutzstreifen für Radfahrende zu schaffen, der über eine Regelbreite von 1,80 Metern verfügt und dabei so viele Parkplätze wie möglich zu erhalten. Daher ist der Schutzstreifen an Engstellen zum Teil schmaler und verfügt abschnittsweise über eine Breite von etwa 1,50 Metern. Platz für den Schutzstreifen ist nur auf der Straßenfläche, auf der bislang das Längsparken für Kraftfahrzeuge erlaubt ist. Voraussichtlich 64 Stellplätze werden entfallen. Alle Stellplätze, die sich vollständig auf dem Gehweg befinden, bleiben erhalten. Bürgermeisterin Groß betont zudem: „Ziel des Vorhabens ist es, dass Radfahrende hier künftig sicherer unterwegs sein können. Bei der Planung haben wir darauf geachtet, dass Parkplätze überall dort erhalten bleiben, wo es die Straßenbreite erlaubt, und dass dort der Schutzstreifen auf 1,80 Meter und stellenweise noch etwas weniger begrenzt wird.“

Umsetzung des Schutzstreifens

Für die konkrete Umsetzung des Projekts hat das Amt für Mobilität die Gegebenheiten geprüft. Täglich befahren rund 6.000 Kraftfahrzeuge und drei Buslinien die Frankfurter Straße. Es gilt Tempo 50 als zulässige Geschwindigkeit, nur im hinteren Teil Richtung Stadtgrenze vor der Kita gilt Tempo 30. Längsparkende Autos sind im Straßenraum oder am Rande des Straßenraums streckenweise zugelassen. Mit dieser Verkehrsdichte ist eine Anzahl von Fahrzeugen erreicht, nach der gemäß den offiziellen Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) ein Schutzstreifen für Radfahrende zur Verfügung stehen soll. Für den problemlosen Begegnungsverkehr von Bussen und Lkw muss die bestehende Fahrbahnbreite von durchschnittlich sechs Metern erhalten bleiben. Ein Fahrrad-Schutzstreifen in jede Richtung ist deshalb nur möglich, wenn das Längsparken auf der Straße entfällt.

„In zahlreichen Vorgesprächen mit anliegenden Unternehmen, einer Arztpraxis und der IHK Offenbach haben wir den Wegfall der bisher kostenlosen Stellplätze im öffentlichen Straßenraum frühzeitig besprochen. Um die Belange der Autofahrenden bestmöglich zu berücksichtigen und um möglichst vielen Menschen das Parken im öffentlichen Straßenraum auch weiter zu ermöglichen, haben wir nach einem Kompromiss gesucht. Dieser soll sowohl den Belangen der Anwohner als auch denen der Mitarbeitenden bestmöglich gerecht werden. Dies wollen wir erreichen, indem wir für die Hälfte der wegfallenden Stellplätze in den anliegenden Seitenstraßen ein sogenanntes Gewerbeparken mit einer Parkdauer von bis zu 9 Stunden ermöglichen“, erklärt Bürgermeisterin Groß. Aktuell ist im Bewohnerparken eine maximale Parkdauer von 2 Stunden zulässig. Im anliegenden Bewohnerparkbereich sollen nun voraussichtlich 32 Parkplätze – die Hälfte der wegfallenden Parkplätze – statt für 2 Stunden zukünftig für 9 Stunden genutzt werden können. Hierfür ist eine Parkgebühr zu entrichten. Anwohnende, die einen Bewohnerparkausweis haben, können weiterhin ohne zusätzliche Gebühr und ohne zeitliche Begrenzung dort parken.

Sabine Groß ergänzt: „Anwohnende sind vor allem in den Abendstunden und bis in den frühen Morgen auf einen Parkplatz in Wohnnähe angewiesen. Besucherinnen und Besucher ebenso wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wiederum wollen vor allem tagsüber dort parken. Dazu wollen wir kostenpflichtige Parkmöglichkeiten bis zu 9 Stunden tagsüber schaffen. Dieser Parkraum steht abends und die ganze Nacht den Anwohnern wieder zur Verfügung.“ Die Kosten für diese Stellplätze werden noch festgelegt. „Ich kann mir hier eine niedrige Gebühr vorstellen, die sich bei einer werktäglichen Nutzung auf einen Betrag im Bereich der aktuellen Kosten des Deutschlandtickets belaufen“, so Groß. Damit würde sich das Parken pro Tag auf gerade mal 2,45 Euro belaufen, sofern man 20 Arbeitstage im Monat zugrunde legt. Als täglicher Zeitrahmen käme zwischen 7 und 18 Uhr in Frage. Auch diese Festlegung muss noch geprüft und politisch entschieden werden.

Die 9-Stunden-Parkplätze könnten innerhalb des Bewohnerparkens an den angrenzenden Straßen Dreieichring, Körnerstraße, Tulpenhofstraße, Rödernstraße oder Ludwigstraße umgesetzt werden. Für den Bezahlvorgang sind Parkautomaten und eine entsprechende Parkraumbewirtschaftung erforderlich. Die Stadt erstellt gegenwärtig ein Konzept mit Kostenkalkulation. Damit möglichst wenige Parkautomaten benötigt werden, die in der Anschaffung und vor allem im Betrieb Kosten verursachen, ist ein räumliches Zusammenziehen dieser Parkplätze sinnvoll.

Ebenso wird seitens der Stadt die Möglichkeit der Entfernung der Straßenbahnschienen weiterverfolgt. „Wenn man die alten Schienen und den Gleisunterbau entfernt, muss die Frankfurter Straße nach einer ersten Einschätzung grundhaft erneuert werden. Das ist mit hohen Kosten verbunden. Aber selbst wenn die Schienen entfernt werden würden, wäre ein getrennter Bereich für Radfahrende aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens für mehr Sicherheit erforderlich. Denn nur ein Schutzstreifen gewährleistet, dass sich Radfahrende nicht mehr auf engem Raum zwischen Bussen, Lkw sowie fahrenden und parkenden Autos bewegen müssen. Ohne Schutzstreifen können Radfahrende dort den gebotenen Abstand zu parkenden Autos nicht einhalten und würden weiterhin durch eine unvorsichtig geöffnete Tür und durch das Überholen von Kraftfahrzeugen mit zu wenig Abstand gefährdet werden“, so Groß.

Hintergrund zum Radverkehr in Offenbach

Die Stadtverordneten der Stadt Offenbach haben Anfang August 2022 in einem Grundsatzbeschluss der Vereinbarung zwischen Stadt und Initiative Radverkehr zur Optimierung des Radverkehrs und zur Einrichtung eines Begleitgremiums zugestimmt. Darin verpflichtet sich die Stadt, die Infrastruktur für den Radverkehr in Offenbach zu optimieren. In den nächsten Jahren gilt es kleinere und größere Maßnahmen umzusetzen. In dem Gremium sind Personen aus Politik, Verwaltung, Radentscheid, ADFC, VCD, Handwerkskammer, IHK und ADAC vertreten. Das Gremium hat am 18. Oktober 2022 zum ersten Mal getagt und befasst sich mit den Vorhaben aus der Vereinbarung mit dem Radentscheid, wie hier der Maßnahme in der Frankfurter Straße.

Stellungnahmen von anliegenden Firmen, Einrichtungen und Personen:

Uwe Kirsche, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Deutscher Wetterdienst (DWD): „Unsere Auswertung der Wegeunfälle ergibt über die vergangenen Jahre konstante Zahlen. Wir haben darunter fast jedes Jahr ein bis zwei Fahrradunfälle direkt an unserer Zufahrt über die Frankfurter Straße. Gründe sind oft die rutschigen Straßenbahnschienen und die schlechte Einsehbarkeit bei der Ausfahrt aus der Tiefgarage. Dadurch, dass die Frankfurter Straße vor unserem Grundstück relativ schmal wird, war es bisher schwierig, Fahrradwege einzurichten. Deshalb fahren auch viele der DWD-Beschäftigten über die Bürgersteige, was natürlich nicht optimal ist. Grundsätzlich sieht sich der DWD als Partner der Stadt Offenbach. Die Planungen zur Verbesserung der Fahrradsituation in der Frankfurter Straße bestehen schon sehr lange. Wir hoffen auf baldige Umsetzung.“

Sigrid Männche, Leiterin Katholische Kita St. Paul: „In der Katholischen Kindertagesstätte und Familienzentrum St. Paul kommen Kinder, Familien und die Gemeinde zusammen. Sie ist ein Ort der Begegnung und als solche begrüßen wir die Bemühungen der Stadt, die Frankfurter Straße zu einem auch für Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer sicheren Ort zu machen. Die Kinder, die unsere Einrichtung besuchen, sind darauf angewiesen, dass vor der Kita keine Gefahren von einer Straße ausgehen, auf der der KfZ-Verkehr dominiert. Daher haben wir auch die Einrichtung einer Tempo 30 Zone vor der Kita begrüßt und sind dankbar für regelmäßige Geschwindigkeitsmessungen, um die Einhaltung der Tempobegrenzung zu kontrollieren. Um noch mehr Eltern das Bringen und Abholen sicher mit dem Fahrrad zu ermöglichen freuen wir uns über die Einrichtung einer Radspur.“

Ralf Klinge, Bereichsleiter Vertrieb International, Rail Power Systems GmbH: „Die Firma Rail Power Systems, Niederlassung Offenbach am Main, befindet sich seit nunmehr 21 Jahren an der Frankfurter Straße 111. Regelmäßig kommt es zu Beinahe-Unfällen mit Fahrradfahrern bei der Zu- und Ausfahrt zu unserem Grundstück. Zusätzlich traten auch schon einige Unfälle mit Fahrradfahrern auf. Aus diesem Grund unterstützen wir ausdrücklich den geplanten Radweg auf der Frankfurter Straße und hoffen auf baldige Umsetzung.“

Maik Villwock, Offenbach (Nutzer der Strecke): „Vor ca. 2 Jahren konnte ich auf der Frankfurter Straße selbst erfahren, wie gefährlich Straßenbahngleise, selbst bei vorsichtiger Fahrtweise, für Fahrradfahrer sein können. Ich bin stadteinwärts gefahren und durch die parkenden Autos ist man irgendwann gezwungen, das Gleis zu kreuzen. Da die Straße feucht war, half all meine Vorsicht, und auch die Vermeidung eines spitzen Winkels rein gar nichts. Mein Vorderrad ist sofort weggerutscht und ich bin auf die Seite geknallt. Glücklicherweise war das Auto hinter mir weit genug weg, um gerade noch rechtzeitig zu bremsen. So bin ich noch einmal mit Prellungen und Schürfwunden davongekommen. Ich wäre der Stadt dankbar, wenn sie hier rasch etwas unternehmen könnte.“

Sana Niazi, Schulsprecherin der Leibnizschule: „Als Club of Rome- und zertifizierte Umwelt-Schule sind sichere Radwege wichtig für uns, damit wir unseren Schulweg auch nachhaltig zurücklegen und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können.”

Christoph Dombrowski, Schulleiter der Leibnizschule: „Offenbach ist eine vergleichsweise kleine Großstadt. Die Leibnizschule kann daher problemlos von fast allen Schülerinnen und Schülern mit dem Rad erreicht werden. Hierfür sind der Ausbau und die Instandhaltung von Fahrradwegen besonders wichtig. Im Sinne einer guten und sicheren Erreichbarkeit der Schule aus Richtung Innenstadt befürwortet die Schulgemeinde der Leibnizschule daher die Planung und Einrichtung eines Fahrradwegs auf der Frankfurter Straße. Sie ist aufgrund der Kopfsteinpflasterstrecken bisher wenig geeignet und unfallträchtig. Auch als Club of Rome- und zertifizierte Umwelt-Schule ist uns wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler von Anfang an ihren Schulweg sicher und nachhaltig mit dem Fahrrad bewältigen können.”

Jörg Schwarzwälder, Elternbeirat Leibnizschule / Stadtelternbeirat / Organisator BiciBus: „Uns ist es ein großes Anliegen, dass die Schülerinnen und Schüler den Schulweg sowie die Wege in ihrer Freizeit selbstständig zurücklegen können und Elterntaxis die Ausnahme bleiben. Sichere und gut ausgebaute Schulwege und Anbindungen, sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV sind dafür Voraussetzung. Den geplanten Radweg auf der Frankfurter Straße begrüßen wir ausdrücklich, da er eine wichtige Lücke in der Anbindung schließen würde. Derzeit ist die Frankfurter Straße für Radfahrende, gerade Kinder, aufgrund des Kopfsteinpflasters, der Straßenbahnschienen sowie des Verkehrsaufkommens einfach ein gefährlicher Weg. Es ereignen sich hier nahezu täglich Stürze.”

(Text: PM Stadt Offenbach)