Kulturfonds Frankfurt RheinMain fördert 13 Projekte

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(Symbolfoto: pompi auf Pixabay)

Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs neuer Vorsitzender des Kulturausschusses

Der Kulturausschuss des Kulturfonds Frankfurt RheinMain hat sich auf die Förderung von 13 Kunst- und Kulturprojekten verständigt. Diese werden im Rahmen der aktuellen Förderperiode mit einer Summe von rund 2 Millionen Euro finanziell unterstützt.
„Die ausgewählten Kunst- und Kulturprojekte sind nicht nur qualitativ hochwertige und kreative Angebote, die stellvertretend für den gesamten Kultursektor im Rhein-Main-Gebiet stehen. Sie sind Impulsgeber für Verständigung, Zusammenhalt und Solidarität. Inmitten globaler Unruhen kann Kultur ein Zeichen setzen, Brücken schlagen und ein Hoffnungsträger in schwierigen Zeiten sein“, erklärt Dr. Ina Hartwig, Vorsitzende des Kulturausschusses und Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main. In einer Zeit, geprägt von großen Herausforderungen und auch Unsicherheiten, komme dem Kulturbereich eine wichtige Rolle zu. „Gemeinsam mit unseren Kulturschaffenden und -institutionen wollen wir in der aktuellen Lage ein stabiler Anker für die Menschen sein und die kulturelle Vielfalt unserer Gesellschaft und unserer Region schützen und stärken. Denn Kunst und Kultur sind nicht nur Spiegel unserer Identität, sondern auch Wegweiser in eine solidarische Zukunft. Und es hat sich in den vergangenen Jahren viele Male gezeigt, wie groß der Zusammenhalt und die Gemeinschaft im Kulturbereich und darüber hinaus sind – und welches Potenzial in ihnen steckt.“

Karin Wolff, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, betont: „Die aktuellen Geschehnisse in der Welt fordern von uns eine klare Haltung. Unsere Unterstützung für Kunst- und Kulturprojekte ist nicht nur eine Investition in die Kreativität, sondern auch in eine Gesellschaft, die für Gesprächsfähigkeit, Offenheit, Toleranz und Menschlichkeit steht. Denn Kultur verbindet. Unsere Förderung ist ein Bekenntnis zur Einheit in Vielfalt.“ Gleichzeitig erinnert Wolff daran, dass künstlerische Freiheit und kreatives Denken keine Selbstverständlichkeit sind und sich der Kulturfonds Frankfurt RheinMain für dieses Gut täglich einsetzt. „Wir müssen verstehen, dass künstlerische und kulturelle Entfaltung einen
wichtigen Beitrag für eine lebendige, empathische, gemeinschaftliche und vielfältige Zukunft leistet. Kunst bereichert unser Leben nicht nur mit beeindruckenden Werken, sondern trägt auch zu einem guten und sozialen Miteinander bei. Kulturförderung ist nicht Luxus, sondern Notwendigkeit.“

Neuer Vorsitzender und neue Stellvertreter des Kulturausschusses

Neben dem Beschluss zur Unterstützung von kulturellen Projekten für die kommende Förderperiode haben die Mitglieder des Kulturausschusses einen neuen Vorsitzenden gewählt. Der bisherige stellv. Vorsitzende, Ulrich Krebs, übernimmt ab dem 1. Januar 2024 das Amt des Vorsitzenden. Damit folgt der Landrat des Hochtaunuskreises auf Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main. Als seine Stellvertreter/innen fungieren Axel Fink, Erster Kreisbeigeordneter des Main-Taunus-Kreises, Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main, und Dr. Hendrik Schmehl, Stadtkämmerer der Landeshauptstadt Wiesbaden sowie mit Beginn der neuen Legislaturperiode der/die neue Staatssekretär/in für Wissenschaft und Kunst.

Die Projekte im Detail
Schwerpunktthema „hier leben“

Das Bridges-Kammerorchester vereint seit 2019 überwiegend freiberufliche Musikerinnen und Musiker mit ihren Instrumenten aus aller Welt. Die Orchestermitglieder sind Expertinnen und Experten für europäische Klassik, klassische arabische und persische Musik, Jazz, osteuropäische Folklore und zeitgenössische Musik und komponieren und arrangieren einen Großteil ihres Repertoires selbst. In seiner fünften Spielzeit stellt das Orchester das Thema „Complementarity“ in den Mittelpunkt. Dabei greifen die Verantwortlichen die Vielfalt unserer Gesellschaft und die gleichzeitig unerlässlichen Wechselbeziehungen auf künstlerische Art und Weise auf. Das Bridges-Orchester zeigt, dass Musik und damit auch künstlerisch Neues nur in einem gemeinsamen, kreativen Prozess entstehen kann. Die Aufführungen finden in Kronberg, Hanau, Dreieich und Frankfurt im ersten Halbjahr 2024 statt.

Shisha Bars, Cafés und Späti-Kioske geraten in den Fokus medialer und politischer Diskussionen und werden zunehmend als potenziell gefährliche Orte stigmatisiert. Dabei sind sie oftmals lebendige Zentren einer postmigrantischen Stadtgesellschaft und Orte transkultureller Nachbarschaften. Insbesondere nach dem schrecklichen Anschlag am 19. Februar 2020 in Hanau ist es von großer Dringlichkeit, Exklusionsmechanismen zu überwinden. Das Forschungs-, Vermittlungs- und Festivalprojekt „Hayat Habibis*“ zielt darauf ab, die kulturelle Vielfalt dieser Orte zu würdigen und zu fördern. Das Projekt wird vom Künstlerhaus Mousonturm produziert und läuft vom 21. März bis 22. September 2024. Im Rahmen des Festivals, das von Dr. Onur Suzan Nobrega, einer Kulturwissenschaftlerin und Aktivistin, kuratiert wird, sind Theater- und Opernregisseurin Mizgin Bilmen, Schauspielerin und Regisseurin Ariella Hirshfeld sowie Schauspielerin, Rapperin und Regisseurin Simonida Selimovic eingeladen, neue Produktionen auf der Grundlage spezifischer Orte des transkulturellen Lebens in Frankfurt und der umliegenden Region zu entwickeln.

Die Ausstellung „Kunst in der Zeit der Vertrags- und Gastarbeit“ (Arbeitstitel) widmet sich der bisher oft übersehenen transnationalen Kunstgeschichte der Nachkriegsmoderne im geteilten Deutschland. Ab den 1950er-Jahren strömten neben vielen Arbeitsmigranten, oft als Gastarbeiter bezeichnet, auch zahlreiche Künstler in die Bundesrepublik Deutschland. Gleichzeitig etablierte die Deutsche Demokratische Republik ab den 1960er-Jahren ein Vertragsarbeitssystem mit einigen sozialistischen Ländern, die durch Kulturabkommen jungen Menschen die Möglichkeit boten, sich an den Kunsthochschulen der DDR einzuschreiben. Die Schau umfasst Werke von mehr als 40 Künstlern aus dem geteilten Deutschland während des Kalten Krieges und ist vom 8. April bis 25. September im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main zu sehen. Sie wird von einem großen Rahmenprogramm begleitet.

Das Projekt „Zukunft Klassik“ ermöglicht Konzerte von freien und innovativen Ensembles, die von der Breite des musikalischen Spektrums leben und mit ihrer künstlerischen Herangehensweise und Biographie den Leitgedanken „Diversität“ in die Rhein-Main-Region tragen. Die Ensembles und ihre Mitglieder kommen aus verschiedenen Regionen der Welt und machen die Rhein-Main-Region zu einer Plattform des sozialen, kulturellen, künstlerischen und musikalischen Austauschs. Die Konzerte bringen verschiedene musikalische Stile aus unterschiedlichen Kulturen zusammen, wodurch sich neue Reflexionsmöglichkeiten eröffnen. Bekannte Werke erhalten einen frischen Anstrich und neue Kompositionen werden in den Kontext der Vergangenheit gestellt. Im Rahmen des 37. Festivalsommers des Rheingau Musik Festivals finden die Konzerte vom 30. Juni bis 7. September 2024 an verschiedenen Standorten im Rheingau-Taunus-Kreis und in Wiesbaden statt.

„Fratopia“ versteht sich als ein „Festival der Entdeckungen“ und setzt dabei zwei thematische Schwerpunkte: „Frankfurt“ und „Utopien“. Es wird von der Alten Oper Frankfurt ausgerichtet und findet im kommenden Jahr vom 24. bis 28. September statt. Mit dem Festival sollen in Frankfurt neue Konzertformate, aufregende Künstler und Verbindungen zur Stadt und Region präsentiert werden. Es strebt Nähe und Teilhabe an, schafft innovative Hörerlebnisse, zeigt zeitgenössische künstlerische Ausdrucksformen und bietet unkonventionelle Programme abseits des Mainstream. Die Hauptidee des Festivals ist es, die Alte Oper in einen utopischen Begegnungsort zu verwandeln und in den fünf Festivaltagen einen „Konzertsaal der Zukunft“ zu gestalten. Statt herkömmlicher Konzertbesuche als abendliche Unterhaltung bietet das Festival ein ganztägiges, vielseitiges Programm und schafft einen offenen Raum, den Musiker und Publikum gemeinsam nutzen.
Schwerpunktthema „Internationalität“

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert vom 28. Februar bis 26. Mai 2024 die Ausstellung „The Culture“. Die Schau konzentriert sich auf die Kunst und zeitgenössischen Diskussionen der letzten zwei Jahrzehnte mit Wurzeln im Hip-Hop rund um Themen wie Geschlecht und Sexualität, Herkunft, kulturelle Aneignung, spätmoderner Kapitalismus und technologische Entwicklungen in der Musikindustrie. Die Ausstellung ist in sechs Abschnitte unterteilt und reicht von der Bedeutung der Sprache und der Marke Hip-Hop über kulturelle Einflüsse, bestimmter Haltungen und Modelle bis zum sozialen Aufstieg des Hip-Hops als globale Kultur.

Seit nunmehr drei Jahren trägt das vielseitige Rahmenprogramm des Filmfestivals goEast den Namen „Cinema Archipelago“. Im kommenden Jahr wird das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum e.V. (DFF) als Ausrichter des Festivals das Thema „UN:RECOGNIZED – (Film-) Kunst in einer gespaltenen Welt“ in den Mittelpunkt stellen und Fragen zur Anerkennung, Ausgrenzung und gesellschaftlichen Akzeptanz in Mittel- und Osteuropa behandeln. Ziel des Projekts ist es, eine interdisziplinäre Betrachtung der mittel- und osteuropäischen (audiovisuellen) Kultur vorzunehmen, unterrepräsentierte Gruppen in der Filmbranche sichtbar zu machen und Künstler, Publikum und Aktivisten miteinander in den Dialog zu bringen. Das Projekt wird während des Festivals vom 24. bis 30. April im Hybridformat zu sehen sein und danach nochmals bis September in der Region.

Mit dem Ende der Pandemie und der Rückkehr des Publikums in die Veranstaltungshäuser sind digitale Theaterformen größtenteils von den Spielplänen verschwunden. Doch die Auswirkungen der Digitalisierung reichen tiefer, denn sie prägen die Art der Kommunikation und Interaktion und verändern nachhaltig die Art und Weise, wie Theater produziert, erlebt und verstanden wird. Digitale Tools eröffnen neue künstlerische Möglichkeiten, darunter neue visuelle Welten, Räume, Präsenzformen und Erzählweisen. Die Deutsche Akademie der Darstellen Künste legt bei der dritten Ausgabe des PAD Festivals (PAD 03 – Performing Arts & Digitalität) den Schwerpunkt auf innovative Formate, die von Künstlicher Intelligenz (KI), Interaktion und Partizipation geprägt sind. Alle eingeladenen Produktionen nutzen KI, um in Echtzeit auf das Publikum zu reagieren und den Ablauf, die Bilder, den Text und die Dramaturgie zu beeinflussen. KI interagiert kontinuierlich und direkt mit den Zuschauern, die wiederum aktiv am Verlauf der Inszenierung teilnehmen können. Das Festival läuft vom 24. bis 27. Oktober 2024 in Wiesbaden.

Der European Youth Circus (EYC) verkörpert den europäischen Gedanken durch erstklassige Nachwuchsartistik und internationalen Austausch im Rahmen eines Festivals. Es konzentriert sich auf junge Artisten aus ganz Europa, die beeindruckende Leistungen erbringen und dabei einen eigenständigen inszenatorischen Ansatz verfolgen. Das Festival 2024 setzt diesen bewährten Ansatz fort und bringt eine neue künstlerische Produktion hervor. Unter dem Titel „AtTENTion“ thematisiert das Festival im kommenden Jahr das kostbare Gut der Aufmerksamkeit. Etwa 80 Nachwuchsartisten im Alter von 12 bis 25 Jahren, ausgewählt von einer internationalen Fachjury im Rahmen eines offenen Bewerbungsverfahrens, werden daran teilnehmen. Das Festival findet vom 31. Oktober bis 3. November in einem Circus-Chapiteau statt, das auf dem zentralen Innenstadtplatz neben dem Rathaus in Wiesbaden aufgebaut sein wird.

Schwerpunktthema „Kulturlandschaft RheinMain“

Im Rahmen der 40. Jubiläumsausgabe präsentieren die Brüder Grimm Festspiele Hanau unter anderem das zeitlose Märchen „Der gestiefelte Kater“, das nach wie vor Jung wie Alt fasziniert und auch durchaus zeitgenössische Botschaften vermittelt. Die Geschichte des cleveren Katers, der seinen in Not geratenen Besitzer mit List und Einfallsreichtum aus prekären Situationen rettet und zu Wohlstand führt, berührt aktuelle Themen wie sozialen Aufstieg, Gerechtigkeit und die kluge Anwendung von Intelligenz in einer sich immer weiter entwickelnden Welt. Geschrieben wurde die Neuinszenierung von den Gewinnern des nationalen Autorenwettbewerbs 2023, Anja Kömmerling und Thomas Brinx. Regie führt Nina Pichler. Begleitet wird das Festival, das vom 10. Mai bis 28. Juli 2024 stattfindet, von einem Musical-Workshop, der speziell für Jugendliche angeboten wird.

Das Städel Museum zeigt vom 10. Juli bis 27. Oktober 2024 mit „Zwischen Frankfurt und Paris“ eine Ausstellung, die die Netzwerke von Künstlerinnen um 1900 beleuchtet. Die Schau widmet sich der Ausbildung und Arbeit von Frankfurter Künstlerinnen wie Ottilie W. Roederstein, Eugenie Bandell, Mathilde Battenberg, Erna Auerbach, Louise Schmidt und Maria Petrie, die alle eine enge Verbindung zur aufstrebenden Pariser Avantgarde hatten. Die Ausstellung präsentiert nicht nur deren Werke als Malerinnen und Bildhauerinnen, sondern hebt auch ihre Rolle als Sammlerinnen, Mäzeninnen, Lehrerinnen und Vermittlerinnen im kulturpolitischen Geschehen dieser Zeit hervor und zeigt somit die Vielfalt der weiblichen Künstlerinnenschaft um 1900. Diese Künstlerinnen gründeten beispielsweise Ateliergemeinschaften, professionelle Künstlerinnenverbände und pflegten enge Freundschaften, um gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung in der Ausbildung vorzugehen. Durch wiederentdeckte Werke und Materialien aus verschiedenen Archiven wird das gängige Bild der „modernen Künstlerin“ hinterfragt und eine komplexere Geschichte erzählt.

Mit dem Festival „Weitergabe des Feuers“ lädt die Kronberg Academy Stiftung vom 20. September bis 3. Oktober 2024 ein. Die nächstjährige Festivalausgabe nimmt die klassische Musiktradition und deren breitflächigen Einfluss auf spätere Musikstile und -richtungen in den Blickpunkt. Das Festival erstreckt sich über 13 Tage im Casals Forum und anderen Veranstaltungsorten in Kronberg und bietet 26 Konzerte weltberühmter Musiker, aufstrebender Talente und außergewöhnlicher Orchester und Ensembles. Es zeigt, wie Komponisten sich gegenseitig inspirieren, Momente der musikalischen Magie auf der Bühne zwischen Musikern entstehen und wie die musikalische Flamme von Generation zu Generation weitergegeben wird. Durch innovative Konzertformate und Aufführungen möchte das Festival neue Zielgruppen für klassische Musik begeistern und Menschen einen Konzertbesuch ermöglichen, die sonst aus verschiedenen Gründen den Weg in den Konzertsaal nicht finden.

Schwerpunktthema „Impulsgeberin Kunst“

Im Jahr 2022 widmete das UC Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive (BAMPFA) die erste umfangreiche Retrospektive der Fluxus-Künstlerin Alison Knowles, die mittlerweile 91 Jahre alt ist. Diese Ausstellung wird vom 13. September 2024 bis zum 26. Januar 2025 in das Museum Wiesbaden kommen. Alison Knowles war 1962 die einzige Frau unter den auftretenden Männern bei den „Fluxus Internationalen Festspielen Neuester Musik“ im Museum Wiesbaden. Die vierzehn Konzerte dieser Veranstaltung, die heute als Experimentierfeld der Moderne betrachtet werden, brachen mit Konventionen und Erwartungen, die so weit gingen, dass einige Wiesbadener davon sprachen „Die Irren sind los“. Die Schau wird Knowles‘ einfühlsamen und poetischen Objekten und Event Scores von ihrem Frühwerk bis zur Gegenwart gewidmet, in denen sie sich wie ihre männlichen Kollegen mit den Debatten des Kunstbetriebs und der Soziologie der 1950er- bis 1970er-Jahre auseinandersetzt.

Mehr über die Arbeit des Kulturfonds unter www.kulturfonds-frm.de.

(Text: PM Kulturfonds Frankfurt RheinMain)