Obertshausen: “Adrenalin Motorsport“ Dauersieger in der Nürburgring Langstrecken-Serie

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Matthias Unger (Zweiter von rechts), hier mit seinen Siegfahrern Oskar Sandberg, Philipp Leisen und Daniel Zils, ist seit vielen Jahren erfolgreich im Rennsport tätig.(Foto: privat)

Matthias Unger hat in den vergangenen Jahren im Motorsport eine echte Erfolgsgeschichte geschrieben. Der gebürtige Heusenstammer, mit seinem Unternehmen mittlerweile in Obertshausen beheimatet, ist der Chef von „Adrenalin Motorsport“. Sein Rennstall holte in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal in Folge den Titel in der Nürburgring Langstrecken-Serie, die als die populärste Breitensportserie Europas gilt.

„Ich glaube, dass das ziemlich außergewöhnlich ist, was wir da erreicht haben“, freut sich Matthias Unger über die Erfolge. Die Statistik gibt dem 53-Jährigen Recht. Die Nürburgring Langstrecken-Serie wird bereits seit 1977, zunächst noch unter anderen Namen, vor allem auf der berühmten Nordschleife des Rennkurses in der Eifel ausgetragen. Daniel Zils, Oskar Sandberg und Philipp Leisen fuhren in dieser Saison im BMW 330i für ihr Team nicht nur den sechsten Titel hintereinander ein, sie machten „Adrenalin Motorsport“ damit auch zum erfolgreichsten Rennstall in der 46-jährigen Geschichte der Nürburgring Langstrecken-Serie. Bei den vier bis sechs Stunden dauernden Langstreckenrennen wechseln sich drei Fahrer pro Team ab.

Team die ganze Saison in Topform

Das Trio Zils, Sandberg und Leisen war über die gesamte Saison in Topform, sie gewannen in der sogenannten VT2 RWD+4WD-Klasse alle neun Saisonrennen auf dem Nürburgring und holten damit die nötigen Punkte für den klassenübergreifenden Sieg in der Gesamtwertung. Auch in den anderen Klassen der Serie war „Adrenalin Motorsport“ sehr erfolgreich. In 2023 holte der Rennstall insgesamt 29 Siege. Mit acht bis zehn Rennwagen war das Team an den Rennwochenenden vertreten. Sieben der Autos waren mit Stammfahrern besetzt, berichtet Matthias Unger, der einen großen Aufwand betreibt. In seinem Unternehmen gibt es im Motorsportbereich drei festangestellte Mechaniker. Neben dem Teamchef sind zudem zwei Mitarbeiter im Büro tätig. An den Rennwochenenden kommen dann noch weitere 25 freie Mitarbeiter und geringfügig Beschäftigte hinzu. „Adrenalin Motorsport“ bestreitet im Jahr rund 20 Rennwochenenden. Neben der Nürburgring Langstrecken-Serie ist man auch beim 24-Stunden-Rennen an gleicher Stelle und bei einer Einsteigerserie am Start.

Generell sei die Nürburgring Langstrecken-Serie in den vergangenen Jahren sehr professionell geworden. „Diese Motorsportromantik, dieser Traum von den drei Freunden, die sich selbst ein Auto bauen und es dann zum Nürburgring bringen und fahren, die gibt es nicht mehr. Das ist einfach zu komplex geworden“, sagt Matthias Unger. Das sei zwar einerseits schade, andererseits sei es früher auch teilweise ziemlich chaotisch zugegangen. Die Ausfallquoten mit den selbstgeschraubten Autos waren hoch.

Anders als heute. Mit der Zeit, blickt Matthias Unger auf die Entwicklung zurück, seien nämlich dann Teams wie das seine entstanden. Es habe sich bei den Fahrern die Erkenntnis durchgesetzt, dass es besser ist, sich irgendwo einzumieten. „Ich bin ein Dienstleister. Ich stelle Rennfahrzeuge zur Verfügung, mit allem, was drum herum nötig ist“, beschreibt Matthias Unger das Geschäftsmodell von „Adrenalin Motorsport“. Motorsportanfänger, die ein Coaching bekommen und nach und nach die verschiedenen Lizenzen erwerben können, aber auch der Semiprofi, können zu ihm und seinem Team kommen, sagt Unger.

“Nur das Finanzielle alleine ist nicht der Antrieb”

In der Nürburgring Langstrecken-Serie setzen manche Teams ausschließlich auf sogenannte „Paydriver“, die sich in den Mannschaften einkaufen. „Adrenalin Motorsport“ geht da einen Mittelweg. Das Finanzielle sei zwar wichtig, so Matthias Unger. Die Leistung aber genauso. „Dass ich so auf Performance Wert lege, ist dem geschuldet, dass der Antrieb, das überhaupt zu machen, für mich der Erfolg ist. Nur das Finanzielle alleine ist nicht der Antrieb. Wir haben es die letzten Jahre einfach geschafft, immer besser zu sein als die anderen.“

Bei der Frage, wie er selbst den Einstieg in den Motorsport geschafft hat, muss Matthias Unger etwas ausholen: „Ich hatte immer mit schnellen Autos zu tun, da ich seit 1996 als Autohändler tätig bin.“ Da kam auch ein Kontakt zustande zu einer Werkstatt, die im Motorsportbereich tätig war. Unger wurde überredet, es selbst einmal mit dem Rennwagen zu probieren und stellte sich scheinbar nicht so schlecht an. „Man hat mir unterstellt, dass ich das wohl einigermaßen gut kann und dass es Sinn macht, weiterzufahren“, meint Unger im Rückblick schmunzelnd.

Unger feierte ab 2006 Erfolge als Fahrer, wurde 2008 in der Nürburgring Langstrecken-Serie selbst Meister und gründete 2009 ein eigenes Team. 2015 zog er sich schließlich als Fahrer zurück und konzentrierte sich ganz aufs Management. „Es läuft nicht immer alles glatt, es ist manchmal auch sehr schwierig, sehr emotional. Der Motorsport hat extreme Höhen und extreme Tiefen. Man wird so ein bisschen süchtig nach dem Positiven. Um das Positive zu erreichen, muss man teilweise aber auch das Negative hinnehmen“, beschreibt Unger die Faszination seines Sportes.

Die Antwort von Matthias Unger auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis fällt vielschichtig aus. „Ich habe eine sehr, sehr gute Mannschaft.“ Die ist im Laufe der vielen Jahre gewachsen. „Das Konzept ist es, das gewinnt“, stellt Unger fest. „Ich sehe es ein wenig wie beim Fußballmanager-Spiel. Der Spieler alleine ist nichts. Außer, er wird von jemandem an der richtigen Stelle eingesetzt, dass er auch sein Potenzial entfalten kann. Ich kriege es wohl irgendwie hin, dass Fahrer ihr Potenzial ausschöpfen können.“ Das klappt so gut, dass Adrenalin Motorsport nun sechs Seriensiege hintereinander eingefahren hat. Dies, obwohl die Konkurrenz alles daran setzt, dass es mal wieder einen anderen Seriensieger gibt. Die anderen Teams seien sich regelrecht einig: „Wenn es einer nicht schaffen soll, dann ich. Das kann ich verstehen, ich kenne die Situation auch von der anderen Seite und weiß, wie sich das anfühlt“, sagt Matthias Unger. Auch in den kommenden Jahren möchte er natürlich lieber auf der Siegerseite stehen.

(Text: PS)