Für mehr Sicherheit: Black-Out-Übung im Hochtaunuskreis

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Norbert Fischer, Kreisbrandmeister und Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands, Landrat Ulrich Krebs und Kreisbrandinspektor Carsten Lauer. (Foto: Hochtaunuskreis)

24 Stunden lang probten Rettungskräfte, Technisches Hilfswerk, Polizei, Verwaltungsstäbe der Hochtaunus-Kommunen, Krankenhäuser, Ärzte, Alten- und Pflegeheime ihr Vorgehen, wenn über einen längeren Zeitraum im gesamten Hochtaunuskreis der Strom ausfallen sollte.

„Sicherheit für seine Bürgerinnen und Bürger hat für uns einen hohen Stellenwert“, sagte Landrat Ulrich Krebs. „Daher ist es wichtig, eine solch große Simulationsübung durchzuführen, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein.“ Dass das Thema auch andernorts als wichtig erachtet werde, zeige die Tatsache, dass sich eine Reihe von Experten angemeldet hätten, um als Beobachter der Übung beizuwohnen. Der Landrat bedankte sich bei den vielen hundert Personen, die sich an der Durchführung – meist ehrenamtlich – beteiligten. „Dieses Engagement ist keineswegs selbstverständlich und verdient höchste Wertschätzung.“

„Wir verfolgen zwei Ziele mit dieser Simulationsübung“, erklärte Norbert Fischer, Kreisbrandmeister und Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands. „Zum einen wollen wir die Bürgerinnen und Bürger für das Thema sensibilisieren, zum anderen wollen wir sehen, ob unsere Einsatzpläne greifen.“

Natürlich war für die Dauer der Übung der Strom nicht ausgeschaltet, die Alarmwege für Bürgerinnen und Bürger funktionierten wie gewohnt, Notrufe konnten über die 112 abgesetzt werden. Bei einem Ernstfall ist das aber keineswegs gesichert. „Wir gehen davon aus, dass dann das Telefonnetz, Festnetz und Mobilfunk, ausfallen wird“, erläuterte Fischer. „Deshalb wollen wir im Rahmen der Übung darauf aufmerksam machen, dass sich die Bevölkerung dann an die Notfallinformationspunkte wenden sollen.“ Dabei handele es sich um die 67 Feuerwehrgerätehäuser in allen Ortsteilen des Kreises, die mit der Leitstelle verbunden sind. Diese Notfallinformationspunkte waren alle – wie im Ernstfall – besetzt. Von hier wurden aus allen Städten und Gemeinden des Kreises 195 fingierte Notfallmeldungen abgesetzt, die in der Leitstelle verarbeitet werden mussten.

Wie man sich die Arbeit in der Leitstelle in einer solchen Situation vorzustellen hat, wurde bei dem Presserundgang ebenfalls gezeigt. Hier hatten der Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) und der Katastrophenschutzstab ihre Arbeit aufgenommen und koordinierten die Aktivitäten der Einsatzkräfte: sei es die Befüllung von Tanklastwagen mit Kraftstoff oder die Verlegung einer Feldkabelleitung durch das Technische Hilfswerk. Zudem wurde Kontakt zu den Verwaltungsstäben in den Rathäusern der Städte und Gemeinden gehalten, um im Bedarfsfall reagieren zu können. Dies wurde mit einem Notruf des Verwaltungsstabs Glashütten nachgestellt, wonach die Trinkwasserversorgung in der Gemeinde ausgefallen sei. Hier musste dann von SAE und Katastrophenschutzstab die Versorgung durch Lastwagen organisiert werden.

Wenn der Strom ausfällt, können auch Arztpraxen nicht mehr arbeiten. Es werden dann viele Kranke direkt zu den Hochtaunus-Kliniken kommen. Wie sich die Kliniken im Falle eines lang anhaltenden Stromausfalls wappnen, wurde ebenfalls simuliert. In Bad Homburg und Usingen wurden deshalb Auffangräume vor den Krankenhäusern eingerichtet. Hier werden Menschen aufgenommen, die ärztliche Hilfe benötigen und die von niedergelassenen Ärzten behandelt werden. Die Mediziner sind gesetzlich verpflichtet, sich in einem solchen Fall in den Krankenhäusern einzufinden. „Es ist wichtig, unterschiedliche Versorgungssituationen zu durchdenken und zu üben. Damit stellen wir sicher, dass wir im Ernstfall flexibel reagieren können“, so Dr. Julia Hefty, Geschäftsführerin der Hochtaunus-Kliniken.

Einrichtungen der kritischen Infrastruktur wie die Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) werden im Falle eines Stromausfalls über Notstromaggregate versorgt. An der DRK-Wache wurde gezeigt, wie die Systeme unter widrigen Bedingungen in Echtzeit funktionieren. Dabei war auch Thema, wie Notstromaggregate betankt werden. Denn die Aggregate sind oftmals nicht für einen 24-stündigen Dauerbetrieb ausgelegt. Daher ist es Aufgabe der Stäbe, die Betriebsbereitschaft der Aggregate beziehungsweise die Einspeisung des Stroms in das Stromnetz der Einrichtung durch Feuerwehr oder Technisches Hilfswerk zu gewährleisten. Entsprechend galt es, Tanklastzüge zu koordinieren und innerhalb eines Zeitfensters zu den Einrichtungen zu bringen. Zu diesen Einrichtungen gehören auch Alten- und Pflegeheime. Daher wurden auch sie in die Übung eingebunden, um zu testen, wie die Häuser im Bedarfsfalle versorgt werden können.

„Wir werden im Anschluss an die Übung sehr genau schauen, was gut gelaufen ist und was nicht. Das wird sicherlich einige Zeit in Anspruch nehmen“, hatte Wolfgang Reuber, der die Simulationsübung für den Hochtaunuskreis erarbeitet hatte, bereits im Vorfeld erklärt. Anschließend würden die dabei gewonnenen Erfahrungen in die weiteren Katastrophenschutzpläne einbezogen, um den Taunus für seine Bürgerinnen und Bürger wieder ein Stück sicherer zu machen.

(Text: PM Hochtaunuskreis)