20 Jahre Stolpersteine in Frankfurt am Main

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Symbolbild Stolpersteine (Foto: Hans auf Pixabay)

Öffentliche Veranstaltung im Historischen Museum unter dem Motto „Kunst und Erinnerung – 20 Jahre Stolpersteine in Frankfurt am Main, 23 Jahre Bibliothek der Generationen“ am 30. November

Fast alle Frankfurterinnen und Frankfurter kennen sie, diese 10 mal 10 Zentimeter großen Messingtafeln im Gehweg – die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig. Fast 2000 von ihnen erinnern heute in 34 Frankfurter Stadtteilen an Menschen, die in der NS-Zeit verfolgt, gedemütigt, vertrieben, eingesperrt verschleppt und ermordet wurden. Jeder Stolperstein erinnert an das Schicksal eines einzelnen Opfers vor dessen letzter frei gewählten Wohnung. Das Gedenken an das Verbrechen der Nationalsozialisten und ihrer Helfer gelangt so in die Nachbarschaft und in den Alltag der Menschen – auf den Weg zur Arbeit, in die Schule, zum Bäcker.

Vor 20 Jahren: die ersten Frankfurter Stolpersteine

In Frankfurt nahm dieses größte dezentrale Mahnmal der Welt vor nunmehr genau 20 Jahren seinen Anfang: Am 11. November 2003 wurden im Oberweg 4 zum Gedenken an die in Auschwitz ermordeten Karl, Klara und Günter Kaufmann vom Künstler Gunter Demnig die allerersten Stolpersteine in Frankfurt verlegt. Die Initiative hierzu kam von Bürgerinnen und Bürgern aus der Bürgerinitiative Nordend. Schon bald fanden sich Menschen aus verschiedenen Stadtteilen, um auch in ihrem Viertel die Verlegung von Stolpersteinen zu organisieren.

Öffentliche Veranstaltung im Historischen Museum

Aus Anlass des 20. Jahrestags der ersten Stolpersteinverlegung in Frankfurt laden die Initiative Stolpersteine Frankfurt gemeinsam mit dem Historischen Museum zu einer öffentlichen Veranstaltung unter dem Motto „Kunst und Erinnerung – 20 Jahre Stolpersteine in Frankfurt am Main, 23 Jahre Bibliothek der Generationen“ am Donnerstag, 30. November, um 18.30 in den Sonnemann-Saal des Historischen Museums, Saalhof 1, ein.

Am Beginn des Abends bieten DW Dreysse und Martin Dill von der Initiative Stolpersteine Frankfurt einen Rückblick auf die 20-jährige Arbeit der Initiative. Im anschließenden Podiumsgespräch wird das Spannungsfeld zwischen Kunst, zivilgesellschaftlicher Gedenkkultur und stadtgeschichtlicher Erinnerung ausgelotet. Teilnehmer sind der Künstler Gunter Demnig, DW Dreysse, Mitinitiator der Stolperstein-Initiative, Astrid Erll von der Goethe Universität Frankfurt/Memory Studies, Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums Frankfurt, Martin Dill und Annika Wagner von der Initiative Stolpersteine Frankfurt. Die Moderation übernimmt Angela Jannelli vom Historischen Museum Frankfurt. Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartig spricht ein Grußwort.

Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main

Nach der Verlegung der allerersten Stolpersteine in Frankfurt gründete sich die Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, die seitdem alle Stolpersteinverlegungen in Frankfurt koordiniert und organisiert. Mitglieder der Initiative recherchieren und dokumentieren die Biografien und Verfolgungsschicksale der Opfer und nehmen Kontakt zu deren Familienangehörigen und Nachkommen auf. Anders als in anderen Städten erfolgt diese Arbeit in Frankfurt ausschließlich ehrenamtlich und durch Spenden finanziert. Über viele Jahre wurde die Arbeit der Initiative von Hartmut Schmidt koordiniert, der hierfür auch die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt erhielt. 2022 übernahm Martin Dill diese Aufgabe.

Gedenkkultur in unserer Stadt

Die Stolpersteine boten in den vergangenen 20 Jahren unterschiedlichen Menschen und Gruppen aus der Stadtgesellschaft die Möglichkeit, aktiv an der Gedenkkultur unserer Stadt mitzuwirken: Schülerinnen und Schüler vieler Frankfurter Schulen beteiligten sich an den Verlegungen und beschäftigten sich mit dem Schicksal der Opfer; Frankfurter Vereine und Firmen initiierten Stolpersteine-Verlegungen für verfolgte Mitglieder und Mitarbeiterinnen sowie Mitarbeiter. Anwohnerinnen und Anwohner sowie Hausbesitzerinnen und -besitzer befassten sich mit dem Schicksal früherer Bewohner; Hunderte von Bürgerinnen und Bürger kümmerten sich als Putzpaten regelmäßig um die Pflege der Steine; und nicht zuletzt wurden alle der fast 2000 Stolpersteine durch individuelle Spenden von Stolpersteinpatinnen und -paten finanziert.

Angehörige der Opfer aus aller Welt

Im Laufe der 20 Jahre kamen viele hunderte Angehörige, Nachfahren sowie Freundinnen und Freunde der NS-Opfer zu den Stolperstein-Verlegungen aus aller Welt nach Frankfurt, unter anderem aus Israel, Argentinien, Kanada, Südafrika, Australien, Großbritannien, Holland, Belgien Frankreich, Schweiz, Schweden, Norwegen und den USA. Viele kamen dabei zum ersten Mal in die Heimatstadt ihrer Vorfahren, aus der diese damals vertrieben oder in den Tod geschickt wurden. Für die Familien der Opfer stellen diese Stolpersteine nicht nur eine berührende Form des ganz persönlichen familiären Gedenkens dar, sondern werden als eine starke Geste des Willens zur Versöhnung aus der Zivilgesellschaft des heutigen Frankfurts wahrgenommen.

Nie wieder ist jetzt!

Gerade musste die Weltöffentlichkeit erleben, wie sich ein nicht mehr für möglich gehaltenes Pogrom an Jüdinnen und Juden ereignete, grausam und menschenverachtend verübt von der Terror-Organisation Hamas. Aber auch in Deutschland und in Frankfurt werden antisemitische Parolen wieder lauter. Antisemitismus, Nationalismus und Hass breitet sich aus auf den Straßen, in Schulen und im Netz. Das Wachhalten der Erinnerung an das Menschheitsverbrechen, das Deutsche in der NS-Zeit an ihren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern und an anderen Opfergruppen begangen haben, erscheint darum wichtiger denn je. Darum wird die Initiative Stolpersteine Frankfurt auch in den kommenden Jahren ihre Arbeit fortsetzen.

(Text: PM Stadt Frankfurt)