Rödermark: Hervorragendes Timing für außergewöhnliche Bilderschau

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Im Bild (v.l.): Gerd Coordes, Volker Rebell und Harry Schwerdtner)

Im Bücherturm zeigt Gerd Coordes bis zum ersten Advent seine Ausstellung „John Lennon in Pop“

Er ist ausgewiesener Stones-Fan, hat seiner Lieblingsband einige Bücher und 2016 seine erste Bilderschau im Bücherturm gewidmet: digital bearbeitete Fotografien, die ein künstlerisches Licht auf die Musiker werfen. Gerd Coordes mag aber auch die Beatles, seine erste musikalische Liebe. John Lennons 80. Geburtstag wollte er vor drei Jahren mit seiner zweiten Ausstellung in der Stadtbücherei feiern. Corona verhinderte dies. Doch der Zeitpunkt für den Nachholtermin hätte nicht besser gewählt sein können: Am Tag nach der Veröffentlichung des allerletzten Beatles-Songs „Now and Then“ – und zwei Wochen nach der Veröffentlichung des ersten Stones-Albums seit 18 Jahren, einer „megacoolen CD“, so Coordes – eröffnete Thomas Mörsdorf, Leiter der städtischen Kulturabteilung, die Ausstellung „John Lennon in Pop“. „Gut gemacht“, lobte Mörsdorf, „hervorragendes Timing“ bescheinigte Laudator Volker Rebell.

Der alte, neue Song aus der Feder des Beatles-Kopfes, dank KI aus einem Demo-Tape wiederhergestellt, sende die für Lennon typische Botschaft, sagte Rebell, Beatles-Experte und legendärer Radio-Macher aus Offenbach: Love, Love, Love… „Lichtblick in schlimmen Zeiten“, „Trostspender wie 1963, als JFK ermordet wurde“. Und Rebell fühlte sich auch an Lennons Friedens-Hymne „Imagine“, erinnert, die heute „mehr gebraucht wird denn je“ und von „unschätzbarem Wert“ sei. Diese Botschaft sei auch in der Ausstellung von Gerd Coordes zu spüren.

Sein erstes Beatles-Bild hatte Coordes nur zur Vernissage mitgebracht: eine Federzeichnung aus dem Jahre 1969 – der 19 Jahre alte Freizeitmaler hatte sich vorgestellt, wie die Pilzköpfe denn mit 60 Jahren aussehen würden: sorgenvolle Mienen, das Haupthaar gelichtet, die Köpfe gerade noch über Wasser – vielleicht ahnte auch Coordes damals, dass das mit den Beatles nicht mehr lange gutgehen konnte. Für die Malerei habe er dann keine Zeit mehr gehabt.

Doch als Coordes dann vor 15 Jahren nach Rödermark kommt, entdeckt er seine künstlerische Ader wieder. In digitaler Form. In der Verbindung von Fotografie und Malerei. Seinen ganz eigenen Stil nennt Coordes „Photo-Graphic Art“. Meist sind es Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die er am Rechner bearbeitet, denen er künstlerisches Leben einhaucht. Sie werden zu farbigen Kunstwerken, die an die Pop-Art eines Roy Lichtenstein oder die Fotografien Richard Avedons erinnern, sind mal paradiesvogelbunt-psychedelisch, mal monochrom, mal reduziert auf ihre graphische Essenz, immer eröffnen sie neue Perspektiven. Neu entdecken lassen sich so John Lennon und die Beatles auf Aufnahmen aus der frühen Star-Club-Zeit, von der Bravo-Beatles-Blitz-Tournee 1966, von Album-Covern oder Beilagen.

Der zweite Ausstellungsraum ist einem John Lennon gewidmet, den so die wenigsten kennen: Gezeigt werden wunderbar bearbeitete Aufnahmen aus Coordes‘ Heimatstadt Verden an der Aller, wo John Lennon 1966 für die Satire „Wie ich den Krieg gewann“ vor der Kamera stand. Wie Coordes bei Recherchen zwanzig Jahre später herausfand, schwänzten etliche Schülerinnen und Schülern damals den Unterricht, um Lennon einmal leibhaftig zu erleben. Dabei ließ sich der Musiker mit seinen Fans ablichten und gab bereitwillig Autogramme. Einer dieser Fans war Harry Schwerdtner, der mit viel Humor davon berichtete, wie er als 14-jähriger damals John Lennon begegnete und vor Aufregung sprachlos war, aber dennoch zu seinem Autogramm kam. Etliche Aufnahmen stammen aus dem Fundus des eingefleischten Beatles-Fans. Von den seltenen Schwarz-Weiß-Aufnahmen hat Coordes großformatige Collagen angefertigt.

Alle Grafiken können von den Besuchern der Ausstellung bewertet werden. Zum Ende wird das Bild, das die meisten Punkte erhält, verlost.

Die Ausstellung „John Lennon in Pop“ kann bis einschließlich Freitag, dem 1. Dezember, während der Öffnungszeiten der Stadtbücherei besichtigt werden: täglich außer donnerstagsnachmittags von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 19 Uhr; nach aktuellem Stand auch am Sonntag, dem 3. Dezember, im Rahmen des Adventsmarktes von 10 bis 18 Uhr.

(Text: PM Stadt Rödermark)