Rödermark: Kein Prüfungsabbruch in der Sauna-Frage

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Im Untergeschoss des Badehauses befindet sich eine Saunalandschaft, die von den „Saunarittern“ betrieben wird. Nun läuft die detaillierte Prüfung an, ob die Sauna zu einem Jugendzentrum umgebaut werden kann. Ein JUZ-Neubau auf der Freifläche hinter dem Badehaus ist aus Kostengründen praktisch vom Tisch. (Foto: PS)

Der angedachte Umbau der Sauna im Badehaus in ein Jugendzentrum sorgt in der Kommunalpolitik weiter für Diskussionen. Die Stadtverordnetenversammlung hatte im Juli mit großer Mehrheit beschlossen, dass die Möglichkeit eines Umbaus detailliert geprüft werden soll. Die FDP, die im Juli ebenfalls für die Prüfung gestimmt hatte, forderte in der Oktober-Sitzung nun mit Unterstützung der Freien Wähler vergeblich eine Rolle rückwärts.

Sauna als abbruchreif verkauft, um JUZ-Einzug zu rechtfertigen?

Die FDP hatte nach einem Vorortbesuch bei den „Saunarittern“, die die Sauna im Badehaus seit 2015 von der Stadt gepachtet haben, ihre Meinung geändert. Die Liberalen wollen das Prüfergebnis nun nicht mehr abwarten und setzen sich für eine Verlängerung des Pachtvertrages ein, der noch bis Ende 2024 läuft

Als ein Argument für die Umnutzung seien von den Kommunalen Betrieben (KBR) anstehende Sanierungskosten für den Saunabereich von über 500.000 Euro genannt worden. Davon könne nach dem Vor-Ort-Besuch aber keine Rede sein, kritisierte die FDP. Die „Saunaritter“ gehen von deutlich niedrigeren Renovierungskosten aus – 120.000 bis 150.000 Euro.

Unabhängig von den Kosten ist die FDP, so der Fraktionsvorsitzende Tobias Kruger, zu der Erkenntnis gelangt, dass die Sauna „mit sehr viel Herzblut geführt wird“. Die Sauna tue nicht nur dem Badehaus gut, sondern sei auch zu einem Standortfaktor für Rödermark geworden. Zudem ist für die FDP ein neues JUZ nicht zwingend notwendig. Die Liberalen glauben nicht, dass die bisherigen Besucher einen neuen Standort in Urberach vollständig annehmen würden und Ober-Roden – der jetzige Standort in der alten Feuerwache soll renoviert und in ein Bürgerhaus umgebaut werden – dann keine echte Anlaufstation für diese Jugendlichen mehr hätte. „Die Sauna ist uns zu wichtig, es muss eine andere Lösung für das JUZ geben“, sagte Krugers Fraktionskollege Dr. Rüdiger Werner. Eventuell müsse man in der Jugendarbeit kleinere Brötchen backen.

Auch die Freien Wähler hatten sich vor Ort informiert. Die Verhältnisse in der Sauna hätten so gar nicht zu den Zahlen der Kommunalen Betriebe gepasst, sagte der Fraktionsvorsitzende Björn Beicken. „Wenn man einfach nur diese Zahlen nimmt und man die Örtlichkeiten nicht vor Augen hat, dann könnte man meinen, dass sich die Sauna in einem absolut verheerenden Zustand befindet.“ Dies sei aber keineswegs der Fall: „Ausbesserungen ja – ein Sanierungsfall ganz sicher nicht“, so Beickens Fazit. Die Vermutung liege nahe, „dass der Wille sehr groß ist, diese Saunalandschaft als abbruchreif zu verkaufen, um hier einen Einzug des JUZ politisch zu rechtfertigen“. Zudem würden bei einer Saunaschließung Pachteinnahmen und Arbeitsplätze wegfallen. Beickens Fraktionskollege Peter Schröder brachte die ehemalige Motzenbruch-Kita nicht nur als Übergangs-, sondern als mögliche Dauerlösung für ein JUZ ins Gespräch.

Mit dem Beschluss zur detaillierten Prüfung eines Saunaumbaus zum JUZ (Kostenschätzung 1,2 Millionen Euro) war der zuvor angedachte Bau eines komplett neuen JUZ-Gebäudes mit Büroräumen für die städtische Kinder- und Jugendabteilung auf der Freifläche hinter dem Badehaus (veranschlagte Kosten 4,5 Millionen Euro) sehr unwahrscheinlich geworden.

FDP-Antrag unsinnig, destruktiv und nur auf Applaus aus?

Bürgermeister Jörg Rotter reagierte mit Unverständnis darauf, dass FDP und Freie Wähler aus der ergebnisoffenen Prüfung aussteigen wollten. Die beiden Fraktionen seien lediglich auf den Applaus der Saunafreunde aus. In allen Gremien der Stadt und der Betriebskommission hätten Vertreter der FDP und der Freien Wähler der Prüfung eines Umbaus zugestimmt. Es sei erstaunlich, dass man nur eine Woche nach dem Stavo-Beschluss aussteigt und pressewirksam verkündet, dass die Sauna bleibt und man am Ergebnis der Prüfung gar nicht mehr interessiert ist. Die bisherigen KBR-Zahlen seien nur eine grobe Schätzung gewesen. „Weil wir es genau wissen wollen, steigen wir in diese Feinprüfung ein.“ Das sei auch aufgrund der angespannten Haushaltslage dringend nötig.
Felix Hitzel (AL) fand es ebenfalls unsinnig, dass FDP und Freie Wähler die Prüfung eines Umbaus der Saunalandschaft verhindern wollten. Der Antrag sei nicht konstruktiv. Auch Hitzel betonte, dass es um eine ergebnisoffene Prüfung geht, die Klarheit schaffen soll. „Es ist ein Versuch, einen guten JUZ-Standort zu finden – für kleines Geld, in finanziell schwierigen Zeiten.“

„Es sind viele Dinge nicht richtig gelaufen“, meinte Lars Hagenlocher (SPD) mit Blick auf die Kommunikation der Stadt mit den „Saunarittern“, die fehlende Diskussion in der Stadtverordnetenversammlung beim Prüfungsbeschluss im Juli und das „unwürdige Hickhack mit den Zahlen“. Hagenlocher zeigte auch Verständnis für die Wut der Saunaritter. Dennoch will die SPD die Prüfung. Die Argumente für ein JUZ im Badehaus seien einfach zu gut. „Die Möglichkeiten, die sich dort bieten und die wir prüfen wollen, sind zu interessant angesichts unserer Haushaltslage“, meinte Hagenlocher.

Dass die Prüfung eines Saunaumbaus zum JUZ beendet werden soll, bevor das Prüfergebnis da ist, war für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Michael Gensert unverständlich. „Es war immer klar: Wenn eine Prüfung beauftragt wird, dann wollen wir – wenn wir als Stadtverordnetenversammlung eine Entscheidung treffen – das Prüfergebnis vorliegen haben.“ Außerdem würden FDP und Freie Wähler immer wieder suggerieren, dass bereits eine Entscheidung für den Umbau der Sauna zum JUZ gefallen ist. Das sei, so Gensert, aber keineswegs der Fall. Die Entscheidung falle erst, wenn das Ergebnis der Prüfung vorliegt.

CDU, AL und SPD verhinderten mit ihren Stimmen den Abbruch der Prüfung eines möglichen Saunaumbaus zum JUZ. Nur FDP und Freie Wähler waren für den Abbruch der Prüfung. Der AFD-Stadtverordnete Jochen Roos, der bei der Abstimmung in der Juli-Sitzung als einziger Stadtverordneter gegen die Prüfung eines Sauna-Umbaus zum JUZ gestimmt hatte, fehlte bei der Oktober-Sitzung.

(Text: PS)