Darmstadt: Historischer Ludwigstempel entsteht neu

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Ludwigstempel (Foto: Olaf Köhler / Denkmalschutzbehörde)

Darmstadt hat seinen Ludwigstempel zurück – nach fast dreißig Jahren der Abwesenheit ist der historische Pavillon in der Albert-Schweitzer-Anlage wieder aufgebaut und vergangenen Mittwoch eingeweiht worden.

„Es sind auch vergleichsweise kleine Kulturgüter wie dieses, die den Charakter und das Bild einer Stadt prägen“, erklärte Oberbürgermeister Hanno Benz. „Dass dieses Kleinod wiedererstanden ist, wurde in hohem Maß durch bürgerschaftliches Engagement möglich – allen, die daran mitgewirkt haben, tatkräftig oder durch großherzige finanzielle Unterstützung, danke ich ausdrücklich.“

„Der Tempel wurde fachkundig unter Leitung der Denkmalschutzbehörde und des Grünflächenamtes so wieder aufgebaut, dass er dem 1995 mutwillig zerstörten Original im Wesentlichen entspricht“, ergänzte Stadtrat Michael Kolmer. „Fehlende Bauteile wurden auf Grundlage intensiver restauratorischer Befundung und Archiv-Recherche denkmalgerecht ergänzt, originale Bauteile sorgsam ertüchtigt und repariert. Das Ergebnis ist ein wirkliches Schmuckstück, wofür ich ebenfalls meinen Dank und Anerkennung ausdrücken möchte.“

Beim Wiederaufbau des Pavillons konnte mithilfe der noch vorhandenen originalen Bauteile der originale Zustand der gusseisernen Grundstruktur wiederhergestellt werden. Fehlende Stützen wurden nachgegossen und beschädigte Bauteile repariert. Das hölzerne Dachtragwerk mit seinen Verzierungen wurde anhand der historischen Aufnahmen rekonstruiert. Die Eindeckung des Daches und die Zierspitze wurden ebenfalls auf Grundlage der Erkenntnisse aus den historischen Aufnahmen wieder hergestellt.

1877 von Valentin Justus Noack gestiftet

1877 hatte der Darmstädter Valentin Justus Noack den filigranen, achteckigen Pavillon gestiftet, dessen dünne gusseiserne Stützen eine leichte Dachkonstruktion trugen. Die Brüstungsfelder waren mit schmalen Stäben ausgefacht, eines zum Eintreten offen. Mit dem Pavillon, einem kleinen Teich und exotischem Bewuchs wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die „Anlage am Exerzierplatz“ (die heutige Albert-Schweitzer-Anlage) als Grünanlage zwischen der Main-Neckar-Eisenbahnstrecke und dem Exerzierplatz gärtnerisch gestaltet. Nachdem die Bahnlinie 1912 aufgegeben worden war, wurden in den 1920er Jahren auf der ehemaligen Gleistrasse Wohnhäuser längs der heutigen Fritz-Bauer-Straße errichtet. Im Jahre 1968 erfolgte die Umbenennung der Grünanlage nach Albert Schweitzer.

In der Nacht vom 22. September 1995 hatten Unbekannte den Ludwigstempel mutwillig zerstört und einige der dünnen gusseisernen Stützen gestohlen. Die restlichen wurden zusammen mit weiteren bruchstückhaften Überresten im städtischen Bauhof eingelagert, bis sie auf Initiative der Vereine „Ehrenamt für Darmstadt“ und „Stadtbild Deutschland“, Ortsverband Darmstadt, dort wiederentdeckt wurden und beide Vereine sich in einer bürgerschaftlichen und ehrenamtlichen Initiative für den Wiederaufbau des Pavillons engagierten. Ein entsprechender Aufruf motivierte 25 Bürgerinnen und Bürger nicht nur zu umfänglichen Geldspenden, sondern auch Zeit und Fachwissen einzubringen.

Die großzügigen Spenden aus der Bürgerschaft wurden durch Stiftungen und Firmenspenden ergänzt. Zu nennen sind hier die bauverein AG, die Bürgerstiftung Darmstadt, die ENTEGA Stiftung, die Sparkasse Darmstadt und ihre Jubiläumsstiftung sowie die Merck’sche Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft. Die originalgetreue Wiederherstellung des Dachstuhls wurde als ehrenamtliches Hands-on-Projekt durch den Rotary Club Darmstadt ausgeführt.

Die denkmalgerechte Instandsetzung der achteckigen mit Sandstein eingefassten bauzeitlichen Bodenplatte und die Erneuerung der Bodengestaltung mit Mosaikpflaster erfolgten durch die Ausbildungskolonne des Grünflächenamtes. Auch der Eigenbetrieb für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen (EAD) unterstützte das Vorhaben.
Die Bormuth-Metallkultur GmbH spendete die Zinkblech-Rekonstruktion der einstigen Zierspitze, die Schreinerei Uhland GmbH stellte Werkstatt und Arbeitsgeräte für den Rotary-Club.

Weitere Infos: www.darmstadt.de/darmstadt-erleben/kultur/denkmalschutz/denkmalinformationen/ludwigstempel

(Text: PM Wissenschaftsstadt Darmstadt)