Minister Özdemir zu Gast im Kreishaus Groß-Gerau bei Tagung über Bio-Kost

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Besuch im Kreishaus: Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (2. v. rechts) war bei der Fachveranstaltung „Bio in der Gemeinschaftsverpflegung“ Gast im Landratsamt Groß-Gerau. Mit ihm diskutierten Dr. Ulrike Kreinhoff, Geschäftsführerin der Sektion Hessen – Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE, rechts), Jana Fuhrmann-Heise vom Biocaterer Biond (2. v. links) sowie der Erste Kreisbeigeordnete Adil Oyan (Mitte). Moderiert wurde die Veranstaltung von Yvonne Wesp (links) vom Gebäudemanagement des Kreises Groß-Gerau. (Foto: Kreisverwaltung)

Biokost in der Schule ist noch lange keine Selbstverständlichkeit – aber im Kreis Groß-Gerau ist man auf einem sehr guten Weg: Acht von bislang 31 Schulen im Ganztag, die in der Trägerschaft des Kreises Groß-Gerau stehen, bringen überwiegend biozertifizierte Lebensmittel auf den Tisch. Sehr zur Freude des Bundeslandwirtschaftsministers Cem Özdemir, der kürzlich bei einer Fach-Veranstaltung über „Bio in der Gemeinschaftsverpflegung – vom Acker auf den Tisch“ im Landratsamt mit auf dem Podium saß. Ebenfalls dabei: Dr. Ulrike Kreinhoff, Geschäftsführerin der Sektion Hessen – Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Jana Fuhrmann-Heise vom Biocaterer Biond sowie der Erste Kreisbeigeordnete Adil Oyan.

Bio macht Schule: 2020 hat der Kreis den Beschluss gefasst, den Bio-Anteil beim Schulessen auf 80 Prozent zu erhöhen. Mehr als 450.000 Mittagessen gibt der Kreis als Schulträger pro Jahr an seinen Schulen aus. Die Entscheidung ist ein Ergebnis der Zusammenarbeit mit Kreisen und Kommunen in der Ökomodellregion Süd, die sich zusammengetan haben, um die ökologische Erzeugung und die Vermarktung biologisch erzeugter Lebensmittel zu fördern. „Der Kreis will den Ökolandbau stärken und Absatzmärkte für die regional angebauten Produkte schaffen. Wir möchten hier eine regionale Wertschöpfungskette aufbauen“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Adil Oyan.

Mehr gesundes (Schul-)Essen

Der Kreis Groß-Gerau orientiert sich bei der Ernährung in den Schulen seit vielen Jahren am DGE-Standard. Zudem tauschen sich beim Thema Mensaessen im Kreis Groß-Gerau Schulleitung, Eltern, Verwaltung, Caterer und mitunter auch Schüler*innen im Rahmen eines Schnittstellenmanagements aus. Zudem bezuschusst der Kreis die Bio-Kost und wirbt offensiv dafür, wie wichtig ein gesundes und nachhaltiges Mittagessen für die Kindsentwicklung ist. Mit Erfolg: An einer Schule, an der vormals die Schüler*innen wenig begeistert zu Mittag gegessen haben, hat es mit dem bio-zertifizierten Caterer einen regelrechten Boom gegeben: Gegessen wird nun in drei Schichten.

Das positive Ergebnis verwundert die Fachfrau Dr. Kreinhoff nicht. Oft schmecke Kantinenessen nicht. Lange Warteschlangen, zu wenig Sitzplätze, Zeitdruck; wer Essen mit gesunden Zutaten anbiete und ideenreich und ausgewogen zubereite, überzeuge auch die Schüler*innen. Mehr Engagement sei bei diesem Thema nötig: 25 Prozent der Schüler*innen frühstückten vor der Schule nicht, tränken zu wenig, seien deshalb im Unterricht unkonzentriert und weniger leistungsfähig.

Häufig sei Schulessen nicht geeignet, diesen Mangel auszugleichen. „Pipapo (Pizza, Pasta, Pommes) wird am häufigsten in der Schulverpflegung angeboten – Nahrung mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren. Also viel Fett, wenig Nährstoffe vor allem energiereich und das ist natürlich nicht das, was wir uns für unsere Kinder wünschen“, so die Expertin. Solches einseitige Essen führe zu Übergewicht und Adipositas bei den Kindern. Ihr Rat: Pflanzenbetonte Kost, mehr Vollkorn, mehr Hülsenfrüchte als Fleischersatz und notwendige Eiweißquelle, maximal ein Gericht pro Woche mit Fleisch und höchstens 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche.

14.000 Schulessen pro Tag in Bioqualität

Dass man mit solchen Empfehlungen sehr gut leckere Gerichte auf den Tisch bringen kann, erläuterte Jana Fuhrmann-Heise vom Kasseler Biocaterer Biond. Das Unternehmen gibt 14.000 Schulessen pro Tag aus, alle in Bioqualität. Tütenprodukte finden keine Verwendung, selbst der Nachtisch werde frisch angerührt, so Fuhrmann-Heise. Weitgehend werde auf Fleisch verzichtet. Am Buffet könnten die Schüler*innen ihr Essen zusammenstellen, in Workshops mit den Kindern werde zudem Ernährungskompetenz vermittelt. Mittlerweise versorgt das Unternehmen nicht mehr nur Schulen und Kitas im Großraum Kassel. Seit Beginn dieses Schuljahrs wird bereits am zweiten Schulstandort im Kreis Groß-Gerau Essen von Biond ausgegeben, wobei ein großer Teil des frischen Gemüses direkt aus der Rhein-Main-Region geliefert wird.

Das freut den Minister: Nicht jedes Kind habe die Chance, zu Hause ein vollwertiges, gesundes Essen zu bekommen, möglichst regional, sagte Özdemir. Die Schule und die Kita seien Orte, an denen Kinder zusammenkommen. „Hier haben die Kinder zumindest einmal am Tag die Chance, sich gesund zu ernähren.“ Mit einem guten Essen könnten Kinder besser lernen und seien auch in der Schule erfolgreicher. Der Minister sagte weiter: „Der Bioanteil wird steigen, wenn die Nachfrage entsprechend steigt. Insofern haben wir das auch als Konsumenten durch unser Einkaufsverhalten ein bisschen selbst in der Hand.“ Es sei erstrebenswert, den Bioanteil auch über die Gemeinschaftsverpflegung zu erhöhen und damit regionale Absatzmärkte zu stärken. „Für mich gehören Bio und möglichst regional zusammen, da können Kommunen eine Menge machen.“

Über die Veranstaltung hat die Kreisverwaltung ein Video produziert. Es ist abrufbar unter der Adresse: https://youtu.be/FR0sIbTZbQA.

(Text: PM Kreis Groß-Gerau)