Kostenschock in der Münsterer Kläranlage

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Das neue Betriebsgebäude der Münsterer Kläranlage wächst bereits in die Höhe. Nun aber der Kostenschock: Statt 1,2 wird es 2,2 Millionen Euro teuer. Dies dürfte auch zu höheren Abwassergebühren führen. (Foto: jedö)

Neues Betriebsgebäude verteuert sich von 1,2 auf 2,2 Millionen Euro

Das neue Betriebsgebäude der Münsterer Kläranlage wird eine Million Euro teurer als geplant: Mit dieser Hiobsbotschaft hatten sich in der Gersprenz-Gemeinde im September sowohl Verwaltung als auch Gemeindevertreter beschäftigen müssen. Letztere machten in ihrer jüngsten Sitzung den Weg für die hohe Zusatzausgabe frei. Dies geschah mit knirschenden Zähnen und mangels Alternativen.

„Als wir den Antrag erstmals für den Haupt- und Finanzausschuss erhalten haben, hat es uns umgehauen!“, machte beispielsweise FDP-Fraktionsvorsitzender Jörg Schroeter keinen Hehl aus seinem Schock. Dann sei es aber darum gegangen, mit der schlechten Nachricht konstruktiv umzugehen – was der Liberale wie folgt darlegte: Eine „überplanmäßige Aufwendung“, wie sie die Verwaltung per Mehrheitsbeschluss von den Gemeindevertretern genehmigt haben wollte, sei dann zulässig, wenn die Ausgabe „unvorhergesehen und unabweisbar“ sei.

Beides bejahte nicht nur Schroeter. Auch Thorsten Schrod (CDU) und Elke Müller (SPD) waren der Ansicht, es bleibe nichts anderes übrig, als jetzt das viele Extrageld auf den Tisch zu legen. „Wenn Münster so etwas wie kritische Infrastruktur hat, dann ist es die Kläranlage“, so Schroeter. „Wenn sie ausfällt, haben wir ein extremes Problem.“ Schrod schloss an, auch Rathaus-Chef Joachim Schledt (parteilos) gerate bei einer funktionsuntüchtigen Kläranlage in Schwierigkeiten, nicht nur durch verärgerte Bürger: „Wenn die Kläranlage ausfällt und es zu einem Umweltschaden kommt, wird die Staatsanwaltschaft beim Bürgermeister vorstellig. Wir werden ihn nicht im Regen stehen lassen! Am Ende gibt es keine Alternative.“

Auch Müller blies in dieses Horn: „Es bringt nichts – die Elektrotechnik muss aus dem Keller ins Erdgeschoss verlegt werden“, sprach sie den wesentlichsten Kostentreiber an. Das neue Betriebsgebäude der Münsterer Kläranlage ist gerade in der Entstehung, die Elektrik dort zurzeit noch im Keller untergebracht. Inzwischen bewertete die Gemeindeverwaltung das aber als Sicherheitsrisiko: Bei Starkregen, wie er im Zuge des Klimawandels als Wetterereignis künftig auch in südhessischen Gefilden mit höherer Wahrscheinlichkeit auftreten dürfte, könnte der Keller mit Wasser volllaufen und die Elektrik zum Ausfall bringen. FDP-Mann Schroeter nannte das zwar ein „sehr unwahrscheinliches Szenario, aber wenn es eintritt mit einer extremen Auswirkung“.

Unter den Gemeindevertretern wollte dann auch niemand einen Ausfall der Kläranlage und darüber hinaus drohende (kaum zu versichernde) Umweltschäden riskieren, um jetzt Haushaltsmittel zu sparen. Eine Einzahlung vom Projektkonto der LBBW Kommunalentwicklung, mit der die Gemeinde das Baugebiet „Am Seerich“ realisiert, deckt diese Mehrausgabe zwar ab. Das Geld hätte Münster aber an diversen anderen Stellen gern freudvoller eingesetzt.

Ein Aufschieben des – letztlich einstimmig gefällten – Beschlusses pro Extraausgabe kam wegen langer Lieferfristen benötigter Bauteile jedoch auch nicht in Frage. 2024 soll die Elektrotechnik im laufenden Betrieb ins Erdgeschoss verlegt werden. Allein das kostet 600 000 Euro mehr als vorgesehen. Warum das nicht gleich einkalkuliert worden war, begründete das Rathaus in seiner Sitzungsvorlage recht allgemein mit „nicht absehbaren Gegebenheiten und neuen Erkenntnissen“.

Insgesamt verteuert sich das Betriebsgebäude von 1,2 auf 2,2 Millionen Euro. Einen Teil der Kostenexplosion machen auch allgemeine Preissteigerungen im Beton-, Tief-, Holz-, Dach- und Heizungsbau aus. Die höhere Investition dürfte in Münster in nächster Zeit zu höheren Abwassergebühren führen.

(Text: jedö)