Deutsch-deutsche Umweltpolitik im Kalten Krieg

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Vom Gewaltraum zum Naturraum – die ehemalige Grenze bei Point Alpha. (Foto: Point Alpha Stiftung)

Vortrag von Sophie Lange am 16. Oktober im Haus auf der Grenze

Verpestete Luft, versauerte Flüsse und toxische Abfälle bahnten sich ihren Weg über die innerdeutsche Grenze sowohl von Ost nach West als auch umgekehrt. Wie verhandelten die beiden deutschen Staaten über diese Umweltprobleme? Wie gingen sie damit um, zumal der Eiserne Vorhang auch ein Gewaltraum war, an dem Menschen ihr Leben verloren? Dieses spannende Thema nimmt Sophie Lange, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Erfurt, am Montag, 16. Oktober, im Haus auf der Grenze in den Fokus. Die Öffentlichkeit ist hierzu herzlich eingeladen. Beginn der Veranstaltung ist um 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Der Vortrag basiert auf Recherchen zu ihrem Buch „Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990″.

Die deutsch-deutsche Umweltpolitik war ein Mikrokosmos für die Beziehungen zwischen beiden deutschen Staaten. Sowohl die DDR als auch die Bundesrepublik sahen sich mit den zunehmenden Auswirkungen der Umweltverschmutzung konfrontiert und leiteten zu Beginn der siebziger Jahre erste Schritte zum Umweltschutz ein. Nach der Verabschiedung des Grundlagenvertrags durch die Bundesrepublik im Jahr 1972 begannen beide Staaten, sich über Umweltschutzfragen auszutauschen. Allerdings wurden diese zaghaften Anfänge aus wirtschaftlichen und politischen Gründen nicht weiterverfolgt. Der Streit um Westberlin, die Ölpreiskrise und der damit verbundene Konjunktureinbruch führten ebenfalls dazu, dass das Interesse am Umweltschutz abnahm.

Erst mit Beginn der achtziger Jahre erlebten die deutsch-deutschen Umweltverhandlungen eine Renaissance. Bei insgesamt 13 Treffen, die als „Informations- und Erfahrungsaustausch über Umweltschutz” bezeichnet wurden, wurden konkrete Umweltprobleme erörtert und in Einzelfällen Maßnahmen zur Bewältigung dieser Probleme vereinbart. Diese Treffen fanden bis zu den umwälzenden Ereignissen der Friedlichen Revolution im Jahr 1989 statt. Jedoch macht dieses glückliche Kapitel deutscher Geschichte die Bewertung der umweltpolitischen Ergebnisse schwierig. Obwohl sich die Luft- und Wasserqualität hauptsächlich durch die Stilllegung veralteter Technologien verbesserte, sind einige Umweltprobleme wie die Werraversalzung oder die Diskussionen um die Deponie Schönberg bis heute ungelöst und stellen somit gemeinsame Herausforderungen für Deutschland dar. Partner des Vortragsabends ist die Hessische Landeszentrale für politische Bildung.

Eine Anmeldung ist per E-Mail über veranstaltungen@pointalpha.com oder Telefon 06651/919030 erwünscht.

(Text: PM Point Alpha Stiftung)