Kerb Ober-Roden: Neue Orte und endlich neue Kerbborsche und Kerbmädsche

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Kerbvadder Tim Oldenburg blickte am Sonntag beim Kerbspruch humorvoll auf den vergangenen zwölf Monate zurück. (Foto: PS)

Der ein oder andere Besucher musste sich zu Kerbbeginn in Ober-Roden zumindest kurz neu orientieren. Vereinsbiergärten und Zelte rund um die Kirche, Autoscooter am Marktplatz – so sah grob die neue Anordnung aus. Die Eingewöhnungszeit fiel beim Kirchweihfestpublikum aber kurz aus.

Einen neuen Ort gab es folglich auch fürs Kerbbaumstellen und den Bieranstich durch Bürgermeister Jörg Rotter. Vor der Kirche, nicht wie früher auf dem Marktplatz, wurde die Oweräirer Kerb am Samstag offiziell eröffnet. Im vergangenen Jahr hatte das Fest noch ohne aktuellen Kerbborsche-Jahrgang auskommen müssen. Einige „Veteranen“ waren eingesprungen. Das änderte sich bei der 2023er Auflage glücklicherweise wieder. Der Optimismus beim Kerbverein, dass es in diesem Jahr wieder einen Kerbborsche-Jahrgang geben wird, war berechtigt. Genau genommen war es sogar ein Kerbborsche- und Kerbmädsche-Jahrgang. Zu den fünf Jungs gesellten sich auch noch Annika Erter und Ellen Rausch.

Eine kleine Birke wurde von der Truppe aufgestellt. In Sachen Kerbbaum hält man sich im Sinne der Nachhaltigkeit ganz bewusst zurück. 2022 hatte der Kerbverein sogar ganz auf einen (gefällten) Kerbbaum verzichtet und einen Speierling, den der Kerbverein gemeinsam mit dem Naturschutzbund ausgesucht hatte, an der „Spalt-Tablette“ eingepflanzt. Diesmal spendete der Kerbverein eine Esskastanie, die Pflanzaktion folgt in den kommenden Wochen.

Nach dem offiziellen Teil wurde kräftig gefeiert. Etwa bei der Germania und der Turngemeinde vor der Kirche, bei der Kolpingsfamilie, bei den erstmals vertretenen „Rödermarkfreunden“ oder beim Kerbverein im Dinjerhof. Im Zelt des Après-Ski-Komitees im Kirchgarten gab es auch reichlich Live-Musik.

Beim Mundartabend des Heimat- und Geschichtsvereins am Freitag, bei dem auch die Kerb ausgegraben wurde, gab es wegen eines Gewitters eine zeitliche Vezögerung. Der guten Stimmung tat dies bei der Kerbttheateraufführung des Stückes „De Borsch aus Orwisch“, wie auch bei weiteren Auftritten zuvor, keinen Abbruch. Am frühen Samstagnachmittag bekam der Kerbwald beim TG-Sportplatz, der mittlerweile 52 Exemplare umfasst, Zuwachs. Die drei neu eingepflanzten Quetschebeem sind dem Nachwuchs der Familien Reisert, Schrod und Weiland gewidmet.

Bei seinem Spruch blickte Kerbvadder Tim Oldenburg am Sonntag vorm „Mortsche“ humorvoll auf die vergangenen zwölf Monate zurück. Da war etwa der Thai-Massagen-lastige ZDF-Fernsehbeitrag über Ober-Roden vor ein paar Wochen und die Straßensanierungsarbeiten auf den Orwischer Zufahrtsstraßen. Die Vollsperrungen Richtung Eppertshausen und Offenthal waren dem Oweräirer Kerbvadder nicht genug, auch die Straßen von Urberach nach Messel und Ober-Roden müsste man schließen. „Orwisch abgeschnitten von der Außenwelt, eine Vorstellung, die mir wirklich gut gefällt.“ Weitere Kerbspruch-Themen waren die Krisen der Welt, Heizungsgesetzte und Anwohnerbeschwerden bei der Stadtranderholung.

Froh war der Kervbvadder, dass es in diesem Jahr auch Kerbmädsche gab. Tim Oldenburg war sich sogar sicher, dass man in den nächsten Jahren in Ober-Roden auch die erste Kerbmutter sehen wird.

(Text: PS)