Jügesheim: Dienstältestes Verwaltungsratsmitglied gebührend verabschiedet

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Nach 44 Jahren verabschiedete sich Lothar Mark beim Kerbgottesdienst aus dem Verwaltungsrat, von links: Yvonne Hartelt (Vorsitzende des Pfarrgemeinderats), Roland Walden (Stellvertretender Vorsitzender Verwaltungsrat), Lothar Mark, Elfriede Mark und Pater John-Peter Savarimuthu. (Foto: PS)

Den Kerbgottesdienst nutzte man in der St. Nikolaus-Kirche, um das dienstälteste Verwaltungsratsmitglied der Gemeinde gebührend zu verabschieden. Lothar Mark hört nach 44 Jahren in diesem Gremium auf.

Roland Walden wusste ganz genau, wann es mit Lothar Mark im Verwaltungsrat losging: Am 14. Dezember 1979 nahm der damals 27 jährige Banker im Schwesternhaus erstmals an einer Sitzung teil. „Erst hat er sich mal ein bisschen umgeguckt, dann ist er zunehmend eine zentrale Figur geworden“, meinte Walden, der Stellvertretender Vorsitzender des Gremiums ist, in seiner Rede über Mark. Der Verwaltungsrat habe in den vergangenen Jahrzehnten einiges auf den Weg gebracht. Als Beispiele nannte Walden den Neubau des Hauses der Begegnung und des Kindergartens sowie die Kirchenrenovierung.

„Lothar Mark zeichnete sich in den Jahren aus durch Expertise, natürlich insbesondere in wirtschaftlichen Dingen, durch Struktur und unkonventionellen Ideenreichtum“, so Roland Walden. Hinzu komme „Aufmüpfigkeit, insbesondere den Herren in Mainz gegenüber, Engagement, Kommunikation und Streitbarkeit. Alles immer zielgerichtet und fair.

Außerdem war er im Verwaltungsrat im Wesentlichen zuständig für die gute Laune. Als guter Fassenachter tritt er nun nach 4×11 Jahren aus dem Verwaltungsrat zurück“, streifte Walden ein weiteres Tätigkeitsfeld von Lothar Mark, der bekanntlich ehrenamtlich vielfältigst engagiert ist und diese Tätigkeiten nun zumindest ein wenig zurückfahren will.
Yvonne Hartelt, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, lobte ebenfalls Marks Arbeit. „Lothar Mark hat mitgewirkt, mitgebaut und viel Verantwortung übernommen“, so Hartelt, die in ihren Dank auch Ehefrau Elfriede einschloss. Die Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsrat und Pfarrgemeinderat sei immer angenehm gewesen. Gemeinsam habe man gute Ideen entwickelt und große Projekte umgesetzt. „Mit viel Herzblut und Leidenschaft hat Lothar die Arbeit tatkräftig unterstützt, viel Zeit und Kraft investiert.“

„Wenn du was ändern willst, dann musst du dich engagieren. Abhauen gilt nicht!“ Mit diesen Worten, berichtete Lothar Mark, der in den siebziger Jahren durchaus auch mal Zweifel an seiner Kirchenmitgliedschaft hatte, habe ihn der langjährige Jügesheimer Pfarrer Wendelin Meissner 1979 zur Mitarbeit in der Gemeinde aufgefordert und nachgeschoben: „Du kommst in den Verwaltungsrat! Dann wird mal geschafft, damit du mal siehst, was Kirche überhaupt ist.“ Bereut hat Mark diese Entscheidung nicht: „Jede Sitzung war eine Bereicherung. Ich bin nie dümmer heim gekommen, als ich hingegangen bin.“ Er könne jeden nur dazu ermutigen, ein Ehrenamt zu übernehmen und dies mit Freude anzugehen.

Lothar Mark hatte zu seiner Verabschiedung eine Kinderfibel mitgebracht, in der ein Fenster aus der St. Nikolaus-Kirche abgebildet ist. Der Verlag hatte bei der Gemeinde angefragt, ob er das Foto in der Fibel abdrucken darf. Mark, der die Rechte an dem Foto besitzt, gab gegen eine Spende sein Einverständnis. Das Geld kommt nun der Gemeinde zu Gute. Mark überreichte die Fibel an Yvonne Hartelt, mit einer Widmung an die Gemeinde: „Es war mir eine große Ehre und Freude zugleich, über 44 Jahre meiner Pfarrgemeinde zu dienen.“
Zu Beginn des Kerbgottesdienstes waren Vereinsvertreter mit Fahnen der Ortsvereine, bzw. dessen Vorgängervereinen in die Kirche eingezogen. Erstmals war auch die Fahne der früheren Sportvereinigung Weiskirchen (jetzt SKG) mit dabei. In seiner Predigt hatte Pater John-Peter Savarimuthu unter der Überschrift „Should I Stay or Should I Go” die vielen Kirchenaustritte thematisiert. Savarimuthu plädierte dafür, in der Kirche zu bleiben, unter anderem weil sie ein wichtiger Ort der Begegnung sei.

Lothar Mark hatte am Samstag nach dem Gottesdienst zu einem Umtrunk ins Heimatmuseum eingeladen. Das Heimatmuseum war das Zentrum der Giesemer Kerb, unter anderem am Sonntag beim Frühschoppen mit Weißwurst und Gugiknacker. Am Nachmittag brachten die Gugisheimer den Kerbkuchen in den Museumshof. Neben der Kirche war auch ein kleiner Vergnügungspark aufgebaut.

(Text: PS)