Neues Münsterer Gewerbegebiet wird größer

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Aus dem verlassenen Frankenbach-Gelände soll Münsters nächstes Gewerbegebiet werden. Im Herbst könnten die Gebäude abgerissen werden. Durch einen Grundstücks-Zukauf wird das Areal auf vier Hektar erweitert. (Foto: jedö)

„Nach außen hin wirkt das zäh“, gibt Münsters Bürgermeister Joachim Schledt (parteilos) zu. Schon im Dezember 2015 stellten die Gemeindevertreter der Gersprenz-Kommune den Bebauungsplan für das Frankenbach-Gelände auf. Fast acht Jahre und eine markante Richtungsänderung später hat dort, wo der gleichnamige Logistiker einst Autos umschlug, noch immer keine Entwicklung stattgefunden. Doch es gibt Neues: Im Herbst könnte der Abriss der Gebäude beginnen und den nächsten Schritt gen neuem Münsterer Gewerbegebiet markieren. Zudem wird das Areals rund ein Fünftel größer.

Das Frankenbach-Gelände umfasst 33.000 Quadratmeter. In Kooperation mit der Hessischen Landgesellschaft hat sich die Gemeinde Münster nun aber auch noch ein 7.000 Quadratmeter großes Grundstück gesichert, das sich südlich des Areals – Richtung Edeka-Markt – anschließt. Zur Entwicklung stehen nun also vier Hektar Land zur Verfügung.
Hinter den Kulissen laufen derzeit „administrative und planungsrechtliche Dinge“, wie Schledt sagt. Der Rathaus-Chef verhehlt nicht, dass auch er das Projekt gern schneller umgesetzt sähe, gerade weil das im Pro-Kopf-Verhältnis bei der Gewerbesteuer schwach aufgestellte Münster jede Firmenansiedlung gut gebrauchen kann. Schledt kann aber auch ein Lied davon singen, dass vermeintliche Routineangelegenheiten Monate fressen können: Das Erlangen der Abrissgenehmigung sei solch eine Aufgabe, „und auch die Ausschreibung des Abrisses dauert dann wieder“. Jetzt habe er Hoffnung, dass der Abriss auf der Gewerbebrache „im Herbst beginnen könnte, aber versprechen will ich das nicht“.

Wenn die Frankenbach-Baracken dem Erdboden gleichgemacht sind, könne eben dieser genauer untersucht werden, schaut der Bürgermeister voraus. Dann komme auch „ein Vorfühlen im Markt, wer Interesse hat“, an die Reihe. „In meiner Fantasie werden wir keine Schwierigkeiten haben, die Fläche zu vermarkten“, sagt Schledt aber. Die Prognose fällt auch deshalb leicht, weil bereits Investoren und Unternehmen ihr Interesse bei der Gemeinde hinterlegt haben, obgleich noch im völlig unverbindlichen Stadium. Bisher hat Münster weder grundsätzlich festgelegt, ob es das Frankenbach-Gelände als Ganzes an nur einen dicken Fisch oder an mehrere kleine Betriebe vermarkten will, noch hat man sich gar konkret auf potenzielle Gewerbezugänge festgelegt. „Die Entscheidung, welche Unternehmen wir auswählen, sehe ich im Gemeindevorstand“, so Schledt. Denkbar allerdings, dass im Vorfeld dieser für den Wirtschaftsstandort Münster wichtigen Beschlüsse auch die Gemeindevertreter auf eine gewisse Mitsprache pochen werden.

Als der Bebauungsplan einst unter SPD-ALMA-Mehrheit und SPD-Bürgermeister Gerald Frank aufgestellt wurde, sollte das Areal noch zum Mischgebiet entwickelt werden. Aus dem zunächst angedachten mehrgeschossigen Wohnungsbau, womöglich plus Pflegeheim, Kita und „Handwerker-Hof“ (das alles als vorbildhafte „Energie-Plus-Siedlung“, die mehr Energie erzeugt als verbraucht) ist nun ein reines Gewerbegebiet geworden.

Ein fast reines, wie Schledt – der hier inhaltlich d’accord mit der Position der nun die Mehrheit stellenden CDU und FDP geht -, betont: „Ein Kindergarten oder Seniorenpflege ist auf dem Frankenbach-Gelände noch Thema.“ Dies biete sich allein deshalb an, weil eine solche Sozialnutzung baulich einen Puffer zwischen der bestehenden Wohnbebauung und dem neuen Gewerbe bilden könnte. Gerade für die nur wenige Meter weiter interimsweise im Hallenbad untergebrachte Kita „Sonnenblume“ braucht die Gemeinde in absehbarer Zeit ohnehin eine Dauerlösung.

(Text: jedö)