DJK Münster ist neuer Stützpunkt des Vereins PingPongParkinson Deutschland

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Harry Wißler (l.) ist einer der Gründer von PingPongParkinson Deutschland, Wendelin Schmidt (r.) selbst an Parkinson erkrankt. Das neue Trainingsangebot der DJK Münster leitet Karina Beck, die hier das Showmatch zum Projektstart im Rahmen des DJK-Familientags beobachtet. (Foto: jedö)

Tischtennis wird bei der DJK Blau-Weiß Münster seit Jahrzehnten gespielt. Doch das, was ab sofort jeden Mittwoch von 11 bis 12.30 Uhr in der Vereinshalle an der Heinrich-Heine-Straße stattfindet, hat es dort bislang nicht gegeben: Die DJK ist neuer Stützpunkt des Vereins PingPongParkinson Deutschland und zugleich der erste seiner Art im Ostkreis Darmstadt-Dieburg. Unter der Leitung von Trainerin Karina Beck können jetzt einmal wöchentlich Parkinson-Patienten den Rückschlag-Sport in Münster ausüben – und der Krankheit so buchstäblich etwas entgegenschmettern.

Im Rahmen des DJK-Familientags stellten die beiden beteiligten Vereine das Projekt vor. Unter anderem bei einem kurzen Showmatch mit Harry Wißler und Wendelin Schmidt: Wißler ist einer der Gründer von PingPongParkinson Deutschland und nun Bevollmächtigter des in Nordhorn (Niedersachsen) ansässigen Vereins. Schmidt ist an Parkinson erkrankt – was an der Platte kaum zu sehen war. Und unter anderem durch regelmäßiges Tischtennisspielen auch im Alltag möglichst geringe Auswirkungen haben soll.

Den Ansatz des 2020 gegründeten Vereins PingPongParkinson erläuterte Bianca Wilferth, aktive Spielerin und Tischtennis-Abteilungsleiterin der DJK Blau-Weiß. „Ziel ist es, Menschen mit Parkinson und auch deren Angehörige zu unterstützen, die Erkrankten zum Tischtennis spielen zu motivieren und einer häuslichen Selbstisolation entgegenzuwirken“, zählte sie auf. Längst nicht der ganze Nutzen, den sich die Macher des Angebots erhoffen: „Tischtennis fördert unter anderem die Motorik, die Beweglichkeit und das Reaktionsvermögen“, so Wilferth. Teilnehmer an schon länger existierenden Stützpunkten hätten „von positiven Veränderungen durch die Teilnahme am Tischtennis-Training berichtet“.

Im gesamten Landkreis gibt es bereits einen weiteren Stützpunkt in Griesheim, in der näheren Umgebung auch einen in Dietzenbach. Tischtennis sei „ein Sport ohne Grenzen“, betont Wilferth, für Männer wie Frauen, mit und ohne Handicap. Das Parkinson-Training sei „auch für Einsteiger geeignet“. Wichtig sei neben den sportlichen Anforderungen, dass man „Teil einer Gemeinschaft, die sich regelmäßig trifft“, werde.

Auch Trainerin Karina Beck, die aus den Niederlanden stammt, seit zwölf Jahren in Deutschland lebt und für die DJK Münster aufläuft, blickt dem neuen Trainingsangebot positiv entgegen: „Ich glaube, es gibt auch bei dieser Krankheit Türen, die sich wieder öffnen können. Daran werde ich mitarbeiten.“ In ihrem Heimatland arbeitete Beck bereits mit beeinträchtigten Menschen zusammen. Geworben hat die DJK in Arztpraxen, Physiotherapien, Apotheken und Selbsthilfegruppen. Beck wird für die wöchentliche Einheit von den Blau-Weißen bezahlt; Interessenten können zunächst mehrmals kostenlos ins Training schnuppern, ehe sie bei dauerhafter Teilnahme selbst DJK-Mitglied würden.

PingPongParkinson hat in seinem Leitbild definiert, was den Verein antreibt: Seine Initiatoren wüssten „aus eigener Erfahrung, was die Diagnose Parkinson an Ängsten und Befürchtungen auslöst und wie häufig sich die Betroffenen mit der Situation überfordert fühlen“. Viele Symptome führten dazu, dass sich Erkrankte über kurz oder lang aus der Öffentlichkeit zurückzögen. Mit dem Verein wolle man „ermutigen, ein sichtbarer Teil der Gesellschaft zu bleiben und aktiv und offen mit der Diagnose Parkinson umzugehen“. Ein prominentes Ehrenmitglied aus Münster hat PingPongParkinson übrigens auch: der Ur-DJKler Jörg Roßkopf, Doppel-Weltmeister von 1989 und amtierender Männer-Bundestrainer.

(Text: jedö)