Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet voran

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Minddistrict ist ein Programm, das Patientinnen und Patientin der Asklepios Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Langen kostenfrei zur Verfügung steht und das bisherige Therapieangebot um ein wirkungsvolles Element ergänzt. (Foto: Asklepios)

Asklepios Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Langen nutzt  Online-Therapie-System “Minddistrict”

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet voran und auch für die Betroffenen von psychischen Erkrankungen entstehen dadurch neue Möglichkeiten und Chancen. So existieren in Form von Online-Therapie-System wirksame psychotherapeutische Interventionen, die in Kombinationen mit herkömmlichen Behandlungsmöglichkeiten bei seelischen Belastungen wirksame Unterstützung bieten können.

Minddistrict ist ein solches Programm, das Patientinnen und Patientin der Asklepios Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Langen kostenfrei zur Verfügung steht und das bisherige Therapieangebot um ein wirkungsvolles Element ergänzt. Minddistrict ist eine datensichere, flexible und nutzerfreundliche E-Mental-Health-Plattform. Zur digitalen Unterstützung von Psychotherapie bietet Minddistrict umfangreiche Online-Interventionen, Tagebücher und Fragebögen. Die Kommunikation kann durch eine Kombination aus persönlichen Gesprächen vor Ort, Online-Feedbacks, Chat-Nachrichten und KBV-zertifizierten Videogesprächen gestaltet werden. In Langen wird Minddistrict im stationären sowie ambulanten Kontext von sowohl therapeutischen, als auch pflegenden Kolleg:innen ergänzend zur konventionellen Behandlung eingesetzt.

Flexibilität im Einsatz
Marti Pacurar (Foto: Asklepios)

„Das Besondere an Minddistrict ist die Flexibilität im Einsatz“ erläutert Marti Pacurar, der leitende Psychologe der Klinik. „Nutzerinnen und Nutzer können auf die therapeutischen Angebote im System zu jedem Zeitpunkt zugreifen und diese im eigenen Tempo bearbeiten. Gerade zu Zeiten, in denen keine therapeutischen Präsenzangebote in der Klinik stattfinden, kann so weiterhin psychotherapeutischer Fortschritt erzielt werden“. Somit eigne sich Minddistrict gerade für all jene, die gerne in Form von Selbsthilfe noch über die in der Klinik angebotenen Behandlungsmöglichkeiten an ihrer Genesung arbeiten wollen.

Dabei bietet Minddistrict in Form sogenannter Module sowohl therapeutische Inhalte zu speziellen Erkrankungen wie Depressionen, Abhängigkeitserkrankungen oder der generalisierten Angststörung, als auch Unterstützungsangebote bei speziellen Problembereichen an. Beispiele dafür sind etwa Interventionen zum Abbau von übermäßigen Grübeln, Hilfe bei Schlafproblemen oder ein Training zum Umgang mit negativen Emotionen. Jedes Modul besteht im Detail aus verschiedenen Bausteinen wie Übungen, Videos, Infomaterialien und Tagebüchern, die von PsychologInnen entworfen und wissenschaftlich geprüft sind. Dabei werden strenge Datenschutzvorkehrungen eingehalten und es besteht keinerlei Verpflichtung, das Angebot bei einer Behandlung in der Langener Klinik zu nutzen. Patientinnen und Patienten könnten sich auch weiterhin bewusst dazu entscheiden, ausschließlich auf die rein „analogen“ Behandlungsmöglichkeiten der Klinik wie psychotherapeutische Einzel- und Gruppengespräche oder Angebote der Ergo- und Bewegungstherapie zurückzugreifen, betont Pacurar. „Minddistrict ist ein zusätzlicher therapeutischer Baustein, den wir gerne anbieten und der gerade das psychotherapeutische Einzelgespräch sehr gut ergänzt, der sich aber auf die übrigen Angebote nicht auswirkt“. Das Feedback der PatientInnen und Patienten auf das digitale Angebot sei sehr positiv, insbesondere da die erarbeiteten Inhalte auf der Plattform auch nach der Entlassung aus der Klinik erhalten blieben und so Betroffene auch um Alltag immer wieder darauf zugreifen könnten.

Psychotherapie mit in den Alltag nehmen

Während des Aufenthaltes können Patientinnen und Patienten sowohl auf den verschiedenen Stationen als auch in den Tageskliniken Minddistrict mittels des kostenfreien Klinik-W-Lans entweder auf ihrem mobilen Endgerät nutzen oder sich ein Tablet ausleihen, welches für die Minddistrict-Nutzung von der Klinik angeboten wird. Teilstationären und ambulanten PatientInnen steht die Nutzung von Minddistrict auch zuhause und in Therapiepausen zur Verfügung. „Gerade für Menschen, die bei uns ambulant behandelt werden, bietet Minddistrict so eine mächtige Möglichkeit, die Psychotherapie mit in den Alltag zu nehmen und in den Gesprächen mit den jeweiligen BehandlerInnen nachzubesprechen und zu vertiefen“ weiß Pacurar.

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in langen arbeitet auch weiterhin an der Weiterentwicklung ihres Angebotes rund um Minddistrict. So fand kürzlich die Einführung des Systems auf der Entzugsstation für Alkohol und illegale Drogen statt und eine Arbeitsgruppe erarbeitet aktuell Konzepte, um Minddistrict auch im gerontopsychiatrischen Bereich für ältere Menschen gewinnbringend nutzbar zu machen.

(Text: PM LPR)