Nach 14 Jahren: Altheimer Lädchen öffnet am 17. Juni letztmals

209
„Ich werde heulen wie ein Schlosshund“: Am 17. Juni öffnet Felicitas Lauszat letztmals das Altheimer Lädchen. Die Regale leeren sich zusehends. (Foto: jedö)

Im Frühjahr berichteten wir über den Entschluss von Felicitas Lauszat, das Altheimer Lädchen im Sommer nach 14 Jahren unter ihrer Regie zu schließen. Nächsten Samstag, am 17. Juni, wird die Kauffrau das einzige Lebensmittelgeschäft im Münsterer Ortsteil letztmals öffnen. Im selben Zug stellt sich die Frage, ob die 2.600 Altheimer künftig für jeden noch so kleinen Einkauf nach Münster oder Dieburg fahren müssen.

„Ich werde heulen wie ein Schlosshund“, weiß Lauszat bereits zwei Wochen vor dem traurigen Tag. Der 63-Jährigen tut der Abschied weh, besonders wegen liebgewonnener Kunden. „Gerade die Alten und die Kinder – wo sollen die denn jetzt hin?“, fragt die Unternehmerin.

Seit 2009 führt sie das Lädchen in der Kirchstraße, hat Post- und Lotto-Annahmestelle integriert, verkauft Waren der Babenhäuser Bäckerei Lautenschläger, erfüllt auf Bestellung Sonderwünsche von Einzelpersonen und Vereinen. Vor wenigen Jahren investierte sie mithilfe von EU-Fördermitteln in Kühltruhen und -schränke, die weniger Strom verbrauchen.

Aller Einsatz, alle Ideen halfen nur bedingt

In jüngerer Vergangenheit standen Kosten und Ertrag in keinem betriebswirtschaftlich sinnvollen Verhältnis mehr. Noch immer lägen allein die monatlichen Ausgaben für Strom bei mehr als 1 000 Euro, rechnet Lauszat vor. „Mit Miete, Nebenkosten, Personal und Versicherungen summiert es sich im Monat auf 4 000 Euro – und da hab ich noch keine Ware eingekauft.“ Man kann sich vorstellen, dass der Monatsumsatz deutlich in den fünfstelligen Bereich gehen muss, damit auch der Inhaberin am Ende etwas zum Leben bleibt. Was die Einkäufe der lokalen Bevölkerung unterm Strich aber nicht mehr hergaben.

Trotz einiger Fragezeichen hat sich Lauszat deshalb zum Aus nach fast anderthalb Jahrzehnten entschieden. Theoretisch könnte sie nun in Rente gehen, „ich habe meine Beitragsjahre voll“, sagt sie. Aber: „Ich muss noch gucken, wie ich hier finanziell rauskomme, ob ich zum Beispiel Käufer für meine Regale finde.“ Der Kredit, den sie für die neuen Kühlgeräte aufgenommen habe, sei noch nicht abbezahlt. „Aus der Rente könnte ich den nicht bedienen. Wenn ich hier also nicht mit einer Null rausgehe, muss ich noch irgendwo weiterarbeiten. Das hatte ich mir natürlich auch mal anders vorgestellt.“

Laden als sozialer Treffpunkt

Immer wieder macht Felicitas Lauszat indes deutlich, dass sie das Ende des Altheimer Lädchens weniger wegen ihrer eigenen Zukunft berühre als wegen der mancher Kunden. „Jeden Morgen hat sich bei mir eine Kaffeerunde älterer Frauen getroffen. Auch sonst war der Laden ein sozialer Treffpunkt, eine Anlaufstelle für Gespräche. Und die Kinder: Wo sollen die jetzt ihre Kaugummis und ihr Eis kaufen?“ Eine Antwort darauf gibt es noch nicht. Nahtlos weiter geht es im Altheimer Lädchen nach dem 17. Juni definitiv nicht. Lauszat berichtet zwar, dass ihr Lebensmittel-Lieferant mal über die Schaffung eines Hybridladens – überwiegend mit Selbstbedienung, zu bestimmten Zeiten aber auch mit Personal vor Ort – befasst habe, dies wegen nötiger Investitionen von 18 000 Euro jedoch nicht weiterverfolgt habe.

Münsters Bürgermeister Joachim Schledt (parteilos) ist die anstehende Verschlechterung der Nahversorgung in Altheim seit Monaten ebenfalls bekannt und bewusst. Man merkt dem Verwaltungschef an: Schledt würde gern an einer Lösung mitwirken, und das Rathaus hat auch schon Energie ins Thema gesteckt; zugleich will er keine falschen Hoffnungen auf die schnelle Schaffung eines neuen Markts im Ortsteil hegen. Sein Statement zum vorläufigen Ende des Altheimer Lädchens und zu den Perspektiven fällt dann auch recht allgemein aus: „Die Wirtschaftsförderung und ich sind sehr aktiv im Prozess der Suche nach einer Nachfolge fürs Altheimer Lädchen.“ Letztlich stelle sich „jeder potenzielle Interessent die Frage, ob das Einkaufsverhalten in Altheim das unternehmerische Risiko, einen Laden zu eröffnen, rechtfertigt“. Bislang riskiert derlei noch niemand.

(Text: jedö)