Gesundheitsamt Frankfurt bringt Menschen zusammen

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Teilnehmenden des Malkurses des Pilotprojekts „Kunst gegen Einsamkeit“. (Foto: Gesundheitsamt Stadt Frankfurt am Main)

Pilotprojekt Kunst gegen Einsamkeit zeigt erste Erfolge

Kann Kunst gegen Einsamkeit helfen? Sie kann: Das Gesundheitsamt Frankfurt hat Menschen, die sich einsam fühlen, im Rahmen des Pilotprojekts „COPE – Culture On Prescription in Europe“ aufgerufen, sich für ein Kultur-Rezept zu bewerben. Rund 100 Interessierte haben sich gemeldet, im März wurden jeweils zehn Kultur-Rezepte für einen Mal- und für einen Theaterkurs ausgestellt. Und darüber hinaus Termine für Gruppenführungen im Städel, Führungen und Filmworkshop im Deutschen Filmmuseum, Besuch und Gespräch bei der Dresden Frankfurt Dance Company und vieles mehr verschrieben. Am Donnerstag, 4. Mai, endet der Malkurs, bei dem sich die Teilnehmenden unter der Anleitung des Kunsttherapeuten Andreas Hett zehn Mal trafen, mit einer Ausstellung ihrer im Kurs entstandenen Werke. Und die Initiatoren des Gesundheitsamts können eine erste positive Bilanz des COPE-Projekts ziehen.

„Viele, die anfangs dachten, nichts zu Papier bringen zu können, haben durch die professionelle Anleitung von Andreas Hett tolle Werke kreiert“, sagt Katharina Popp. Matthias Roos ergänzt: „Die Gruppe ist mehr und mehr zusammengewachsen, es haben sich sogar Freundschaften entwickelt. Einige Teilnehmende treffen sich auch außerhalb des Kurses zum Mittagessen oder für einen Besuch im Palmengarten – das ist wirklich eine tolle Entwicklung.“

Kurzes Vorab-Screening

Dass die Interessierten bei ihrer Bewerbung nachweislich einsam waren, hat Nora Hauschild, Psychologin und Kollegin von Katharina Popp und Matthias Roos, getestet. Zunächst durchliefen alle Interessenten ein kurzes Vorab-Screening und beantworteten einen Bogen mit drei Fragen zum Grad der Einsamkeit, etwa „Wie oft haben Sie das Gefühl, dass Ihnen Geselligkeit fehlt?“, und weiteren offenen Fragen. Nach dem Screening wurden rund 35 der insgesamt 100 Interessierten zu Einzelgesprächen ins Gesundheitsamt eingeladen, die jüngsten unter ihnen Ende 20, der Großteil zwischen 40 und 70 Jahre alt. Rund anderthalb Stunden nahm sich Hauschild für jede Einzelne und jeden Einzelnen Zeit, um zu testen, wie es um das persönliche Einsamkeitsgefühl steht. Als Hilfsmittel diente Hauschild unter anderem die validierte deutsche Version der Loneliness Scale der University of California Los Angeles. Seitens der Befragten sei die Resonanz auf die Gespräche durchweg positiv gewesen.

„COPE zielt darauf ab, Menschen zusammenbringen, die mehrheitlich allein leben, nur wenige soziale Kontakte haben und sich einsam fühlen“, erklärt Dr. Christiane Schlang, Leiterin der Abteilung Psychiatrie im Gesundheitsamt. Wie viele Menschen von Einsamkeit betroffen sind, belegen aktuelle Zahlen: Mehr als 75 Millionen Europäerinnen und Europäer treffen sich höchstens einmal im Monat mit Familie oder Freundinnen und Freunden, etwa 30 Millionen fühlen sich regelmäßig einsam. „Ich freue mich sehr, dass unser Kulturrezept so gut ankommt und noch mehr, dass sich bereits jetzt so positive Effekte bei den Teilnehmenden zeigen. Mit COPE erreichen wir einsame Menschen direkt und tragen dazu bei, ihre seelische Gesundheit zu fördern“, sagt Dr. Peter Tinnemann, Leiter des Gesundheitsamts.

„COPE – Culture On Prescription“ wurde von Matthias Roos, Psychologe im Gesundheitsamt Frankfurt, und dem ISIS Institut für Soziale Infrastruktur erdacht, das Projekt hat Partner in Dublin, Bukarest, Gouda, Lissabon und Brüssel. Es hat eine Laufzeit von 27 Monaten (1. Januar 2022 bis 31. März 2024) und wird vom Erasmus+ Förderprogramm der Europäischen Union unterstützt. Ziel des Projekts ist es, Menschen, die unter Einsamkeit leiden, zu unterstützen und gleichzeitig zu untersuchen, inwieweit Einsamkeit und soziale Isolation durch neu entwickelte Kunst- und Kulturprogramme entgegengewirkt werden kann.

Nähere Informationen zum EU-Projekt finden sich unter COPE – Culture on Prescription in Europe und culture-on-prescription.eu.

(Text: PM Gesundheitsamt Frankfurt)