Dank „Park45“: Gewerbesteuer-Rekord in Eppertshausen

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Auch mehrere Fachmärkte sitzen im Eppertshäuser „Park45“ und sind dort ein Kundenmagnet. (Foto: jedö)

Alle Topzahler sitzen im neuen Gewerbegebiet

Als Carsten Helfmann (CDU) vor 20 Jahren erstmals zum Rathaus-Chef in Eppertshausen gewählt wurde, nahm die Gemeinde kaum mehr als eine halbe Million Euro Gewerbesteuer ein. Zwei Jahrzehnte später hat die Kommune einen neuen Rekord aufgestellt: 2022 vereinnahmte Eppertshausen aus dieser Steuerart exakt 4.021.563 Euro, mehr als je zuvor binnen eines Jahres. Verantwortlich für den Höchstwert waren die Zahlungen von 134 Firmen – besonders jenen aus dem Gewerbegebiet „Park45“.

Das ist im Vergleich mit den Gebieten West, Ost 1 und Ost 2 inzwischen zwar mit Abstand das größte, 16 Jahre nach der Besiedlung durch das erste Unternehmen (damals zog die Firma Hauser von Dieburg nach Eppertshausen) aber auch das jüngste Gewerbegebiet. Und doch längst maßgeblich an der guten Entwicklung der Gewerbesteuer im 6 300-Einwohner-Ort beteiligt. Helfmann hat auf Bitte unserer Zeitung ausgewertet, wo das Geld dieser Ertragsquelle im vergangenen Jahr hergekommen ist. Teil der Antwort: zu zwei Dritteln von Firmen aus dem Park45.

134 Firmen zahlen

Dies bezieht sich auf die regulären Zahlungen, die vergangenes Jahr 3.339.476 Euro betrugen und durch Nachzahlungen für die Jahre 2021 und früher erstmals die Vier-Millionen-Marke übersprangen. Von den regulären Zahlungen entrichteten 29 Firmen aus dem Park45 zusammen eine Gewerbesteuer von 2.230.000 Euro. 2022 zahlten insgesamt 134 Eppertshäuser Firmen Gewerbesteuer.

Die überproportionale Bedeutung von Firmen aus dem Park45 zeigt auch eine weitere Statistik: Laut Helfmann sitzen die aktuell fünf größten Eppertshäuser Gewerbesteuer-Zahler allesamt in jenem Gewerbepark, der nach der benachbarten Bundesstraße 45 benannt ist. Was umso erstaunlicher ist, weil zwei der nach Mitarbeiterzahl größten Unternehmen (Habasit und Cosmetic Service) nicht im Park45, sondern im Gewerbegebiet Ost heimisch sind. Womöglich sind diese Firmen aber unter den Top Ten: Drei der zehn größten Gewerbesteuer-Zahler sitzen Helfmanns Aufstellung zufolge nicht im Park45.

Von den 1,1 Millionen Euro Gewerbesteuer, die nicht aus dem Park45 kommen, entfallen 300 000 Euro auf elf Firmen im Gewerbegebiet Ost, 275.000 Euro auf 22 Firmen im Gewerbegebiet West und 540.000 Euro auf 72 Firmen im restlichen Ortsgebiet. Eine Firma aus dem Park45, die Helfmann aus Datenschutz-Gründen nicht nennen darf, hat 2022 mehr als 500.000 Euro entrichtet und ist damit der Topzahler. Zwei Firmen haben mehr als 250.000 Euro bezahlt, ein weiteres Unternehmen mehr als 150.000 Euro. Die meisten Firmen – 68 der 134 – haben 2022 weniger als 5.000 Euro Gewerbesteuer bezahlt.
Obwohl die Top Five immerhin 48 Prozent der Gesamtsumme zahlen, ist die Gemeinde damit nicht allzu extrem von einem riesigen oder wenigen sehr großen Gewerbesteuer-Zahlern abhängig. „Das war schon mal anders“, blickt Helfmann zurück. Es habe in Eppertshausen eine Zeit gegeben, in der ein Unternehmen für rund zwei Drittel der Gewerbesteuer-Einnahmen verantwortlich gezeichnet habe.

Freiwillige Leistungen dank hoher Steuereinnahmen

Der gute Ertrag bei dieser Steuerart – beispielsweise mehr als in der doppelt so großen Nachbargemeinde Münster – ermöglicht Eppertshausen unter anderem eine Reihe an freiwilligen Leistungen wie die kostenlose Bereitstellung von Bürgerhalle und Sportzentrum für die Vereine. Wobei man verstehen muss, dass die Gemeinde über die Gewerbesteuer- und Heimatumlage sowie eine höhere Berechnungsgrundlage für die Kreisumlage rund drei Viertel der vereinnahmten Gewerbesteuer wieder verliert. Kaum 25 Prozent davon darf sie behalten und für kommunale Zwecke verwenden. Zudem führt eine höhere Gewerbesteuer zu niedrigeren Schlüsselzuweisungen, was indirekt noch mal ein paar Prozent abzwackt.

Fürs Haushaltsjahr 2023 rechnet Eppertshausen mit regulären Gewerbesteuer-Erträgen von 3,6 Millionen Euro. Die Steigerung gegenüber den regulären Einnahmen des Vorjahrs (ohne Berücksichtigung der kaum kalkulierbaren Nachzahlungen) ist vor allem auf eine Steigerung des Gewerbesteuer-Hebesatzes von 357 auf 380 Punkte zurückzuführen, die die Gemeindevertretung vor wenigen Monaten beschlossen hat.

(Text: jedö)