Rodgauer „Baggerseepiraten“ mit gelungenem Start in den Ligapokal

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"Comebacker“ Ketil Horn. (Foto: HSG Rodgau Nieder-Roden)

Die HSG Rodgau Nieder-Roden bezwingt den Stralsunder HV dank einer über weite Strecken sehr ordentlichen Leistung mit 34:28

Am Tag, als die Rhein-Neckar Löwen die SG Flensburg-Handewitt beim erstmals in Köln ausgetragenen Final-Four-Turnier um den DHB-Pokal mit 38:31 aus der Halle geschossen haben und der SC Magdeburg durch ein 33:31 über den TBV Lemgo Lippe ebenfalls ins Endspiel eingezogen ist, haben auch die „Baggerseepiraten“ Kurs auf die Lanxess-Arena genommen. Okay, das ist jetzt vielleicht ein Ideechen zu euphorisch formuliert, aber Fakt ist, dass die Rodgauer Drittliga-Handballer dank eines verdienten 34:28-Erfolgs über den Stralsunder HV die erste Hürde auf dem Weg in den DHB-Pokal der nächsten Saison genommen haben.

Dabei sah es zu Beginn gar nicht nach einem ungefährdeten Sieg für die Jungs von Trainer Jan Redmann aus. Denn vor 325 Zuschauern in der Rodaustrom Sportarena erwischte die Mannschaft von der Ostsee trotz ihrer fast 800 Kilometer langen Anreise den deutlich besseren Start und lag 0:3 in Front, ehe Henning Schopper in der 4. Spielminute per Siebenmeter das erste Tor für die Gastgeber erzielen konnte. Doch die hatten auch in der Folgezeit „große Probleme mit den spielstarken Gästen“, wie Trainer Redmann nach der Partie einräumte. Vor allem den wurfgewaltigen Rechtshalben Mykyta Chernakow bekam die HSG-Defensive zunächst nicht in den Griff, und weil auch im Angriff reichlich Sand im Rodgauer Getriebe war, geriet das Heimteam nach 14 Minuten mit 4:7 ins Hintertreffen.

Der Rückstand hätte noch größer sein können, wenn nicht HSG-Torhüter Marco Rhein wieder einige freie Würfe des Gegners sensationell entschärft hätte. Diese Paraden schienen die Vorderleute des Kapitäns zu inspirieren, denn im weiteren Verlauf stellten sie sich zunehmend besser auf das Aushängeschild des größten Handballvereins Mecklenburg-Vorpommerns ein. Hinten stand vor allem Philipp Keller wie ein Fels in der Brandung und blockte so manchen Wurf der Stralsunder Angreifer ab, während vorne Schopper seine Mitspieler immer wieder mit klugen Anspielen glänzend in Szene setzte. Die Folge: Beim 8:7 (18.) durch Filip Brühl hatten die „Redmänner“ erstmals die Nase vorn, und drei Minuten später war der Jubel der heimischen Fans besonders groß, erzielte doch Ketil Horn mit dem 9:8 sein erstes Tor nach monatelanger verletzungsbedingter Leidenszeit. Stralsund blieb aber dran, und erst dank eines Doppelpacks von Horn und Schopper setzte sich die HSG zur Halbzeit auf 15:13 ab. „Wir haben uns nach der nicht so gelungenen Anfangsphase prima in das Spiel reingekämpft und ab der 15. Spielminute auf einem guten Niveau agiert“, lautete das Fazit Jan Redmanns nach den ersten 30 Ligapokal-Minuten.

Nach dem Seitenwechsel sahen sich seine Schützlinge zunächst mit einer sehr offensiven Deckung der Gäste konfrontiert, die ihnen aber nur in den ersten zwei, drei Angriffen Kopfzerbrechen bereitete. In die Karten spielte den Rodgauern dann, dass Stralsunds kroatischer Abwehrchef Matej Sagij nach der dritten Zwei-Minuten-Strafe die Rote Karte erhielt und die nur mit zehn Feldspielern angereisten Gäste somit personell zusätzlich geschwächt waren. Das nutzten die HSG-Cracks in der Folgezeit geschickt aus, wobei vor allem der zwölfmal erfolgreiche Linksaußen Filip Brühl seine Vollstrecker-Qualitäten unter Beweis stellte. Aber auch Kreisläufer Florian Stenger profitierte bei seinen sechs Treffern von klasse Anspielen Schoppers und Horns, der im Laufe der Partie immer besser in die Gänge kam. Beim 23:17 (42.) schien die Vorentscheidung zugunsten der Rodgauer Torjäger gefallen zu sein, doch weil ihnen danach einige Fehlpässe unterliefen und sie über den Mittelblock zu einfache Gegentore kassierten, konnte Stralsund auf 27:23 (49.) verkürzen. Näher kam der Tabellendritte der Staffel Nord indes nicht mehr heran, weil die „Baggerseepiraten“ danach wieder konzentrierter agierten und sich auch von der Variante „Siebter Feldspieler“ nicht überraschen ließen.

„Der Sieg der Rodgauer war verdient, weil sie cleverer gespielt und wir zu viele Fehler gemacht haben“, zeigte sich der aus Groß-Gerau stammende Gäste-Trainer Steffen Fischer nach dem fairen Duell als ein ebensolcher Verlierer. Das sah auch Jan Redmann so, der sich zudem einerseits „unglaublich“ darüber freute, „dass Ketil wieder auf dem Feld steht“, und andererseits ein pauschales Lob an seinen breiten Kader verteilte: „Alle ziehen trotz der Zusatzbelastung durch den Ligapokal uneingeschränkt mit und machen im Training und Spiel einen super Job.“

Das wird auch am kommenden Samstag, 22. April, vonnöten sein, denn dann gastieren die „Redmänner“ ab 19 Uhr bei den Bergischen Panthern, dem Tabellenvierten der West-Staffel. Und soll der Traum von der Qualifikation für die 1. Hauptrunde im DHB-Pokal und die Hoffnung, dort einen dicken Fisch (sprich: einen Zweitligisten) aus dem Lostopf zu ziehen, keinen unerquicklichen Dämpfer erhalten, sollten die „Baggerseepiraten“ auch aus Burscheid etwas Zählbares mitbringen.

Es spielten gegen Stralsund: Marco Rhein (TW/1), Philipp Bludau (TW), Philipp Keller, Simon Brandt (1), Henning Schopper (7/2), Jonas Markert, Florian Stenger (6), Niklas Roth, Philip Wunderlich, Johannes von der Au (1), Ketil Horn (4), Benedikt Gräsl (2), Filip Brühl (12), Maarten Broschek und David Wucherpfennig.

(Text: PM HSG Rodgau Nieder-Roden)