Wasser für die Landwirtschaft im Hochtaunuskreis

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Wasserreservoir im Hochtaunuskreis. (Foto: Hochtaunuskreis)

Durch die mit dem Klimawandel einhergehenden oft trockenen Sommermonate in den vergangenen Jahren wird nicht nur das kühle Nass im Privatgarten knapp. Viele Landwirte kämpfen darum, ausreichend Wasser für die Produktion von Obst, Gemüse, Getreide und Zuckerrüben zu erhalten – dabei haben regionale Lebensmittel einen hohen Stellenwert! Die Ökomodell-Region Rhein-Main, zu Hause im Amt für den ländlichen Raum des Hochtaunuskreises, nimmt sich dieser Problematik an. Wissen und Information ist der erste Schritt zum Handeln. In einer Onlineveranstaltung zum Thema „Jeder Tropfen zählt – Wasserrechte und Speicherung in Zeiten des Klimawandels“ gaben Experten ihr Wissen an Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter weiter.

Wie drängend das Problem der Bewässerung ist, zeigt die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren viele Betriebe nicht über genügend Wasser für ihre Kulturpflanzen verfügten. Daher steht am Anfang einer jeden Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen die Bedarfsermittlung mit der Frage „Wieviel Wasser brauche ich für den Anbau?“. In diesem Zusammenhang präsentierte Dr. Sandra Kruse, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Bewässerung bei der DLG (Deutsche Lebensmittel-Gesellschaft), wie jeder Betrieb seinen Bedarf ermitteln kann. Dabei ist in Zeiten des Klimawandels das Ziel, Erträge und Qualität zu erhalten – von einer Ertragssteigerung ist nicht die Rede.

Möglichst dann Wasser speichern, wenn es reichlich Regen und volle Oberflächengewässer gibt

Damit spannte sie den Bogen zu Uwe Roth vom Wasser-, Boden- und Landschaftspflegeverband Hessen. Er veranschaulichte die Möglichkeiten der Wasserbeschaffung – sei es über betriebseigene Brunnen oder die genehmigungswürdige Entnahme aus Oberflächengewässern. Allerdings sind dabei teils hohe rechtliche Rahmenbedingungen einzuhalten. Auch die Wasserqualität spielt eine erhebliche Rolle, da nicht alle Pflanzen jedes Wasser vertragen. Um dennoch für die angebauten Kulturen in den für ihr Wachstum wichtigen Zeiten ausreichend Wasser zur Verfügung zu haben, ist es ratsam, möglichst dann Wasser zu speichern, wenn es reichlich Regen und volle Oberflächengewässer gibt – zum Beispiel im Winter.

In Sachen Wasserspeicherung hat Florin Schneider von der Hubertus Beutler GmbH Erfahrung. Im Fokus seines Vortrages standen Wasserspeicher für landwirtschaftliche Betriebe in Form von offenen Reservoirs jenseits einer Größe von 100.000 Litern. Beim Bau solcher Speicher sind Vorgaben des Baurechts sowie des Natur- und Gewässerschutzes zu berücksichtigen. Der Vorteil dieser Reservoirs: ist die Genehmigung erteilt, gehe der Bau sehr flott, und der Rückbau sei schnell und ohne Folgen für die Fläche umsetzbar, so Schneider.

Größter landwirtschaftlicher Wasserspeicher in Hessen

Ein praktisches Beispiel für solch große Wasserspeicher findet sich auf dem Betrieb von Reiner Paul von Paul´s Bauernhof bei Hofheim-Wallau. Er berichtete von der Entwicklung seines Betriebs bei der Bewässerung von Beeren und Gemüse. Dafür entsteht gerade der bisher in Hessen größte landwirtschaftliche Wasserspeicher. Reiner Paul nutzt zur Befüllung Regenwasser von den Dachflächen und ein – mittlerweile nur noch im Winter nutzbares – Wasserrecht für einen Bach. Das so gesammelte Wasser bleibt dann bis zum Sommer in dem Reservoir. Die ersten Erfahrungen auf seinem Bauernhof zeigen, so Paul, dass er mit dem neuen Speicher die natürlichen Ressourcen im Sommer schont und dennoch die stark nachgefragten regionalen Beerenfrüchte produzieren kann. Eine Investition in die Zukunft.
Die Ökomodell-Region Rhein-Main sieht diese Entwicklung aber nur als einen ersten Schritt zur effizienten Wassernutzung. Eine weitere Veranstaltung soll zeigen, wie mit dem Wasser auf dem Feld umgegangen wird. Wie lässt sich gewährleisten, dass wirklich nur so viel Wasser ausgebracht wird, wie die Pflanzen brauchen, und wie werden Verluste durch Verdunstung oder Versickerung vermieden? Dazu bald mehr.

Bei Fragen zu diesem und anderen Themen können sich Interessierte gerne per E-Mail an Oekomodell-Rhein-Main@Hochtaunuskreis.de wenden.

Infos zur Ökomodell-Region Rhein-Main

Auf einer Gesamtfläche von 135.400 Hektar umfasst die Ökomodell-Region Rhein-Main die Landkreise Hochtaunus, Main-Taunus und Offenbach sowie die Städte Frankfurt und Offenbach. Hierdurch entsteht ein thematischer Schwerpunkt: Landwirtschaft im Ballungsraum sichern. Auf der einen Seite zeichnet sich die Region aus durch gute Böden, starke Kaufkraft sowie ein großes Interesse an regionalen Produkten. Auf der anderen Seite ist sie als Ballungsraum geprägt von Flächenkonkurrenz und einer sich verändernden Infrastruktur.

Die Arbeit der Ökomodell-Region Rhein-Main zielt auf den Erhalt des ökologischen Wertes der Landwirtschaft im Rhein-Main-Gebiet. Dazu unterstützt sie die Vernetzung und Zusammenarbeit von Betrieben entlang der Wertschöpfungskette und leistet für Betriebe bedarfsgerechte Informationsangebote und Projektentwicklung, um die Versorgung mit ökologisch erzeugten regionalen Lebensmitteln dauerhaft zu gewährleisten.

(Text: PM Hochtaunuskreis)