Beim „kulinarischen Speeddating“ im Dieburger Landratsamt machen auch zwei Eppertshäuser Betriebe mit

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Am „kulinarischen Speeddating“ nahm unter anderem der Eppertshäuser Rinderzüchter Mike Pritsch (vorn links) teil. (Foto: jedö)

„Ich frage mich, warum viele Gastronomen ihre Produkte nicht im Ort kaufen“, sinnierte Mike Pritsch am Dienstag vergangener Woche. „Genau das ist doch auch vom Kunden gewollt!“ Eine Antwort darauf könnte lauten, dass mancher Restaurant-Betreiber gar nicht weiß, welcher Schatz an Erzeugnissen just um die Ecke schlummert. Umgekehrt ist manchem Erzeuger womöglich nicht klar, dass ein Gastronom aus der Nachbarschaft genau das sucht, was er anzubieten hat. Das Dieburger Landratsamt war nun jener Ort, an dem beide Seiten ein Stück besser zusammenfinden sollten: Auf Einladung der Ökomodell-Region Süd (siehe unten) versammelten sich zwei Dutzend südhessische Gastronomen und Erzeuger zu einem „kulinarischen Speeddating“.

Mittendrin war auch eingangs erwähnter Mike Pritsch. Er hat vor zwei Jahren die einstige „Beckmann-Ranch“ bei Eppertshausen gekauft und züchtet im Nebenerwerb Charolais-Rinder. Rund 60 Tiere hält er, und auch wenn dies nicht unter Biosiegel geschieht, so doch unter vielen Voraussetzungen, die an Tierwohl interessierten Verbrauchern wichtig sind: „Wir kaufen nichts dazu, unsere Kälber bleiben bis zu einem Dreivierteljahr bei ihren Müttern und unsere Herden sind viel draußen“, zählte Pritsch auf.

Beim „kulinarischen Speeddating“ kamen unter anderem Lars Wiessner (l.) vom Dieburger Apfelweinhof und Jürgen Kreher von der gleichnamigen Eppertshäuser Bäckerei ins Gespräch. (Foto: jedö)

Zum Speeddating – kurze Gespräche zum ersten Beschnuppern samt der Möglichkeit, das Kennenlernen des potenziellen Geschäftspartners anschließend zu vertiefen – hatte er sich angemeldet, „weil ich es interessant finde, dass die Gastronomen aus der Region sind“. Manchmal ergeben sich dann auch Kooperationschancen, an die man zunächst gar nicht gedacht hat: So tauschte sich Pritsch auch mit Jürgen Kreher aus, der in Eppertshausen die gleichnamige Bäckerei betreibt. Kreher registrierte, dass Pritsch an der Gründung eines Hofladens arbeitet. „Vielleicht kann ich auch dort einige Backwaren verkaufen“, blickte Kreher voraus.

Der Bäckermeister war seinerseits eigentlich „wegen der Vernetzung mit den Gastronomen“ gekommen. Die waren (beispielsweise durch das Dieburger „Café Momo“) ordentlich vertreten, gegenüber den Erzeugern (etwa dem Klein-Zimmerner „Birkenhof“ als reinem Biobetrieb für Eier, Erdbeeren, Grünspargel und Kürbisse) gleichwohl in Unterzahl. Zumindest bei diesem ersten Dating-Event, denn das Format soll höchstwahrscheinlich fortgesetzt werden, wie Alexandra Hilzinger – Projektmanagerin der Ökomodell-Region Süd – sagte. Mit dem Zuspruch sei man „für den Anfang zufrieden, auch wenn wir den Ablauf noch verfeinern müssen“. Die zunächst geplanten fünf Minuten pro Paarung hatte man auf ziemlich sportliche zwei reduziert, um binnen einer Stunde möglichst viele Kennenlernen zu ermöglichen.

Die Ziele der Veranstaltung umriss das Team aus der jeweiligen Perspektive von Gastronomen und Erzeugern. Gastronomen könnten „erfahren, wen es so in der Ökomodell-Region Süd gibt, der vielleicht genau das anbaut, was Sie als bio-regionales Gericht gerne ihren Gästen anbieten würden“. Die Teilnahme war allerdings nicht auf reine Bio-Betriebe beschränkt. Das Speeddating könne zudem der Auslöser für eine „Anbauabsprache besonderer Produkte wie alter Sorten oder Exoten“ sein. Erzeuger wiederum könnten „zeigen, was und in welchen Mengen sie von ihren regional angebauten Produkten liefern können“.

Denn „mehr geht immer“, wie selbst der im Markt bestens integrierte Jürgen Kreher anmerkte. Derzeit beschränkten sich seine Gastro-Deals auf die Wochenend-Lieferung von Brot und Brötchen an die Eppertshäuser „Krone“ mit Hotel und Restaurant. Unter anderem Lars Wiessner vom Dieburger Apfelweinhof hörte am Dienstag, wie er mit dem Bäcker künftig womöglich ins Geschäft kommen könnte. „Es ist wichtig, sich lokal gegenseitig zu unterstützen und das Netzwerk auszubauen“, betonte Wiessner, dessen Häckerwirtschaft in der Innenstadt am ersten Mai-Wochenende in die Saison startet. Wobei es natürlich auch Grenzen gebe: „Manche Sachen wie Ahle Worscht kriege ich einfach nicht lokal.“ Denn die wird traditionell in Nordhessen hergestellt.

Die Ökomodell-Region Süd

Die Ökomodell-Region Süd ist ein öffentliches Projekt zur Förderung des Ökolandbaus als Leitbild einer nachhaltigen Landwirtschaft in der Region. Ziele sind neben der Ausweitung der ökologischen Produktion gleichzeitig die Förderung regionaler Wertschöpfungsketten und die Sensibilisierung von Verbrauchern für gesunde Bio-Lebensmittel.

Die Ökomodell-Region Süd umschließt einen großen Teil Südhessens und setzt sich seit 2021 aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, dem Odenwaldkreis, dem Kreis Bergstraße, dem Kreis Groß-Gerau und der Wissenschaftsstadt Darmstadt zusammen. Das „Kulinarische Speeddating“ am Dienstag in Dieburg unterstützten auch die regionalen Ableger der Industrie- und Handelskammer sowie des Deutsche Hotel- und Gaststätten-Verbands.

(Text: jedö)