Stadtnaher Artenschutz in Frankfurt

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Als Naturdenkmal gekennzeichnete Eiche. (Foto: Anja Stein)

Zum Welttag des Artenschutzes am vergangenen Freitag informiert Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig über die Bedeutung der Artenvielfalt in unseren heimischen Wäldern.

Der Erhalt der Artenvielfalt ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Um bedrohte wildlebende Tiere und Pflanzen zu schützen, wurde am 3. März 1973 das Washingtoner Artenschutzübereinkommen unterzeichnet. Daran erinnert der jährlich am 3. März stattfindende Internationale Tag des Artenschutzes. Auch im Stadtwald spielt Artenvielfalt eine entscheidende Rolle – nicht nur im Hinblick auf die unterschiedlichen Baumarten. „Der Artenreichtum des Frankfurter Stadtwaldes ist beeindruckend“, sagt Klima- und Umweltdezernentin Heilig. „Man erwartet es nicht in einem so stadtnahen und hoch frequentierten Erholungsgebiet, aber selbst einige vom Aussterben bedrohte Arten finden hier einen Lebensraum und gründen stabile Populationen“, fügt sie hinzu.

Weite Teile des Stadtwalds haben eine sehr hohe Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz und leisten damit einen großen Beitrag zur Erhaltung der in Frankfurt heimischen Biodiversität. Entsprechend ist der Stadtwald nicht nur Landschaftsschutzgebiet, sondern 19 Prozent der Waldfläche sind als FFH-Gebiete gemäß der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der Europäischen Union ausgewiesen. Dies schließt eines der bedeutendsten Vorkommen von Hainsimsen- und Waldmeister-Buchenwäldern in der Region ein. Von den 300 Hektar in Hessen vorkommenden alten bodensauren Eichenwäldern auf Sandebenen liegen über 130 Hektar im Stadtwald und sind unter europäischen Schutz gestellt.

Im Stadtwald wird naturnaher Waldbau betrieben. Dies bedeutet, dass sich artenreiche und strukturreiche, naturnahe Laub- und Mischwaldbestände entwickeln können. Eine Waldbewirtschaftung weg von Monokulturen, welche deutlich störanfälliger gegenüber Extremklimaten und Schädlingen sind. Durch Stehen- und Liegenlassen alter und toter Bäume werden seltene Pilzarten gefördert und verschiedenen Tierarten wie Spechten, Fledermäusen, Waldkäuzen, Hohltauben und Insekten, etwa Hirschkäfer und Heldbock, ein Habitat für Nistplätze und zur Nahrungssuche ermöglicht. Darüber hinaus ist der Stadtwald zu einem großen Teil als Bannwald ausgewiesen, er steht daher bei Bauvorhaben unter einem besonderen Schutz und darf nicht einfach abgeholzt werden.

Auch mit Blick auf den Klimawandel gilt es, den Stadtwald zu schützen und weitere Artenverluste zu vermeiden. Die langen Trockenperioden und heißen Sommer der Jahre 2018 bis 2020 und 2022 haben die Situation des Waldes dramatisch verschlechtert. Um dem entgegenzuwirken, wird der Aufbau von arten- und strukturreichen Mischwaldbeständen im Rahmen einer naturnahen Waldbewirtschaftung weiter gefördert. Außerdem wurden in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Versuchsflächen angelegt. Sowohl heimische als auch nicht heimische Baumarten werden hier mit unterschiedlichen Pflanzverfahren gepflanzt, um zu erforschen, welche Baumarten mit den trockenen Böden besser zurechtkommen. Darüber hinaus ermöglichen ausgewählte Stilllegungsflächen eine natürliche Waldentwicklung, an der man beobachten kann, wie ein Wald wächst, auf den der Mensch nicht mehr einwirkt.

„Durch diese und viele weitere Maßnahmen fördern wir die biologische Vielfalt des Stadtwaldes“, sagt Klima- und Umweltdezernentin Heilig. „Jeden Tag verschwinden bis zu 150 Pflanzen- und Tierarten von der Erde. Wir gehen in Frankfurt daher aktiv gegen den Biodiversitätsverlust vor – auch an den restlichen 364 Tagen des Jahres.“

(Text: PM Stadt Frankfurt)