Offenbach: Veranstaltungen rund um den Weltfrauentag

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(Grafik: EyestetixStudio auf Pixabay)

„Frauen gemeinsam für gleiche Rechte“, „Frauenrechte sind Menschenrechte“ und natürlich auch „Frauen, Leben, Freiheit“: Am 13. März gehen die Offenbacher Frauen auf die Straße, der Marsch um 17.30 Uhr soll zeigen, dass in puncto Gleichberechtigung noch viel zu tun ist. Weil Frauen noch immer schlechter bezahlt, von Gewalt bedroht, schlicht benachteiligt sind, gibt es den Internationalen Frauentag am heutigen 8. März, der auf Ungleichbehandlungen und Diskriminierungen in der Arbeitswelt, im öffentlichen Leben und auch im Privaten hinweist.

Deshalb hat das Frauenbüro der Stadt Offenbach rund um den 8. März eine Reihe von Veranstaltungen organisiert, mit dem Marsch endet die fast vierzehntägige Frauenwoche. Unabhängig davon arbeitet die Leiterin des Frauenbüros, Dr. Inga Halwachs, mit ihrem Team und zahlreichen Initiativen, Vereinen, Institutionen, Unterstützerinnen und Unterstützern ganzjährig an der Bewusstmachung und dem Abbau diskriminierender Strukturen. Der Internationale Frauentag ist eine gute Gelegenheit, diese in besonderer Weise zu betonen, und zwar nicht leise, sondern laut und deutlich.

Recht auf ein selbstbestimmtes, diskriminierungsfreies und gewaltfreies Leben

„Frauen wie Männer haben das Recht auf ein selbstbestimmtes, diskriminierungsfreies und gewaltfreies Leben, die gleichberechtigte Verteilung von Chancen und die Gestaltung von Lebenswegen. Das ist zentrale Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens“, sagt Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke. „Aber leider gibt es Ungleichheit noch in vielen Bereichen und muss Gleichheit immer wieder neu verhandelt und durchgesetzt werden.“

Mit dem Internationalen Frauentag werden jedes Jahr auch die Frauen außerhalb Europas mit in den Blick genommen, in diesem Jahr richtet sich der Fokus besonders auf die mutigen Iranierinnen, die seit dem gewaltsamen Tod von Mahsa Amini auf die Straße gehen und unter Lebensgefahr gegen Bevormundung und gesellschaftliche Zwänge kämpfen. „Frau – Leben – Freiheit“ ist zum Schlachtruf einer ganzen Region geworden und findet weltweit solidarischen Widerhall.

Wie also steht es um die Gleichstellung der Geschlechter, die zumindest in der Bundesrepublik eindeutig geregelt ist: Sowohl das Grundgesetzt (Artikel 3) als auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (Artikel 1) verbieten Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Weitreichend ist auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das seit 2017 nicht binären Menschen, also jene, die sich nicht eindeutig männlich oder weiblich verorten, klar vor Diskriminierung schützt. „Trotzdem“, sagt die kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Halwachs, „klafft noch zu oft eine Lücke zwischen Recht und Wirklichkeit. Diese Gender Gaps zu benennen und die Umsetzung der Frauenrechte laut und deutlich zu fordern, darum geht es in der Frauenwoche“. Diese sind das Recht auf Entgeltgleichheit, das Recht auf ein gewaltfreies Leben, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und das Recht am eigenen Körper, das Recht auf Bildung und Information und auch das Recht auf Mitbestimmung und Teilhabe.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Messbar und sichtbar wird die Ungleichbehandlung vor allem, wenn es um die Bezahlung geht. Davon, dass Frauen den gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten, sind etliche Branchen und Betriebe noch weit entfernt. Der sogenannte Gender Pay Gap am 7. März bezeichnet die prozentuale Lohnlücke, diese liegt seit 2020 bei 18 Prozent. Zum Vergleich: 2006 betrug der geschlechterspezifische Verdienstabstand noch 23 Prozent. Entsprechend ambitioniert ist da das Ziel der Bundesregierung, die Lohnlücke bis 2030 auf mindestens 10 Prozent zu reduzieren.

Neben der Forderung nach Entgeltgleichheit müssen auch diejenigen Berufe aufgewertet werden, die in der Pandemie als systemrelevant galten, fordert Halwachs. Denn deren Relevanz spiegele sich weder im Prestige noch in der Bezahlung wider. Gemeint sind hier vor allem die Sozial- und Erziehungsberufe, in denen vor allem Frauen arbeiten. Hier gelte es nach wie vor, Stereotype in den Köpfen zu verändern, damit die Berufswahl bei Mädchen und auch bei Jungen nicht aufgrund von Rollenklischees auf wenige Berufe beschränkt bleibt.

Gleichberechtigt und gewaltfrei leben

Gewalt gegen Frauen kennt viele Spielarten und rein statistisch wird bundesweit jede vierte Frau einmal im Leben Opfer von häuslicher Gewalt. 181 Fälle wurden in Offenbach im Jahr 2021 zur Anzeige gebracht. Dass die Dunkelziffer um ein vielfaches höher liegt, lassen die konstant hohen Beratungszahlen bei den unterschiedlichen Institutionen im Offenbacher Hilfesystem vermuten. „Alle Institutionen arbeiten unter voller Auslastungen und bräuchten dringend eine deutlich bessere Unterstützung mit Geld und Personal, damit gewaltbetroffene Menschen, vor allem aber Frauen, gut beraten und begleitet werden können.“ Wichtig seien zudem Investitionen in die Präventionsarbeit, vor allem in Schulen und Kitas, aber auch auf der Straße. Deshalb fordert Halwachs: „Kinder und Jugendliche müssen schon von Anfang an lernen, dass Gewalt keine Konflikte löst und gleichzeitig andere Rollenmuster vermittelt bekommen. Männlichkeit ist keine Frage von körperlicher Stärke und Frauen sind nicht als Opfer geboren. Deshalb ist es wichtig, das Thema häusliche Gewalt aus der privaten Tabuzone zu holen. Wir müssen sehr wohl hinschauen, uns einmischen und das Recht der Frauen auf ein gewaltfreies Leben und an ihrem Körper durchsetzen.“

Weil eine ungewollte Schwangerschaft das Leben durcheinanderwirbelt und Mädchen und Frauen zwar bis zur 12. Woche straffrei abtreiben können, der §219 aber ein verpflichtendes Schwangerschaftskonfliktgespräch vorsieht, bleibt die Abschaffung des §218 und eine bedingungslose Selbstbestimmung über den eigenen Körper eine weitere Forderung der Frauenbeauftragten.

Ebenfalls auf der Agenda steht die Durchsetzung des verbrieften Rechts auf Teilhabe und Mitgestaltung, hier ist Offenbach mit einem Frauenanteil von 45 Prozent Frauen in der aktuellen Stadtverordnetenversammlung schon auf einem guten Weg. Besser ist nur noch der Ausländerbeirat, mit einem Frauenanteil von 52 Prozent. Auch in puncto weibliche Führungskräfte in der Stadtverwaltung muss sich Offenbach nicht verstecken. Ganz im Gegenteil: „Heute liegt die Frauenquote bei den Führungskräften bei 50 Prozent und auch in der Laufbahn des höheren Dienstes haben wir die 50-Prozent-Marke erreicht“, hebt Oberbürgermeister Schwenke hervor. „Trotzdem bleibt noch viel zu tun und deshalb unterstütze ich das Frauenbüro bei seiner Arbeit für die Gleichstellung von Frauen und Männern,“ so Schwenke weiter.

Frauenwoche vom 2. bis 13. März

Rund um den Internationalen Frauentag am 8. März werden in unterschiedlichen Formaten Fragen und Forderungen im Bereich der Gleichstellung der Geschlechter formuliert und diskutiert (wir haben berichtet). Es gibt eine Lesung, Filmabend und Kunst im Rathaus, Informationsformate und Workshops und den eingangs erwähnten Frauenmarsch am Montag, 13. März. Dieser beginnt um 17.30 Uhr im Rathaus und unterstreicht das Anliegen der Frauenwoche, Frauenrechte und die Schließung der Gender Gaps, der Lücken in der Gleichstellung, in Offenbach sichtbar zu machen. Die Gleichstellungskommission unterstützt das Frauenbüro und ruft in diesem Jahr zum Frauenmarsch für gleiche Rechte auf. Deren Vorsitzende und Stadträtin Gertrud Marx sagt: „Unabhängig von Parteizugehörigkeit steht dieser Marsch für die Solidarität der Frauen untereinander. Wir freuen uns auf zahlreiche Unterstützung durch Frauen und Männer, die sich mit uns für Frauenrechte stark machen.“

(Text: PM Stadt Offenbach)