MVZ Rödermark: Wenn das Knie schmerzt, muss es nicht am Knie liegen

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Andrea Schaer, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie des Medizinischen Versorgungszentrums von Asklepios am Standort Rödermark. (Foto: LPR)

Wenn das Knie schmerzt, muss es nicht am Knie liegen. Die Ursache findet Andrea Schaer bei ihren Patienten oft an anderen Stellen. Die Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie des Medizinischen Versorgungszentrums von Asklepios am Standort Rödermark hat viel mit altersdegenerativen Erkrankungen zu tun. Aber auch manche Kinder müssen behandelt werden.

Ihre Patienten möchte Andrea Schaer zu nichts überreden, was diese nicht selbst wollen. Lieber erklärt ihnen die Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, was es mit einem Leiden auf sich hat und welche Therapie sie für sinnvoll hält. Der Patient entscheide, was für ihn in seiner Situation gut sei, sagt sie; „die Entscheidung eines Patienten, was er machen lassen möchte, hinterfrage ich nicht.“ Ältere Patienten folgten eher dem, was der Arzt oder die Ärztin rate. Jüngere Patienten hätten häufig schon selbst recherchiert, bevor sie zum Arzt kommen, und wollten genau wissen, warum eine bestimmte Therapie empfohlen werde. „Der Arzt entscheidet nicht für den Patienten“, macht Schaer deutlich. Der Arzt müsse den Patienten informieren und so weit bringen, „dass der Patient die Entscheidung selbst treffen kann“. Der 39 Jahre alten Medizinerin ist dies besonders wichtig. Sie finde es schön, einen Patienten bei der ambulanten Behandlung zu begleiten und die Therapie so zu steuern, „dass ihm bestmöglich geholfen wird“.

Seit 2019 am Standort Rödermark

Seit 2019 ist Schaer am Standort Rödermark, im Ärztehaus Breidertring 104, des Medizinischen Versorgungszentrums Seligenstadt tätig. Dies waren gute Jahre. Um die Praxis erweitern zu können ist für dieses Jahr noch ein Umzug in einen Neubau geplant. Im Sommer zieht die Praxis in das Medizinische Versorgungszentrum nach Rodgau Dudenhofen (Kronberger Straße 11) um. In modernsten Praxisräumen werden wir, unterstützt von weiteren Fachdisziplinen, für unsere Patienten gut erreichbar sein und eine noch umfassendere Versorgung anbieten können.

Viele Menschen leiden mit fortschreitendem Alter unter sogenannten altersdegenerativen Veränderungen – etwa Arthrose der Gelenke, Rückenbeschwerden oder alten Verletzungen, die sich wieder bemerkbar machen. Menschen im mittleren Alter klagen häufig über Rückenprobleme, wenn sich etwa die Bandscheiben bemerkbar machen oder sich Engstellen für die Nervenkanäle gebildet haben. In der Regel suchen die Betroffenen zuerst den Hausarzt auf, der sie häufig zur Weiterbehandlung an einen Orthopäden überweist.
Hier kommt das Medizinische Versorgungszentrum ins Spiel. Für die Patienten unterscheidet es sich in keiner Weise von der Praxis eines niedergelassenen Arztes. Schaer ist beim Medizinischen Versorgungszentrum von Asklepios angestellt, das mit der „Hauptstelle“ an der Asklepios Klinik Seligenstadt und einem weiteren Standort in Seligenstadt-Froschhausen gleich mehrere Fachrichtungen abdeckt. In Seligenstadt behandeln ein Allgemeinchirurg, ein Kardiologe, ein Gastroenterologe und ein Proktologe ein breites Spektrum an Krankheiten. In Seligenstadt-Froschhausen kommen der Facharzt für Allgemeinmedizin dazu. Schaer weiß die „interdisziplinäre Zusammenarbeit“ innerhalb des MVZ zu schätzen: Falls nötig, könne man einen Patienten auf dem „kurzen Dienstweg“ zu den Kollegen der anderen Fachrichtungen weiterleiten.

Auch der sogenannte Witwenbuckel gehört zu den degenerativen Erkrankungen bei älteren Menschen, die die größte Patientengruppe bei Schaer bilden. Vor allem Frauen, seltener auch Männer, können darunter leiden, dass sich die Brustwirbelsäule immer stärker krümmt. Schaer spricht von „Spätfolgen einer unbehandelten Osteoporose“. Mit Sportprogrammen, die viele Krankenkassen anbieten, Bandagen und Medikamenten könne man die weitere Knochenerweichung aufhalten, sagt Schaer.

Wenn der Fuß nicht in Ordnung ist, entstehen Schmerzen – nicht nur im Knie

Wenn plötzlich beim Laufen Knieschmerzen auftreten, können sich dies die Betroffenen häufig nicht erklären. Sie schaue sich in solchen Fällen gerne die Füße der Patienten an, erläutert die Ärztin: Wenn dort die Statik nicht stimme und der Patient etwa einen Senk-, Spreiz-, Platt- oder Hohlfuß habe, könne der Aufbau auch nicht stimmen: „Der Schiefe Turm von Pisa ist gerade; das Fundament ist das Problem.“ Wenn der Fuß nicht in Ordnung sei, entstünden Schmerzen – nicht nur im Knie, sondern manchmal auch an der Hüfte, im Rücken und sogar an der Schulter. „Die Schmerzen sind nicht immer da, wo die Ursache des Schmerzes liegt“, hebt Schaer hervor. Daher sei es wichtig zu wissen, welche Schmerzen sich an die Stelle, die der Patient angibt, projizieren könnten. Sollte bei degenerativen Rückenschmerzen, Hüft- und Kniebeschwerden oder Arthrose ein Eingriff nötig werden, arbeitet Schaer gerne mit der Asklepios Klinik Seligenstadt zusammen. Auch für hand- und fußchirurgische Operationen stehen dort erfahrene Ärzte bereit.

Nicht nur ältere Menschen suchen das Medizinische Versorgungszentrum von Asklepios auf. Häufig werden zu Schaer auch Kinder und Jugendliche überwiesen, die an den U- Gesundheitsuntersuchungen beim Kinderarzt teilgenommen haben und bei denen Auffälligkeiten festgestellt wurden. Zum Überprüfen der Rücken- und Fußstatik ist in diesen Fällen die Expertise eines Orthopäden oder einer Orthopädin erforderlich. Manche Kinder oder Jugendliche leiden unter Skoliose, einer genetisch bedingten Rotations-Seitabweichung der Wirbelsäule, die in manchen Familien häufiger als üblich auftritt. Im Alter von neun oder zehn Jahren, manchmal auch schon mit acht Jahren, tritt sie auf. Schaers Standardfrage in solchen Fällen lautet: „Sind Geschwister, vor allem jüngere, vorhanden?“ Auch bei ihnen müsse die Wirbelsäule kontrolliert werden. Je früher man Skoliose behandele, desto bessere Ergebnisse könne man erzielen. Bei rechtzeitiger Diagnose lasse sich der Verlauf während des Wachstums deutlich abmildern und die Lebensqualität der Patienten erheblich erhöhen. Es müsse „nicht jeder wie Quasimodo herumlaufen“, bringt es die Ärztin auf eine einprägsame Formel. Folgeschäden an Herz und Lunge ließen sich dadurch ebenfalls vermeiden. Spezielle Krankengymnastik und Korsettbehandlungen können helfen. Hat Schaer eine solche Veränderung der Wirbelsäule diagnostiziert, überweist sie die Patienten zur stationären Behandlung an spezielle Fachkliniken für Skoliose und übernimmt selbst die weitere ambulante Behandlung.

Im medizinischen Versorgungszentrum manches einfacher

Sie sei „begeistert Orthopädin“, sagt Schaer. Ihr Medizinstudium absolvierte sie in Frankfurt; zur Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie ließ sie sich am Klinikum Aschaffenburg ausbilden. Drei Jahre war sie in einer orthopädischen Praxis ebenfalls in Aschaffenburg tätig. Bei der Zusammenarbeit mit erfahrenen Kollegen habe sie damals viel gelernt, erinnert sie sich. Anschließend folgte der Wechsel an das Medizinische Versorgungszentrum von Asklepios am Standort Rödermark; dort wird sie von einem Team aus zwei erfahrenen Medizinischen Fachangestellten unterstützt. Unterscheidet sich die Arbeit in einem Medizinischen Versorgungszentrum von der als niedergelassener Arzt? Ein niedergelassener Arzt müsse sich um Organisation, Abrechnung, Technik und vieles andere selbst kümmern, sagt Schaer. In einem Medizinischen Versorgungszentrum, hinter dem ein Konzern wie Asklepios stehe, sei manches einfacher: „Wenn hier der Computer ausfällt, dann sagen wir Bescheid, und sehr schnell kommt ein Techniker, der das wieder in Ordnung bringt.“ Als weiteren Vorteil sieht Schaer an, „dass ich auch die Klinik im Hintergrund habe“, so dass in akuten Fällen eine zügige unfallchirurgische und orthopädische Versorgung möglich sei.

(Text: PM LPR)