Asklepios Psychiatrie Langen: Auch künftig ein verlässlicher Partner bei psychischen Erkrankungen

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Stefanie Rennerich (Foto: LPR)

Stefanie Rennerich ist neue Geschäftsführerin der Asklepios Psychiatrie Langen GmbH. Die ambulanten Angebote möchte sie gerne ausbauen, um den Patienten noch besser helfen zu können.

Der Wechsel nach Langen dürfte Stefanie Rennerich nicht schwergefallen sein. Seit Jahresanfang ist sie Geschäftsführerin der Aslepios Psychiatrie Langen GmbH; sie übernahm damit ein Haus, das in der Region und darüber hinaus einen guten Ruf hat. Psychisch kranke Menschen aus dem Kreis Offenbach, aber auch von weiter her, wissen die Dienste der Klinik zu schätzen. 118 Betten stehen dort auf fünf Stationen zur Verfügung. Zum Haus gehören zwei Tageskliniken mit 25 Plätzen in Langen und 18 Plätzen in Seligenstadt sowie zwei Institutsambulanzen in diesen beiden Städten. Beschäftigt sind rund 170 Mitarbeiter. Mancher ist schon seit 2008 dabei: Damals wurde die Asklepios Klinik für Psychische Gesundheit eröffnet. Viele Beschäftigte hätten das Haus mit aufgebaut, so dass eine starke Verbundenheit entstanden sei, sagte Rennerich.

Patienten vergeben gute Noten

Die Klinik ist voll belegt, und die Patienten vergeben gute Noten: Direkt am Ausgang können Patienten, die entlassen werden, ihre Bewertungen in ein kleines Kästchen werfen. Smileys decken die Noten von „sehr gut“ bis „sehr schlecht“ ab. „Auf einer Skala bis fünf befinden wir uns bei einem Wert größer vier“, sagte Rennerich. Damit „sind wir jetzt erst einmal zufrieden“. Aber natürlich sei das Ergebnis ausbaufähig. Mancher Patient gibt sein positives Urteil auf eigene Weise ab. Auf einer Station habe sich eine Frau vor einiger Zeit bei einer Pflegekraft dafür bedankt, dass ihr so gut geholfen worden sei: Die Patientin malte ein Bild, das die Pflegekraft mit Engelsflügeln zeigte. Es sei sehr schön zu sehen, dass die Mitarbeiter für ihren täglichen Einsatz so große Wertschätzung erführen, machte Rennerich deutlich.

Die 33 Jahre alte Geschäftsführerin stammt aus Brilon im Hochsauerland, wo sie auch ihre Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin absolvierte. Neben ihrer anschließenden Leitungstätigkeit in einer klinikversorgenden Apotheke nahm sie ein Studium der Betriebswirtschaftslehre auf, das sie an der Universität Marburg abschloss. Die Arbeit in einem Krankenhaus lernte sie bei einem Praktikum an der Asklepios Klinik Langen kennen.

2018 ging Rennerich als Referentin der Krankenhausdirektion an das Diakonie-Krankenhaus in Marburg, baute dort das Medizin-Controlling auf, das sie auch leitete, und wurde stellvertretende Krankenhausdirektorin. 2021 folgte der Wechsel zu Asklepios: An der Asklepios Klinik Seligenstadt wirkte sie als Klinik-Koordinatorin. Von September bis Ende Dezember 2022 wurde sie zur Asklepios Fachkliniken Brandenburg GmbH, einem Verbund von drei psychiatrischen Fachkliniken mit insgesamt rund 600 Betten und 700 Mitarbeitern, nach Brandenburg an der Havel entsandt, wo sie als Klinikmanagerin in der zweiten Reihe agierte. Als Geschäftsführerin der Asklepios Psychiatrie Langen GmbH steht sie nun ganz vorne.

Tätigkeit mache „sehr großen Spaß“

Das Diakonie-Krankenhaus Marburg und die Asklepios Klinik Seligenstadt, an denen sie früher tätig war, sind somatische Häuser. An den Asklepios Fachkliniken Brandenburg bekam sie, mit der neuen Position in Langen bekommt sie Einblicke in die psychiatrische Arbeit und damit in ein ganz anderes medizinisches Segment: „Es ist interessant und für mich etwas Neues.“ Die Tätigkeit mache ihr aber „sehr großen Spaß“. Sie habe in Langen ein „sehr gut aufgestelltes Haus“ vorgefunden, machte Rennerich deutlich. Dass die Psychiatrie 2008 direkt neben der somatischen Asklepios Klinik errichtet wurde, sei eine gute Entscheidung gewesen und habe mit dazu beigetragen, psychische Krankheiten zu „enttabuisieren“. Mit Chefarzt PD Dr. med. Harald Scherk, der diese Position im Mai vergangenen Jahres übernahm, wurde das Behandlungssegment erweitert. So hat etwa die Leitende Oberärztin Angelika Bauer das Leistungsangebot der Suchtstation um die Behandlung von Konsumenten illegaler Drogen erweitert.

Das Mitarbeiter-Team passe gut zusammen, hob Rennerich hervor. Viele Beschäftigte entschieden sich bewusst dafür, in einer Psychiatrie zu arbeiten: Wegen der oft längeren Behandlungszeit entstehe ein ganz anderes Verhältnis zum Patienten als in einem somatischen Krankenhaus. Diese Mitarbeiter „bleiben der Psychiatrie auch treu“. Derzeit seien nur wenige Stellen unbesetzt. Das Team lege großen Wert darauf, die Therapieangebote an die Bedürfnisse der Patienten anzupassen und moderne psychotherapeutische Therapieverfahren anzuwenden. Rennerich nannte hier Achtsamkeits- und Emotions-Regulationstraining. Auf der Depressionsstation führe man gerade neue Verfahren wie Lichttherapie und Magnetstimulanzien ein. Seit kurzem wird das Therapeutenteam durch zwei „Fellnasen“ unterstützt. Die zertifizierten Therapiehunde Smarty und Holy, zwei Australian Shepherds, leisten auf der Sucht- und der Gerontostation gute Dienste. „Perspektivisch wollen wir die Hunde auf allen Stationen mal einsetzen“, kündigte Rennerich an. Wenn die beiden Tiere mit ihrer Besitzerin durch das Haus liefen, „macht das sofort eine gute Stimmung“. Der Einsatz der Hunde sei „ein sehr schönes Therapiekonzept“.

Begonnenes Projekt „Minddistrict“ möchte Rennerich vorantreiben

Das schon begonnene Projekt „Minddistrict“ möchte Rennerich vorantreiben. Dahinter verbirgt sich eine App, auf die der Patient sowohl in der Klinik als auch in der Nachsorge zuhause zugreifen kann, wenn er merkt, dass es ihm nicht gut geht. Der begleitende Therapeut schaltet dazu jeweils passende Module, etwa Achtsamkeitsübungen oder Erklärvideos, frei. Es gehe bei „Minddistrict“ nicht darum, Therapeuten zu ersetzen, sondern es handele sich um ein unterstützendes Therapieverfahren für den Patienten und den Therapeuten.

Die Digitalisierung sei in der Klinik schon sehr weit fortgeschritten, solle aber weiter ausgebaut werden, machte Rennerich deutlich. Patientendokumentation und Medikationspläne würden hausintern schon digital vorgehalten. Das multiprofessionelle Team, das einen Patienten behandele, könne dadurch jederzeit auf die Unterlagen zugreifen; „das macht den Ablauf viel schlanker“. Ganz auf Papier könne man etwa bei der Kommunikation mit Behörden aber noch nicht verzichten.

Der Innenhof des Gebäudes, der als Atrium für die geschlossene Akutstation dient, wird demnächst komplett saniert und konzeptionell neu aufgebaut. Dort können sich die Patienten im Freien aufhalten. Künftig wird ihnen eine kleine Sportanlage samt Tischtennisplatte zur Verfügung stehen. Außerdem ist vorgesehen, einen Ruhebereich zu schaffen, der auch für Yoga-Übungen genutzt werden kann. Die Bauarbeiten sind auf den Zeitraum von Frühjahr bis Mitte des Jahres terminiert.

Weitere Behandlungssegmente ausbauen

Darüber hinaus möchte Rennerich weitere Behandlungssegmente ausbauen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Projekt „Stationsäquivalente Behandlung“, das für Menschen gedacht ist, die wegen einer psychischen Erkrankung eigentlich vollstationär in der Klinik behandelt werden müssten, ihr soziales Umfeld aber aus wichtigen Gründen nicht verlassen können. Teams der Klinik, bestehend aus Ärzten, Psychologen, Pflegern, Therapeuten und Angehörigen des Sozialdienstes, besuchen diese Patienten täglich. Im vergangenen Jahr wurden schon einige Patienten innerhalb der „Stationsäquivalenten Behandlung“ versorgt; die Klinik will das Projekt jetzt weiter forcieren. Man werde auch künftig ein verlässlicher Partner bei der Versorgung psychisch kranker Menschen für den Kreis Offenbach sein, hob Rennerich hervor.

(Text: ES)