Odenwaldkreis: Unabhängige Beschwerdestelle für Psychiatrie hilft bei Lösung von Konflikten

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Das Team der Unabhängigen Beschwerdestelle für Psychiatrie: Regina Hoffmann, Werner Niebel und Ursula Kaufmann vor dem Landratsamt (von links). (Foto: Odenwaldkreis)

Wer psychisch krank ist und über negative Erfahrungen in der Therapie oder Beratung sprechen möchte, hat im Odenwaldkreis empathische und fachkundige Gesprächspartner: Regina Hoffmann, Ursula Kaufmann und Werner Niebel von der „Unabhängigen Beschwerdestelle für Psychiatrie“ (UBSP), die beim Kreisausschuss des Odenwaldkreises angesiedelt ist.

Derzeit macht das Team mit einer Öffentlichkeitskampagne auf die Arbeit der Stelle aufmerksam, das heißt, es spricht verstärkt mit Selbsthilfegruppen, verteilt Plakate und Flyer in den Städten und Gemeinden, Institutionen wie dem DRK und dem Zentrum für Seelische Gesundheit, an die Ärzteschaft und in Apotheken. „Wir haben den Eindruck, dass unser Unterstützungsangebot noch nicht überall bekannt ist“, sagen Hoffmann, Kaufmann und Niebel. „Hinzu kamen die Kontaktbeschränkungen während der Pandemie, die unsere Arbeit erschwert haben.“

An die Stelle können sich Menschen wenden, die negative Erfahrungen in Kliniken, bei Psychiatern oder Psychotherapeuten, in Tagesstätten, Betreutem Wohnen, in Beratungsstellen, mit Pflegediensten, dem Sozialpsychiatrischen Dienst oder einer gesetzlichen Betreuung gemacht haben. Aber auch Angehörige und andere Betroffene können sich melden, wenn sie ein Anliegen haben.

Gegründet wurde die Beschwerdestelle im Zuge des Psychisch-Kranken-Hilfegesetzes im Dezember 2018. Sie arbeitet ehrenamtlich, streng vertraulich, neutral und kostenfrei. Der Landkreis stellt die Räumlichkeiten und die Infrastruktur zur Verfügung.

Regina Hoffmann arbeitet als Behindertenbeauftragte des Odenwaldkreises in der Stelle mit, Ursula Kaufmann ist für den Bereich Angehörige zuständig, und Werner Niebel ist EX-IN-Genesungsbegleiter. Diese Abkürzung steht für einen englischen Ausdruck, der mit „Experte aus Erfahrung” übersetzt werden kann. Das heißt, die Genesungsbegleiter haben selbst eine Psychiatrie-Erfahrung; für ihre Arbeit werden sie in einem einjährigen Kurs qualifiziert.

Niebel sagt, dass es Menschen mit psychischen Erkrankungen oft schwerfalle, sich für ihre Rechte stark zu machen. „Als Psychiatrie-Erfahrener und Gruppensprecher der Selbsthilfegruppe Angst Panik Depression kenne ich die Hemmschwellen, Probleme mit Ärzten oder Institutionen auf den Punkt zu bringen, und mit Ärzten darüber zu reden, was einem nicht gefällt.“

Ist eine Beschwerde eingegangen, nimmt jemand vom Team mit dem Beschwerdeführer beziehungsweise der Beschwerdeführerin Kontakt auf, um einen Beratungstermin zu vereinbaren. Es wird darauf hingearbeitet, eine Lösung im gegenseitigen Einverständnis zu finden. „Es geht darum, moderierend zur Klärung der Beschwerde beizutragen“, erläutert Hoffmann. „Anonyme Beschwerden bearbeiten wir nicht und Rechtsberatung können wir keine geben.“

Wichtig ist allen dreien, dass sie mit ihrer Arbeit jenseits der Klärung einzelner Fälle auch dazu beitragen, das Thema Psychische Erkrankungen in der Gesellschaft zu enttabuisieren.

Beschwerden können per Mail an psych-beschwerdestelle@odenwaldkreis.de, telefonisch unter 06062/70-3602 oder postalisch (Landratsamt Odenwaldkreis – Unabhängige Beschwerdestelle für Psychiatrie – Michelstädter Straße 12, 64711 Erbach), mitgeteilt werden.

(Text: PM Odenwaldkreis)